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VW-Anklage: Krisensitzung! Volkswagen will mit Diess und Pötsch weitermachen

VW-Chef Herbert Diess und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch (Archivbild).
VW-Chef Herbert Diess und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch (Archivbild).
Foto: imago images / snapshot

Braunschweig/Wolfsburg. Die Spitze des VW-Aufsichtsrats will trotz der Anklagen gegen Vorstandschef Herbert Diess und Chefaufseher Hans Dieter Pötsch wegen mutmaßlicher Marktmanipulation an den beiden Spitzenmanagern festhalten.

Auch aus heutiger Sicht könne das Präsidium des Aufsichtsrates weiterhin keine vorsätzlich unterlassene Information des Kapitalmarkts erkennen, teilte der innere Zirkel des VW-Kontrollgremiums am Dienstag nach einer kurzfristig einberufenen Sitzung in Wolfsburg mit.

„Aus diesem Grund soll die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden und dem Vorstandsvorsitzenden fortgesetzt werden“, hieß es in der Erklärung.

Anklage gegen Diess, Winterkorn und Pötsch

Zuvor waren der Konzern als auch einige Anwälte in die Gegenoffensive gegangen. Beide weisen die Anklage gegen VW-Chef Herbert Diess, Ex-VW-Chef Martin Winterkorn und Aufsichtsratschef Hans Peorg Pötsch zurück. Und zwar vehement.

+++ Anklage gegen Volkswagen-Spitze – Winterkorn, Pötsch und Diess im Visier! +++

Das sagt VW zu den Vorwürfen

Volkswagen-Vorständin Hiltrud Werner hält die von der Staatsanwaltschaft Braunschweig erhobenen Vorwürfe der Marktmanipulation für unbegründet.

Das Unternehmen habe den Sachverhalt akribisch mit internen und externen Experten untersucht, sagte die für das Ressort Recht und Integrität verantwortliche Werner am Dienstag. „Das Ergebnis ist eindeutig: Die Vorwürfe sind unbegründet.“

Volkswagen ist laut Werner weiterhin der festen Überzeugung, alle kapitalmarktrechtlichen Informationspflichten erfüllt zu haben. Darüber hinaus gelte bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung die Unschuldsvermutung.

Das sagt die Diess-Verteidigung

So sehen das auch die Verteidiger von VW-Chef Diess. Die Anklageerhebung sei vollkommen unverständlich, hieß es in einer Mitteilung der Kanzlei Park vom Dienstag. Weder die Fakten- noch die Rechtslage rechtfertigten den Vorwurf, Diess habe den Tatbestand einer strafbaren Marktmanipulation verwirklicht.

Diess-Verteidiger Tido Park sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Anklage werde Diess in Bezug auf seine Verantwortung als Vorstandsvorsitzender nicht einschränken. „Er wird weiterhin mit vollem Engagement seine Aufgaben im Konzern wahrnehmen“, sagte er.

Das sagen die Winterkorn-Anwälte

Auch Winterkorn-Anwalt Felix Dörr weist die Vorwürfe „mit aller Entschiedenheit“ zurück. „Herr Prof. Dr. Winterkorn hatte keine frühzeitige Kenntnis von dem gezielten Einsatz einer verbotenen Motor-Steuerungssoftware in US-Diesel-Pkw“, erklärte der Jurist. „Wesentliche Informationen, die ihn in die Lage versetzt hätten, bereits bekannte Probleme mit den US-Diesel-Motoren zutreffend einzuordnen, erreichten ihn damals nicht.“

Dörr zeigt sich „überrascht“ von der Entscheidung der Braunschweiger Strafverfolger. „Erkannte Probleme bei der Abgasreinigung von älteren Pkw wurden ihm (Winterkorn) als technisch lösbar und rechtlich beherrschbar geschildert“, schrieb der Anwalt.

„Vor diesem Hintergrund gab es bei Herrn Prof. Dr. Winterkorn die nachvollziehbare Erwartung an die Verhandlungsführer von VW, dass zeitnah eine Lösung gemeinsam mit den US-Behörden erzielt werden würde. Eine Eskalation war für ihn nicht vorstellbar.“ Weil mögliche Strafen der US-Behörden als maßvoll eingeschätzt worden seien, habe man „keinerlei Kapitalmarktrelevanz für die Aktie der Volkswagen AG„ gesehen.

Das sagt der Pötsch-Verteidiger

Der Anwalt von VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch hält die Anklage ebenso für nicht nachvollziehbar. „Anklagethese und -erhebung gegen Herrn Pötsch sind unbegründet“, teilt Anwalt Norbert Scharf mit.

Scharf betonte: „Herr Pötsch hat sich nichts vorzuwerfen.“ Der Manager habe zwar bereits im Sommer 2015 - also vor dem Bekanntwerden des VW-Dieselskandals am 18. September - „mehrfach Berührung mit der US-Dieselproblematik“ gehabt.

Scharf erklärte jedoch: „Keine dieser Informationen hatte vor der Veröffentlichung der Notice of Violation (Bekanntmachung der Verstöße durch die US-Behörden) am 18.09.2015 Inhalt und Qualität, dass für ihn daraus eine kapitalmarktrechtliche Relevanz erkennbar war.“

Weder die vorsätzlichen Abgasmanipulationen noch die finanziellen Sanktionen der US-Behörden seien für den damaligen Finanzchef von VW „vorstellbar oder absehbar“ gewesen.

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Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte zuvor erklärt, Diess, Winterkorn und Pötsch anzuklagen. Ihnen wird vorgeworfen, Anleger im Jahr 2015 nicht rechtzeitig über die finanziellen Risiken der Dieselaffäre bei VW informiert zu haben. (dpa/ck)