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Dicke Luft bei VW: „Wir wollen Antworten auf unsere Fragen hören“

20 000 VW-Mitarbeiter treffen sich am Mittwoch zur Betriebsversammlung.
20 000 VW-Mitarbeiter treffen sich am Mittwoch zur Betriebsversammlung.
Foto: imago/Sven Simon

Wolfsburg. Zoff um den neuen Abgasprüfstandard WLTP, Milliardeninvestitionen in E-Mobilität und Digitalisierung, drohende Stellenstreichungen und Sparprogramme: Die Lage bei VW bleibt angespannt.

In den nächsten fünf Jahren sollen zusätzlich 5000 bis 7000 Stellen wegfallen, ab 2023 sollen so die Kosten weiter sinken und der Gewinn um 5,9 Milliarden Euro jährlich steigen.

Ziel ist, finanziellen Spielraum zu gewinnen, um zusätzliches Geld in Zukunftstechnologien stecken zu können. Das bedeutet neue Sorgen für die Beschäftigten - der verschärfte Sparkurs dürfte die Mitarbeiter daher bei der Betriebsversammlung am Mittwoch vor allem beschäftigen.

VW: 20 000 Mitarbeiter bei Betriebsversammlung erwartet

Laut Betriebsratskreisen werden wegen der aktuellen Lage bis zu 20 000 Mitarbeiter bei der Betriebsversammlung erwartet. Sowohl VW-Konzernchef Herbert Diess als auch Betriebsratsboss Bernd Osterloh werden zur Belegschaft sprechen.

Immerhin: die bis 2025 geltende Beschäftigungssicherung bekräftigte der Autobauer in der vergangenen Woche. Vorgesehen ist den Angaben zufolge, dass Stellen beim altersbedingten Ausscheiden von Mitarbeitern nicht neu besetzt werden.

Personalvorstand Gunnar Kilian kündigte unlängst an, dass es Gespräche mit dem Betriebsrat geben werde, bei denen die Auswirkungen erarbeitet würden.

Das brachte Betriebsratschef Osterloh auf die Palme: „Ehe der Betriebsrat in Gespräche mit dem Vorstand einsteigt, wollen wir Antworten auf unsere Fragen hören“, sagte er kürzlich. Der Vorstand sei bisher nicht in der Lage gewesen, die Größenordnung von bis zu 7000 Stellen zu erläutern.

Er sprach von Managementfehlern. Als Beispiel nannte er Milliardenverluste wegen des neuen Abgastests WLTP, die nicht die Belegschaft zu verantworten habe.

„Darf und wird es keine Entlassungen geben“

Die Marke VW verfehlte im vergangenen Jahr ihre Renditeziele, weil die Probleme rund um den Abgas- und Verbrauchstest viel Geld kosteten. Über längere Zeit konnte eine Reihe von Modellen nicht ausgeliefert werden, weil die entsprechenden Zulassungen fehlten.

Dafür dürfe nicht allein die Belegschaft bluten, forderte IG Metall-Chef Jörg Hofmann in der vergangenen Woche. „Daher darf und wird es keine Entlassungen geben“, sagte er „Braunschweiger Zeitung“.

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VW streicht weltweit 30 000 Stellen

Schon im Herbst 2016 hatte VW mit der Arbeitnehmerseite ein großes Sparprogramm für die Kernmarke verabredet, das bis Ende 2020 läuft und den weltweiten Abbau von 30 000 Stellen vorsieht.

„Dass in den letzten Tagen darüber hinaus über einen weiteren Arbeitsplatzabbau bei Volkswagen öffentlich diskutiert wurde, bevor es auch nur substanzielle und intern abgestimmte Planungen gibt, halte ich für einen Fehler“, kritisierte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der auch im Aufsichtsrat des Konzerns sitzt.

Von den neuen Kürzungsplänen dürfte vor allem das VW-Stammwerk Wolfsburg betroffen sein.

Bundesregierung mit Kritik an neuem Weg

Auch mit der Politik und den Mitbewerbern ist Volkswagen in Sachen E-Mobilität nicht in allen Punkten einig. Alle bisherigen Pläne zur Verkaufsförderung sowie zum Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos reichten nicht aus, heißt es in einem Volkswagen-Strategiepapier.

Demnach regt der Branchenprimus die E-Auto-Förderung bis mindestens 2025 an - besonders für Geringverdiener und Kleingewerbe. „Eine Umsetzung dieses Programms läuft klar auf Wettbewerbsverzerrung hinaus“, kritisierte ein BMW-Manager.

Nach Einschätzung der Bundesregierung ist Volkswagen „mit diesen Vorstellungen auf dem falschen Weg.“ (dpa)