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VW: Diesel-Gate-Geschädigter wittert Verschwörung – „Vielleicht so gewollt?“

VW wollte es den betrogenen Kunden eigentlich einfach machen. Jetzt allerdings gibt es technische Probleme beim Vergleichsangebot...
VW wollte es den betrogenen Kunden eigentlich einfach machen. Jetzt allerdings gibt es technische Probleme beim Vergleichsangebot...
Foto: imago images / Jan Huebner

Wolfsburg. Das war ein Stotterstart: Beim Vergleichsangebot von VW hat es größere Probleme gegeben. Tausende Kunden mussten sich gedulden. Oder müssen es immer noch.

Einige der knapp 400.000 betrogenen Diesel-Kunden hatten oder haben bislang keinen Zugriff auf das VW-Angebot auf der neuen Internet-Plattform. Der notwendige Aktivierungslink kam nicht in allen Postfächern an. Probleme gab es bei GMX, web.de sowie Yahoo.

VW: Problem ist behoben

Laut Volkswagen ist die Störung inzwischen behoben. „Offenbar wurde unsere Massen-Mail seitens einiger Provider als Spam markiert und ausgefiltert“, sagte ein VW-Sprecher am Dienstag zu news38.de. Man habe sich entsprechend ausgetauscht und die Mails würden jetzt als „vertrauenswürdig“ eingestuft.

VW-Kunde beschwert sich – „Hinhaltetaktik!“

Ein genervter VW-Kunde widerspricht: Auch am Dienstagmittag habe er sich trotz mehrfacher Versuche nicht auf der Plattform einloggen können, sagte er zu news38.de. Nur einmal habe es kurz mit seinem Handy funktioniert.

Er hatte sich zuvor am späten Montagabend bei uns gemeldet. Die VW-Hotline sei überfordert und könne nicht helfen. Das Problem sei bekannt, man arbeite dran. Der VW-Kunde sprach von einer „Hinhaltetaktik“.

„Die Zeit läuft ab und wer sich mit seinem Rechtsanwalt beraten möchte, kann bereits vereinbarte Termine nicht einhalten. Vielleicht ist das ja auch so gewollt von VW...?“, schrieb uns der Betroffene.

VW widerspricht vehement

Der VW-Sprecher betonte, dass die Technik-Panne ganz sicher nicht beabsichtigt gewesen sei. „Im Gegenteil, uns ist ja daran gelegen, möglichst vielen Kunden Entschädigungen zu zahlen“, betonte der Sprecher gegenüber news38.de.

Klar ist: Die Verbraucher können bis zum 20. April entscheiden, ob sie ein individuelles Angebot annehmen oder in Einzelklagen vor Gerichten weiter für mehr Geld streiten wollen. >> Warum du das Angebot nicht überstürzt annehmen solltest!

VW: Interesse übersteigt Erwartungen vielfach

Volkswagen hatte die entsprechende Internet-Plattform am vergangenen Freitag aktiviert. Anfangs gab es Server-Probleme. „Das Interesse an dem Vergleich übersteigt unsere Erwartungen um ein Vielfaches“, hatte VW erklärt.

In den ersten Stunden hätten „mehrere tausend Personen den Vergleichsprozess vollständig abgeschlossen“, hieß es – etwa 23.000 seien bis zum Mittag registriert worden. Bei bis zu 5.000 Nutzern pro Sekunde sei die Online-Plattform zunächst nicht durchgängig erreichbar gewesen, inzwischen funktioniere der Zugang aber wieder. Im parallel eingerichteten Call-Center seien knapp 30.000 Anrufe eingegangen.

VW zahlt bis zu 6.257 Euro Entschädigung

Erste Entschädigungen aus dem mühsam errungenen außergerichtlichen Vergleich zwischen VW und dem Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) sollen vom 5. Mai an fließen.

Beide Parteien gehen von rund 260.000 Berechtigten aus. Je nach Modell und Alter des Dieselautos will Volkswagen zwischen 1.350 und 6.257 Euro zahlen. Die mögliche Gesamt-Entschädigungssumme beziffert der vzbv mit 830 Millionen Euro.

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Streitfälle soll Ex-Bundesjustizministerin Brigitte Zypries klären. Sie soll mit dem früheren Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar und dem ehemaligen Versicherungsombudsmann Günther Hirsch eine Ombudsstelle leiten. An diese können sich Dieselfahrer wenden, deren Fälle sich nicht über das Service-Center klären lassen.

Bundesgerichtshof verhandelt im Mai Einzelklage

Anfang Mai verhandelt der Bundesgerichtshof eine Einzelklage. Dabei könnte sich das Gericht dazu äußern, ob es Schadenersatzansprüche sieht sowie eine Nutzungsentschädigung für angemessen hält.

Bis zu der Musterklage am Oberlandesgericht Braunschweig hatte VW sich in Einzelprozessen oft auch mit Individualklägern verglichen, um Grundsatzentscheidungen der höchsten Instanzen zu vermeiden. Manche Kunden erhielten sogar den Kaufpreis zurück. Viele Einzelverfahren wurden von Gerichten aber auch zugunsten des Konzerns entschieden. (ck/dpa)