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VW-Tochter Sitech in Hannover muss dicht machen – Gewerkschaft mit heftigen Anschuldigungen

VW-Tochter Sitech schließt sein Werk in Hannover. Der Standort Wolfsburg (Foto) ist nicht betroffen.
VW-Tochter Sitech schließt sein Werk in Hannover. Der Standort Wolfsburg (Foto) ist nicht betroffen.
Foto: imago images / Rust

Hannover/Wolfsburg. Das war's! Die VW-Tochter Sitech macht nach zwei geplatzten Großaufträgen aus dem eigenen Konzern seinen Standort in Hannover dicht. Betroffen von der geplanten Schließung sind laut Sitech rund 450 Arbeitsplätze.

Vorher hatte es bei der VW-Tochter Zoff mit dem örtlichen Betriebsrat über Preise und Bedingungen der Zusammenarbeit gegeben, das Thema hatte sogar die Landespolitik in Niedersachsen beschäftigt.

VW-Tochter Sitech schließt Werk in Hannover

Die Jobs sollten jetzt „sozialverträglich“ abgebaut werden, hieß es. Sitech gehört zum Komponenten-Bereich der Volkswagen-Gruppe und beliefert die Konzernmarken mit Sitztechnik. Dabei muss sich der Hersteller - wie andere interne Zulieferer - auch gegen Angebote externer Wettbewerber behaupten.

Im Fall des Werks Hannover waren zwei wichtige Ausschreibungen für den neuen VW-Bus T7 und die geplante Elektroversion ID.Buzz verloren gegangen.

Die von Sitech angebotenen Preise sollen nach Angaben aus Konzernkreisen deutlich zu hoch für eine wettbewerbsfähige Produktion gewesen sein.

Sitech-Standorte in Emden und Wolfsburg nicht betroffen!

Mit der IG Metall und dem Betriebsrat sollen daher in den kommenden Wochen Alternativen für die in Hannover beschäftigten Mitarbeiter gefunden werden. Weitere Sitech-Standorte in Emden und Wolfsburg sowie in Polen und China sind nicht von den Streichungen betroffen.

IG Metall sieht VW in der Verantwortung

Die IG Metall hat VW aufgefordert, den Mitarbeitern der Sitztochter Sitech in Hannover nach der geplanten Werksschließung neue Jobchancen in der Region zu geben. „Volkswagen ist nun in der Verantwortung, den Beschäftigen Perspektiven in räumlicher Nähe zu verschaffen“, sagte der Bezirksleiter der Gewerkschaft in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, Thorsten Gröger, am Mittwoch.

Man müsse etwa prüfen, ob sich bei den leichten Nutzfahrzeugen (VWN) in Hannover oder an anderen, nicht allzu weit entfernten Orten Möglichkeiten der Weiterbeschäftigung ergeben.

Dass Volkswagen die Fertigung der Sitze nach Informationen der IG Metall „aufgrund niedrigerer Preise in das osteuropäische Ausland fremd vergeben“ wolle, stieß bei Gröger auf Kritik.

„Schattenproduktion“ in Frankreich?

Es gebe zudem Anhaltspunkte dafür, dass bei einer Tochter des französischen Autozulieferers Faurecia schon eine „Schattenproduktion“ laufe. Auch dort müssten Arbeitsplätze zu Tarifbedingungen geschaffen werden.

VW-Tochter Sitech kritisiert Gewerkschafter

Aus Konzernkreisen war zu hören, dass die Gespräche mit den Sitech-Belegschaftsvertretern in Hannover schwierig gewesen seien. Das Unternehmen betonte, der lokale Betriebsrat habe die Notwendigkeit einer wirtschaftlichen Ausstellung „bis zum Schluss nicht anerkannt“.

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Der IG-Metall-Sekretär Thadeus Mainka kritisierte die Darstellung des Konzerns, die Verantwortung für die Standortschließung liege in erster Linie bei der Mitarbeitervertretung in Hannover: „Wir weisen Schuldzuweisungen in Richtung des örtlichen Betriebsrats entschieden zurück. Es handelt sich um eine Entscheidung des Konzerns, das ungeliebte Kind Sitech in Hannover endlich loszuwerden.“ (dpa/ck)