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VW-Abgasskandal 2.0? Rechtsanwalt mit drastischen Worten: „VW betreibt Haarspalterei“

Erfasst der nächste Abgasskandal VW? Ein Anwalt für Verkehrsrecht zieht schwarz für den Autobauer.
Erfasst der nächste Abgasskandal VW? Ein Anwalt für Verkehrsrecht zieht schwarz für den Autobauer.
Foto: imago images / Jan Huebner

Wolfsburg. Hat VW auch beim Diesel-Motor EA288 getrickst? Recherchen des SWR legen das nahe.

Beweisen soll den Verdacht ein bisher unveröffentlichtes Urteil des Landgerichts Duisburg. VW soll bereits Ende 2018 im Rahmen einer Verhandlung zugegeben haben, dass bei dem VW-Golf eine „Abschalteinrichtung“ verbaut worden ist.

Bei dem betroffenen Modell handelt es sich um den VW Golf TDI (Euro 6). Der Verdacht kam bereits bei einer Razzia im November auf, als die Staatsanwaltschaft Braunschweig die Wolfsburger Firmenzentrale unter die Lupe nahm.

„Millionen Autofahrer dürften sich daher auf eine verpflichtende Rückrufaktion gefasst machen“, ist sich eine Kölner Rechtsanwalt sicher. Bei 29.400 Dieselmodellen der Busse T5 und T6 sei dies bereits geschehen (>> hier mehr dazu).

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VW: Rechtsanwalt zieht nächste Klagewelle auf Autohersteller zurollen

„Ein Rückruf zur Installation des Software-Updates ist keineswegs eine gute Lösung für den Kunden“, erklärt Veaceslav Ghendler, Rechtsanwalt für Verkehrsrecht.

Denn der Motor sei nicht auf die neue Software ausgelegt, höherer Verschleiß und technische Probleme seien die Folge. Zwar sei die Software durch das Kraftfahrt-Bundesamt genehmigt, nach Ansicht der Gerichte müsse ein Kunde sich damit aber nicht zufrieden geben, sondern kann erfolgreich Schadensersatz fordern.

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„Den Aussagen der Volkswagen AG, dass diese Abschalteinrichtung legal sei, kann man wohl keinen Glauben schenken“, meint der Rechtsexperte. Denn: „Der bereits zurückgerufene Motor des T6 unterscheidet sich nicht von den Antrieben, die in Millionen anderer Modelle auch von Audi, Seat und Skoda verbaut sind.“

Das Urteil des Landgerichts Duisburg und Nachforschung des Landgerichts Wuppertal seien nur der Anfang. Andere Gerichte ziehen bald nach.

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„VW betreibt Haarspalterei“

„VW betreibt Haarspalterei und behauptet allen Ernstes, es sei in Ordnung, wenn die Abgasreinigung nur auf dem Prüfstand funktioniert. Diesem Betrug werden die Gerichte aber bald einen Riegel vorschieben", meint Dieselexperte Ghendler.

Eine neue Klagewelle, wie schon zu Beginn des Dieselskandals, sei nur eine Frage der Zeit. Denn Millionen Autos erleiden durch die Manipulationen eine Wertminderung. „Für den Automobilriesen wird es somit immer enger, denn mittlerweile scheint es kaum noch ein Diesel-Fahrzeug zu geben, welches nicht manipuliert ist“, so der Kölner Anwalt.

„Hunderttausende Autofahrer haben allein in Deutschland bereits geklagt, und es dürften weitaus mehr werden.“ (mb)