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Rutscht VW in die Krise? „Vor Corona hat es hier noch ganz anders ausgesehen"

Die Umsatzzahlen sind in der Corona-Krise bei VW deutlich eingebrochen.
Die Umsatzzahlen sind in der Corona-Krise bei VW deutlich eingebrochen.
Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Die Corona-Krise macht auch VW zu schaffen! Während sich die Automobilwirtschaft in China langsam wieder erholt, ist sie in Deutschland noch massiv am kränkeln.

Allein im April muss die VW-Kernmarke ein dickes Minus hinnehmen. Denn die Corona-Krise hat die Verkäufe deutlich gedrückt – und zwar um gut zwei Drittel auf dem Heimatmarkt. „Gegenüber dem Vorjahr haben wir 67 Prozent Volumen in Deutschland verloren", räumt auch Vertriebschef Jürgen Strackmann ein.

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Trotz des bitteren Ergebnisses sei man in Deutschland noch „in einer fast exklusiv guten Lage", so Strackmann. Denn in anderen Ländern würde das Minus erheblich größer ausfallen als hierzulande.

Absatz in Ländern im Vergleich zum April 2019:

  • Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien: Fast 99 Prozent des Absatzes eingebüßt
  • China: Lage stabilisiert sich wieder, dort hat VW sogar einen Rekord eingefahren, mehr dazu liest du HIER
  • Überblick europäische Länder: Insgesamt sanken die Auslieferungen der Kernmarke im Vergleich zum April 2019 um 83 Prozent

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Und die Aussichten sind noch immer nicht rosig: Ökonomen rechnen mit einer tiefen Rezession in Deutschland. Verbraucher - oft ebenso verunsichert wie Mitarbeiter und Manager von Herstellern und Zulieferern - scheuen die Ausgaben für größere Anschaffungen. Selbst wenn sie es sich eigentlich leisten könnten, wie manche Umfragen zeigen.

Herbert Diess: „Deutschland ist ein Autoland"

Dabei ist sich Herbert Diess sicher: „Deutschland ist ein Autoland. Sobald wieder Autos gekauft werden, kommt die Wirtschaft zurück." Deshalb versucht VW nun mit verschiedenen Maßnahmen, die Kauflaune der Menschen wieder anzukurbeln.

Unter anderem will die Marke Volkswagen Pkw nun ein Programm auflegen, das den Namen „#vwfüreuch" trägt. Ab 15. Mai geht es los. Dann will der Konzern Kunden ein „rundum sorglos" Paket anbieten. Das gelte bei Leasing und Finanzierung. Das Paket soll dann auch monatlichen Ratenschutz bei Verlust des Arbeitsplatzes, Wartung und Inspektion sowie eine Anschlussgarantie für die gesamte Vertragslaufzeit beinhalten.

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VW will Kunden zum Autokauf bringen

Damit erhofft sich VW, dass wieder mehr Kunden Autos kaufen. Denn laut des Marktforschungsinstituts GfK habe die Verbraucherstimmung im April einen historischen Tiefpunkt erreicht, erklärt Strackmann. Deshalb wolle der Konzern nun mit verschiedenen Mitteln versuchen, die Autos wieder an die Menschen zu bringen.

Auch, weil VW davon ausgeht, dass mit einer gut funktionierenden Automobilwirtschaft auch die restliche Wirtschaft wieder einen Schwung nach oben kriegen wurde. Der Wunsch nach „normal", nach „Zustände wie zu Zeiten vor Corona", wird immer lauter.

Wolfsburg: Das neue „normal" im Stammwerk

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Dabei zeigt auch ein Blick ins VW-Stammwerk in Wolfsburg: Von normal sind alle, auch der Konzern, noch weit entfernt. Vielmehr steuert auch Volkswagen auf ein neues Normal zu. Überall auf dem riesigen Gelände am Mittellandkanal mahnen Plakate zu Vor- und Umsicht im Corona-Neustart. Die Grundstimmung: angespannter Optimismus. Das offizielle Ziel: aufholen, zurück zum Leben vor dem Shutdown. Behutsam, aber so schnell wie möglich.

„Vor Corona hat es hier noch ganz anders ausgesehen“, erzählt der Wolfsburger Werkleiter Stefan Loth. Sorgfältig übt man an der Geburtsstätte von Golf und Tiguan das Leben „post Corona“ ein. Die Kollegen sind vorerst nur in geringerer Zahl an den Bändern und in den Büros, die Fertigung läuft im Sparmodus. Andere Taktzeiten, entzerrte Schichtpläne, weniger Menschen je Fläche. Getrennte Pausen, markierte Laufwege. Spuckschutz in der Motormontage, Plastikplanen zwischen den Stationen. So sieht die Arbeitswelt in den Hallen aus. Und ein Ende der Maßnahmen ist noch nicht in Sicht. (abr mit dpa).