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VW-Chef Diess im Tagesthemen-Interview – dann hagelt es Kritik: „Management spielt mit dem Feuer“

Am Montagabend stellte sich VW-Chef Herbert Diess den Fragen von Tagesthemen Moderator Ingo Zamperoni.
Am Montagabend stellte sich VW-Chef Herbert Diess den Fragen von Tagesthemen Moderator Ingo Zamperoni.
Foto: Screenshot ARD

Wolfsburg. Die Bänder bei VW laufen so langsam wieder an.

15 Prozent der Kapazitäten seien bereits wieder hochgefahren, so VW-Chef Herbert Diess. Am Montagabend äußerte er sich in den Tagesthemen (ARD) zu weiteren, teils heiklen Fragen.

Kurz nach der Sendung kam bereits Kritik, unter anderem vom stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Kevin Kühnert, am VW-Chef auf.

VW-Chef Diess plant mit Boni-Auszahlungen

Auf die Frage von Tagesthemen-Moderator Ingo Zamperoni, ob nicht Dividenden und Bonuszahlungen gekürzt werden müsste, antwortet Herbert Diess: „Als letztes Mittel werden wir uns das noch überlegen, wir haben die endgültigen Beschlüsse noch nicht gefasst.“ Trotz Abgasskandal hatte VW im Jahr 2019 eins der erfolgreichsten Jahre in der Geschichte geschrieben. 20 Milliarden Gewinn fuhr der Wolfsburger Konzern ein.

Dennoch fordert der VW-Boss auch ein Konjunkturprogramm für die deutsche Autoindustrie: „Das Automobil bietet sich an, es hängen viele Arbeitsplätze daran. Sobald Autos verkauft werden (…) geht die Bestellkette los, wir setzen ganze Systeme in Bewegung: Beim Hersteller, beim Zulieferer.“ Zusätzlich könne der Autokonzern einen Beitrag für besseren Umweltschutz leisten, ist sich Diess sicher.

„Die Fahrzeuge, die wir im Jahr 2020 absetzen, emittieren rund 100 Gramm CO2 im Durchschnitt. Und wenn wir mal 10 Jahr zurückblicken, dann waren das 150 Gramm etwa. Das heißt, wir machen 30 Prozent Fortschritt durch neue Fahrzeuge. Gleichzeitig reduzieren wir Emissionen.“

Eine Absatzhilfe für Autos helfe somit der Umwelt und der Wirtschaft.

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Kevin Kühnert: „Das VW-Management spielt mit dem Feuer“

Eine andere Meinung zum Thema hat dagegen Kevin Kühnert. Auf Twitter schreibt der SPD-Politiker: „Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender bei Volkswagen in den Tagesthemen auf die Frage, ob Dividenden und Management-Boni gekürzt werden könnten: 'Als letztes Mittel (!) werden wir uns das sicherlich auch noch überlegen [...]'.“

Und weiter kommentiert er: „Im selben Interview hat er ungefähr ein halbes Dutzend mal eine 'Absatzhilfe für Autos' vorgeschlagen, also staatliche Kaufprämien oder vergleichbare Maßnahmen. Wie er beides zusammen unter Gesichtspunkten des Gerechtigkeitsempfindens rechtfertigen will, konnte er nicht erklären.“

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Dass Diess sich dafür ausspricht, die komplette VW-Flotte zu subventionieren und nicht nur umweltfreundlichere Elektro- oder Hybridmodelle, hält Kühnert eine „toxische Mischung, weil der Verdacht nahe liegt, dass etwaige Subventionen weniger stark auf Nachhaltigkeit, denn auf eher kurzfristige Geschäftskennzahlen gelenkt werden könnten - soweit diese für kommende Boni relevant sind.“

Er findet: „Das VW-Management spielt mit dem Feuer. Viele wollen solidarisch sein mit den Beschäftigten und auch den Zulieferern. Und dank starker Gewerkschaft stehen die Beschäftigten vergleichsweise gut da. Aber die Solidarität gilt ihren Existenzen - nicht den goldenen Türklinken anderer.“

Wolfgang Schäuble: „Hoffentlich werden uns nicht wieder nur Abwrackprämien einfallen“

Auch Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble sprach sich in einem Interview mit der taz gegen ein „einfach weiter so“ aus. Der Parlamentspräsident rief dazu auf, die Corona-Krise als Chance zu nutzen, um in den Hintergrund getretenen Krisen zu bekämpfen.

„Noch immer ist nicht nur die Pandemie das größte Problem, sondern der Klimawandel, der Verlust an Artenvielfalt – all die Schäden, die wir Menschen und vor allem wir Europäer durch Übermaß der Natur antun“, betonte Schäuble und warnte: „Hoffentlich werden uns nicht wieder nur Abwrackprämien einfallen, die es der Industrie ermöglichen, weiter zu machen wie bisher.“ (mb mit dpa)