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Winterkorn-Anklage: Maulkorb für VW-Chef Diess vor laufender Kamera

VW-Chef Herbert Diess bei der "Volkswagen Group Night" auf der Automesse in Shanghai.
VW-Chef Herbert Diess bei der "Volkswagen Group Night" auf der Automesse in Shanghai.
Foto: Volkswagen AG

Wolfsburg/Shanghai. Herbert Diess darf nichts sagen. Nach der Anklage gegen Ex-VW-Chef Martin Winterkorn versucht der Volkswagen-Konzern, den jetzigen Boss möglichst aus der Schusslinie zu nehmen.

Eigentlich wollte VW-Chef Diess bei der Automesse in Shanghai die neuesten E-Modelle und Zukunftsvisionen des Konzerns aus Wolfsburg vorstellen. Da kam die Winterkorn-Anklage für ihn zur Unzeit. Viele Journalisten wollten sich ein Statement dazu von Diess abholen – dessen Sprecher aber wussten das zu verhindern.

Diess soll nichts zur Causa Winterkorn sagen

Man könne keinerlei Kommentare zu der Anklage-Erhebung der Staatsanwaltschaft Braunschweig abgeben, sagte Sprecher Peik von Bestenbostel, während er sich fast schützend vor den VW-Chef stellte.

"Deswegen sind alle Fragen an Herrn Dr. Diess in dem Zusammenhang überhaupt nicht sinnvoll, weil wir dazu nichts sagen", hieß es dann zum Beispiel am ARD-Mikro.

Winterkorns Vorvorgänger selbst versuchte die unangenehme Situation in China wegzuschmunzeln – wohlwissend, was die Anklage für seinen Konzern zu Hause in Wolfsburg bedeuten könnte.

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Zumal Diess selbst auch immer wieder beschuldigt wird, früher über den Diesel-Betrug bei VW informiert und vor den möglichen Folgen gewarnt worden sein als er bisher zugibt.

Seine Kollegen aus dem Top-Management waren laut "Süddeutscher Zeitung" bei der Auto-Show in Shanghai sogar zum Scherzen aufgelegt. Die Anklage gegen Winterkorn sei ja erwartbar gewesen, hieß es demnach hinter der Bühne. Aber eigentlich erst passend zur Hauptversammlung.

Die deutsche Autobranche sei es ja inzwischen gewohnt, dass Staatsanwälte und Ermittler sich immer Momente der größtmöglichen Aufmerksamkeit aussuchen:

Kommentare zur Winterkorn-Anklage:

Anwalt von Ex-VW-Chef Winterkorn erhebt Vorwürfe

Unterdessen erheben die Winterkorn-Verteidiger Vorwürfe gegen die Staatsanwaltschaft Braunschweig. Vor der Anklage-Erhebung habe diese einen Antrag der Verteidigung ignoriert, ließ Winterkorns Anwalt Felix Dörr in einer Stellungnahme erklären. "Die Verteidigung wird sich auf diese 'Gangart' der Staatsanwaltschaft einstellen", hieß es weiter.

Demnach habe die Staatsanwaltschaft der Verteidigung zuletzt am 5. April sieben DVDs mit rund 300 Ordnern Material zugesandt - "davon Dutzende von Dateiordnern, die der Verteidigung bislang unbekannt waren". Der Bitte, das Material durchsehen und eine schriftliche Stellungnahme abgeben zu können, sei nicht entsprochen worden.

Anklage gegen Führungsteam um Ex-VW-Chef Winterkorn

Am Montag hatte die Staatsanwaltschaft Braunschweig nach jahrelangen Ermittlungen Anklage gegen fünf Führungskräfte erhoben, die "eine in einer einzigen strafbaren Handlung verwirklichte Mehrzahl von Straftatbeständen" begangen hätten.

Anklage im VW-Dieselskandal - Winterkorn droht Prozess

Dem Ex-VW-Vorstandschef und vier weiteren Personen wird schwerer Betrug und unlauterer Wettbewerb vorgeworfen. Ihnen drohen bis zu zehn Jahre Haft.
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Dabei gehe es um einen besonders schweren Fall von Betrug sowie einen Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Winterkorn wird zudem Untreue vorgehalten, weil er nach dem 25. April 2014 nach Kenntnis von rechtswidrigen Manipulationen an Diesel-Motoren diese nicht umgehend bekanntgegeben habe. (ck mit dpa)