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VW-Chef Diess empört mit Menschenrechts-Aussage – jetzt rudert Volkswagen zurück

VW-Chef Herbert Diess bei der "Volkswagen Group Night" auf der Automesse in Shanghai.
VW-Chef Herbert Diess bei der "Volkswagen Group Night" auf der Automesse in Shanghai.
Foto: Volkswagen AG

Wolfsburg. VW-Chef Herbert Diess sorgt gerade für Schlagzeilen. In einem BBC-Interview behauptet er, von dem Grauen in Umerziehungslagern für muslimische Uiguren in der chinesischen Provinz Xinjiang nichts zu wissen.

Volkswagen hatte 2013 als erster Autobauer in der Krisenregion ein Werk eröffnet. Diess sagt in dem Interview in China, dass VW sehr stolz darauf ist, Arbeitsplätze in dieser Region zu schaffen.

BBC-Reporter hakt bei VW-Chef Diess nach

BBC-Journalist Robin Brant hakt nach und macht den VW-Chef dann noch einmal auf die Lager in der chinesischen Provinz aufmerksam: "Aber Xinjiang ist nichts, womit man in Verbindung gebracht werden möchte, wenn man sich ansieht, was die chinesische Regierung dort mit gesellschaftlich schwächer gestellten Menschen macht."

Diess behauptet darauf, er wisse nicht, worauf der Reporter hinauswolle. Daraufhin konkretisiert Brant die SItuation in Xinjiang: "Sie wissen nichts von Chinas Umerziehungslagern für eine Million schwächer gestellte Menschen, die als 'Bildungszentren' Teil von Chinas Anti-Terror-Strategie im Westen des Landes sind? Davon wissen Sie nichts?“.

Massive Kritik am Volkswagen-Boss

Der VW-Boss zögerte ganz kurz blieb bei seiner Meinung und sagte: "Darüber ist mir nichts bekannt, sorry." Diese Aussagen sorgen jetzt für Wirbel und machen China-Experten und Menschenrechtsorganisationen fassungslos.

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Er sei erschüttert, sagte Human Rights Watch-Sprecher Wolfgang Büttner zu "Bild": "Es ist unvorstellbar, dass ein Konzernchef nicht mitbekommt, was seit Jahren über diese Region berichtet wird."

Margarete Bause, Grünen-Sprecherin für Menschenrechtspolitik, spricht von "schockierenden Aussagen". Es sei "blanker Zynismus", wenn VW-Chef Diess sich ausgerechnet in China stolz darüber zeigt, Arbeitsplätze in dieser Region zu schaffen und vorgibt, von Umerziehungslagern nichts zu wissen.

"Der VW-Vorstandschef tritt diese Verantwortung mit Füßen und macht sich zum Komplizen der chinesischen Propaganda", so Bause.

Ulrich Delius, Direktor der "Gesellschaft für bedrohte Völker", weiß durch persönliche Gespräche mit Diess' Vorvorgänger Martin Winterkorn, dass der Volkswagen-Konzern sehr wohl von der prekären Lage in Xinjiang weiß. Schon beim Baubeginn des Werks sei das der Fall gewesen.

VW-Konzern rudert nach Xinjiang-Aussagen zurück

Der VW-Konzern rudert derweil zurück. Diess sei sich der Lage in der Region "natürlich bewusst", sagte ein Konzernsprecher. Der Reporter habe nach einigen Auto-Fragen "plötzlich das Thema gewechselt. Dazu wollte sich Herr Diess im Einzelnen nicht äußern."

VW sei bemüht, einen Beitrag zur Entwicklung der Region und zum Zusammenhalt der dortigen Bevölkerung zu leisten. Gerade mit Arbeitsplätzen für alle Volksgruppen werde "das soziale Umfeld maßgeblich verbessert", hieß es aus Wolfsburg. Volkswagen betreibe in China Sozialprojekte in Sport und Kultur sowie spezielle Lernprogramme.

In dem Werk in der nordwestchinesischen Provinz arbeiten nach Angaben des VW-Sprechers rund 700 Menschen. Etwa ein Viertel davon seien Uiguren. (ck)