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VW in der Corona-Krise: Auto-Experte Dudenhöffer mit harter Prognose – „Rückkehr zur Normalität dauert 10 Jahre"

Corona Deutschland (13.3.)
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Wolfsburg. VW schaltet in den Corona-Modus. Am Donnerstagabend, 22 Uhr, ist Schicht-Ende – und das erstmal für die nächsten Tage und vielleicht sogar für die nächsten Wochen.

Denn das Coronavirus macht auch vor VW nicht Halt. Angesichts der Krise hat sich der Konzern Anfang der Woche dazu entschlossen, die Produktion in allen Werken in Deutschland stillzulegen. Erst einmal für zwei Wochen. Hält die Krise an, könne sich die Stilllegung allerdings auch verlängern.

VW im Corona-Modus: Das bedeutet die Krise für den Autobauer

Doch was bedeutet das für den Autobauer, der für dieses Jahr doch so große Pläne hatte? Stichwort: Elektro-Offensive. Diese und noch weitere Fragen hat Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer im Gespräch mit news38 beantwortet.

Hallo Herr Dudenhöffer! Das Coronavirus macht in diesen Tagen auch vor der Automobilbranche nicht Halt. Haben Sie als Experte schon einmal eine vergleichbare Situation für die Autobauer miterlebt?

„Nein, es ist absolut die größte Herausforderung für Gesellschaft und Industrie seit dem 2. Weltkrieg. Mit Ausgangsperren, leeren Supermarktregalen , geschlossenen Geschäften, Schulen, Kindergärten fühlt man sich fast schon wie unsere Eltern und Großeltern in der Zeit des 2. Weltkriegs. Der einzige Unterschied: Die Bomben sind unsichtbar.“

Hinter VW liegt ein erfolgreiches Jahr 2019. Doch 2020 startet mit herben Rückschlägen. Erst Shutdown in China, dann in Europa. Was meinen Sie – was muss alles im Hintergrund passieren, damit ein Autokonzern so weitreichende Entscheidungen trifft?

„VW hat keine andere Wahl. Die Nachfrage liegt am Boden und einfach Autos zu bauen ohne Kunden ist Unsinn. Hinzu kommen die Risiken der Virusverbreitung in den Werken. Wir sind in einer Ausnahmesituation, wie wir sie seit 75 Jahren nicht erlebt haben.. und das weltweit."

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Was denken Sie, welche Auswirkungen diese Krise für VW hat? Man hört hier und da Stimmen, die sagen, dass Volkswagen Jahre brauchen könnte, um sich davon zu erholen.

„Es ist sehr schwer, die Folgen heute zu überschauen. Viel hängt davon ab, wie wir in den nächsten Monaten den Kampf gegen den Virus führen. Wenn es uns gelingt wie in China, dann haben wir Hoffnung, dass in diesem Jahr die Talsohle erreicht wird. Aber die Rückkehr zur Normalität des Jahres 2019 – auch in den Autoverkäufen in Europa – wird gut 10 Jahre dauern. Daher müssen wir uns mit Kapazitätsabbau bei allen Autobauern und Zulieferern in den nächsten Monaten auseinander setzen. Keine schöne Sache, aber wirtschaftlich unumgänglich.

Lassen Sie mich noch eines anmerken: Überall hört man in Deutschland pausenlos negative Statements zu China, der chinesischen Staatsregierung, und wie schlimm das Regime dort ist. China ist im Kampf gegen das Virus uns Jahrzehnte voraus. Also, es gilt auch von China lernen. Vielleicht ist jetzt der Zeitpunkt, bei dem man erkennt – auch bei unserer Bundesregierung - dass es Sinn macht, mit den USA auf große Distanz zu gehen und stärker auf China zuzugehen. VW lebt von China."

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Nicht nur die Automobilhersteller sind betroffen, sondern auch die Zulieferer. Was kann die Krise für sie bedeuten?

„Es ist ein Domino-Effekt und der fängt beim Absatz, also dem Autokäufer an, der Mangelware in den nächsten Zeiten wird. Keine Autoverkäufe, Produktionstopps bei fast allen Autobauer,… na ja, jetzt muss man nicht viel Phantasie haben, wie es bei den Zulieferern aussieht. Allerdings kommt bei den Zulieferern noch was dazu. Einige sind mit mehr als 50 Prozent ihres Umsatzes im Verbrennungsmotor. Die trifft es besonders hart, denn sie verlieren 'doppelt.'"

VW hat für den Sommer 2020 den ID.3 angekündigt. Darf man Herbert Diess Glauben schenken, steht der Start trotz Corona-Krise nicht auf der Kippe. Ist das realistisch?

Es ist sehr wichtig, dass der ID 3 klappt,.. und wenn ich das richtig verstehe, ist nicht Corona das Problem, sondern die Software. Unsere Autobauer brauchen wirklich einen neuen Ansatz im Zeitalter der Digitalisierung. Wenn sogar ein Standardmodell wie der neue Golf durch Software-Probleme ein Handicap hat, muss man wirklich sein Unternehmen 'umkrempeln.'"

Und was würde es für VW bedeuten, wenn sich die Elektro-Offensive verzögern würde?

„Es macht absolut keinen Sinn, Corona gegen Klimawandel einzutauschen. Die Offensive darf sich nicht verzögern. CO2-Richtlinen auf EU-Ebene jetzt zu ändern, wäre wirklich den Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben. Also Herbert Diess muss fest mit seiner Mannschaft an der Software arbeiten… und ich bin überzeugt, er schafft das."

Glauben Sie, dass in dieser Krise auch eine Chance für VW liegen kann?

„Der Standard-Spruch lautet 'in jeder Krise liegt eine Chance'… ich denke, diesmal sollten wir den Spruch sein lassen. Aber wir sollten die positiven Seiten von China stärker in den Mittelpunkt stellen und weniger Nähe zu USA zeigen. Das wäre eine Lehre aus der Krise."

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