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VW: Krasse Vorwürfe gegen den Konzern – „Verschwörung!“

VW: Jetzt werden schwere Vorwürfe gegen den Konzern erhoben. Es ist die Rede von „Verschwörung“. (Archivbild)
VW: Jetzt werden schwere Vorwürfe gegen den Konzern erhoben. Es ist die Rede von „Verschwörung“. (Archivbild)
Foto: dpa/Jan Woltas

Wolfsburg. Wer hat hier wen „erpresst“? Fast dreieinhalb Jahre nach einem Lieferembargo überziehen sich Prevent und VW weiter mit Vorwürfen. Hohe Schadenersatz-Forderungen seines früheren Abnehmers kontert der Zulieferer mit der Anschuldigung, es habe eine Verschwörung gegeben.

Jetzt steuert die Dauerfehde zwischen VW und dem Ex-Zulieferer Prevent auf die nächste Eskalation zu.

VW: Prevent mit krassen Vorwürfen gegen Konzern – „Verschwörung!“

Die aus Bosnien kontrollierte Firmengruppe sieht Millionenklagen von VW auf Schadenersatz als direkte Erwiderung auf eigene Schritte gegen die Wolfsburger in den USA – und begründet ihr Vorgehen damit, dass VW jahrelang gezielt Stimmung gegen sie in der Branche gemacht habe.

Liste aufgetaucht: Hat VW gezielt Stimmung gegen Prevent gemacht?

„Es gibt eine Liste mit allen aus Sicht von VW von möglichen Übernahmen betroffenen Unternehmen“, sagte ein Prevent-Vertreter.

Der Autokonzern soll demnach hinter den Kulissen Druck auf andere Betriebe gemacht haben, damit Prevent in Bieterverfahren für andere Zulieferer „aktiv ausgeschlossen“ wurde. So sei versucht worden, den Einfluss der Gruppe klein zu halten. Man habe Hinweise, aus denen dies „explizit“ hervorgehe, hieß es.

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Die Folge: Vor allem ein Lieferstopp, mit dem Prevent-Firmen ES Guss und Car Trim im August 2016 die Bänder in mehreren VW-Werken angehalten hatten. Dadurch sei es zu Versorgungsengpässen gekommen. VW hatte vorübergehend keinen Zugriff auf wichtige Getriebe- und Sitzteile.

„Die Lieferstopps waren vertrags- und rechtswidrig“, befand der Autohersteller nun. Der durch die Produktionsausfälle entstandene Schaden belaufe sich auf mehr als 100 Millionen Euro. Prevent betonte: „Wir rechnen damit, dass uns die Klage im Laufe des Januars zugestellt wird.“

„Jetzt kommen die Themen auf den Tisch“

Bisher liege sie dem Zulieferer nicht vor. Man sei aber zuversichtlich, dass der Schlagabtausch vor den Gerichten jetzt auch öffentlich zu einer Klärung führe: „Jetzt kommen die Themen auf den Tisch, und VW muss den angeblichen Schaden endlich offenlegen.“

Prevent geht umgekehrt auch seinerseits juristisch gegen VW vor. Am Mittwoch hatte der Kartellsenat des Düsseldorfer Oberlandesgerichts jedoch vorerst signalisiert, dass er die außerordentliche Kündigung eines Liefervertrags für das Hagener Unternehmen Prevent TWB durch Volkswagen für rechtmäßig hält.

Der Richter sagte, der Zulieferer habe „mit Mitteln der Erpressung“ eine 25-prozentige Preiserhöhung durchgesetzt. Dabei habe er die Wehrlosigkeit von VW ausgenutzt, weil der Autobauer auf kontinuierliche Belieferung angewiesen gewesen sei. Laut Prevent ist das Gericht noch dabei, sich eine Meinung zu bilden.

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USA: Prevent wirft VW „Verschwörung“ vor

Auch in den USA dürfte es bald zum Prozess kommen. Hier hatte eine Klage von Prevent den Streit jüngst ebenfalls neu angeheizt. Die Gruppe wirft dem Autohersteller aufgrund der genannten Firmenliste, die der Abwehr von Übernahmeversuchen dienen sollte, Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht vor.

Nach Darstellung des Zulieferers sei dieses Verhalten einer „zivilrechtlichen Verschwörung“ gleichgekommen. Prevent verlangt 750 Millionen US-Dollar Schadenersatz von VW. Keimzelle des Konflikts ist eine heftige Auseinandersetzung um Vertragsbedingungen. VW hatte einen Auftrag gekündigt, sich gegen von Prevent angeblich geforderte Preiserhöhungen gesperrt und schließlich eine gezielte Kampagne gewittert.

Prevent hingegen warf VW vor, als mächtiger Abnehmer Druck auf seine Lieferanten auszuüben. Überzogene Preisforderungen habe es nicht gegeben: „Wir haben keine Mehrpreise gefordert, sondern lediglich auf Erfüllung der Aufträge bestanden.“ (dpa)