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VW: Werk in der Türkei? Vorstand spricht Klartext – „Solange Menschen getötet werden, ...“

Werden die Pläne zum Werk in der Türkei zurückgezogen? (Symbolbild)
Werden die Pläne zum Werk in der Türkei zurückgezogen? (Symbolbild)
Foto: imago images / Rust

Eigentlich war schon alles in trockenen Tüchern: VW hatte sich mit dem türkischen Präsidenten Erdogan abgestimmt. In der Türkei sollte ein Volkswagen-Werk entstehen. Doch die türkische Militäroffensive in Syrien machte den Plänen in Wolfsburg einen Strich durch die Rechnung.

Wie die Welt berichtet, hat der Aufsichtsrat von VW in der vergangenen Woche getagt. Eine Entscheidung, wie mit den Plänen zur Errichtung des Werkes in der Türkei weiter umgegangen wird, ist noch nicht getroffen.

VW: Werk in der Türkei? Das sagt Volkswagen-Chef Diess

Herbert Diess bleibt aber nicht mehr viel Zeit. Bis zum Jahresende wolle der VW-Vorstand endgültig sagen, was Sache ist.

Man habe die Entscheidung vertagt, „obwohl ein Werk in der Türkei in unserem wirtschaftlichen Interesse ist“, soll Diess in einem Beitrag im Karriere-Netzwerk LinkIn geschrieben haben. Dort wägt er ab: die Aufforderungen, die VW Werk-Pläne aus moralischer Sicht zu überdenken; er müsse aber auch seine wirtschaftlichen Interessen im Auge behalten, heißt es weiter.

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„Allerdings sind wir überzeugt, dass die Marktwirtschaft ihr ethisches Fundament verliert, wenn Unternehmen denken, dass Regierungen die alleinige Verantwortung für das Völkerrecht und die Menschenrechte tragen“, schreibt der VW-Vorstand dort. Und wird ganz deutlich: „Solange Menschen getötet werden, legen wir keinen Grundstein neben dem Schlachtfeld“.

„kein Grundstein neben dem Schlachtfeld“

Aber was heißt das konkret? Plant Diess etwa, den Baubeginn auf das Ende des Krieges zu vertagen? Laut Welt sei der VW-Chef dafür, auch in Länder zu investieren, wenn man nicht mit der Regierung zufrieden sei. Der internationale Handel würde dem Wohlstand, dem Frieden und der Freheit nützen, sei er überzeugt.

Auch argumentiere er mit der Existenz der Menschen vor Ort in der Türkei. Sie dürften nicht „zum Spielball politischer Handlungen werden“, soll er gesagt haben.

Bleibt also bis zum Ende des Jahres abzuwarten, ob VW seine Pläne wirklich nur auf Eis gelegt hat oder einen kompletten Rückzieher macht. (js)