VW 

VW: Diese Golf-Werbung sorgt für Fassungslosigkeit – Bernd Osterloh: „Ich schäme mich für den Spot“

Im vergangenen Jahr hat VW den Golf 8 ins Rennen geschickt. Doch zieht er immer wieder Probleme mit sich. Erst waren die Händler über den Start sauer, dann musste der Konzern einen Auslieferungsstopp anordnen und jetzt macht auch noch ein Werbespot Probleme.
Im vergangenen Jahr hat VW den Golf 8 ins Rennen geschickt. Doch zieht er immer wieder Probleme mit sich. Erst waren die Händler über den Start sauer, dann musste der Konzern einen Auslieferungsstopp anordnen und jetzt macht auch noch ein Werbespot Probleme.
Foto: imago images/Sebastian Geisler

Bei VW läuft derzeit nicht alles wie geplant. Wochenlang standen die Bänder in Deutschland und Europa wegen der Corona-Krise still, dann das Absatz-Fiasko für den Monat April, aktuell der Auslieferungsstopp des Golf 8...

Und jetzt sorgt auch noch ein Werbespot für den neuen VW Golf für Fassungslosigkeit und hitzige Diskussionen.

VW: Rassismus-Vorwürfe wegen Werbespot – „Ich könnte kotzen"

Der Werbespot lief als Storyelement bei Instagram. Darauf zu sehen ist der neue Golf 8, der vor einem Haus steht. In das Bild ragt eine übergroße Hand, die einen Mann hin- und herbschubst und letztendlich in das angrenzende Haus verfrachtet, über dem der Schriftzug „Petit Colon" steht.

Dann werden nach und nach Buchstaben eingeblendet, die am Ende den Slogan „Der neue Golf“ bilden. In der simplen Beschreibung erst einmal nicht problematisch. Doch Twitter-Nutzer haben genauer hingesehen und sind entsetzt. Der Vorwurf: Rasissmus.

Golf 8 Werbung bei Instagram: Darum sind die Nutzer stinksauer

Dafür zählen die Nutzer bei Instagram und Twitter folgende Gründe auf:

  • Die Hand ist weiß, der Mann hat eine dunkle Hautfarbe – Nutzer assoziieren hier, dass die weiße Hand den schwarzen Mann hin- und herschubst
  • Über dem Haus prangert die Aufschrift „Petit colon" – für die Nutzer ist das eine Anspielung auf die rassistische Kolonialgeschichte
  • Die Buchstaben des Schriftzugs „Der neue Golf" wandern nach und nach ins Bild – für die Nutzer problematisch: Die Buchstaben würden so ins Bild einlaufen, dass sie zuerst das N-Wort formen würden

+++VW kippt Bonus-Garantie für Manager – fette Zahlungen fallen wegen Corona aus+++

All das in einem 15-Sekunden-Clip. Den Usern platzt der Kragen. „Ich könnte kotzen“, schreibt einer. Eine andere Nutzerin fragt sich: „Abgesehen von den 'unabsichtlichen' Codes: Was sollte die Werbung in einem harmlosen Fall aussagen? Ich seh keine pro-Auto-Botschaft? Das ist ja nur widerlich".

-----------------------------

Mehr VW-Themen

VW entlässt Mitarbeiter – aus diesen Gründen

VW-Bosse wegen Diesel-Skandal vor Gericht – Verfahren eingestellt

VW: Auslieferungsstopp beim Golf 8! Das droht jetzt auch noch anderen Modellen

------------------------------

VW positioniert sich klar zu Werbespot

Und ein dritter User merkt an: „Vor allem macht die Story ja auch keinen Sinn. Welche andere Aussage, als die rassistische sollte hier sonst getätigt werden? Golf-Fahrer*Innen schnippen Menschen weg? Da hat ein Idiotärer Werbetexter die restliche Runde dezent verarscht & VW findet´s erst auf Zuruf schocking."

Autsch. Doch was sagt der Konzern zu dem Shitstorm, der gerade im Netz tobt? VW hat sich noch am Abend unter folgendem Instagram-Post zu Wort gemeldet:

VW: „Volkswagen positioniert sich klar gegen jede Form von Rassismus“

Dort betont der Konzern: „Wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt, sind wir überrascht und schockiert, dass unsere Instagram Story derart missverstanden werden kann.“ Weiter macht VW deutlich: „Volkswagen positioniert sich klar gegen jede Form von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung.“

+++ VW: Verfahren im Dieselskandal eingestellt! +++

Der Spot sei eine kreative Umgangsform mit dem Format Instagram-Story. „Die Herkunft der dargestellten Personen spielt dabei keine Rolle“, so der Konzern weiter. Um jedoch weitere Missverständnisse und Interpretationen in diese Richtung zu vermeiden, habe VW sich dazu entschlossen, die Story ab sofort nicht mehr auszuspielen.

VW prüft, wie es zu dem Sport kommen konnte – und will Konsequenzen ziehen

Außerdem wolle der Konzern prüfen, wie es dazu kommen konnte, „und Konsequenzen daraus ziehen“, betont der Konzern. Das Video sei ohne Frage „falsch und geschmacklos“. Das sieht auch Bernd Osterloh so. Er sagt klar: „Ich schäme mich für diesen Spot. Da spreche ich sicherlich für die ganze Belegschaft.“

Der Betriebsratsvorsitzende fordert: „Der Vorfall muss jetzt restlos aufgeklärt werden. Der Betriebsrat wird nicht zulassen, dass die Verantwortung für diesen Vorfall dauerhaft vom Top-Management nach unten abgeschoben wird."

Das sagen news38-Leser:

  • „Durch wen ist der Konzern entstanden/gegründet? Schon komisch das man jetzt nichts von Rassismus hören will. War nicht auch etwas bei VW in Brasilien?"
  • „Albern sowas...Man kann sich aber auch überall was an den Haaren herbeiziehen"
  • „Ich verstehe überhaupt nicht, was dieser Spot mit dem Auto zu tun hat? Ich kapiere diesen Sinn nicht."
  • „Rassismus hin oder her. Der Werbespot ist aber auch nicht gerade ne Granate. Weder Produkt bezogen noch humoristisch betrachtet. Da haben sowohl die Werbeleute, also auch die, welche den Spot freigegeben haben, an dem Morgen nicht wirklich genug Kaffee getrunken"

+++VW-Krise spitzt sich zu: Volkswagen streicht mehrere schichten in Wolfsburg – und beantragt jetzt weitere Kurzarbeit+++

Stephan Weil kündigt „Nachspiel" in den Gremien an

Und auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hat sich eingeschaltet. Er nannte das Video „eindeutig rassistisch und menschenverachtend“. Es sei nicht zu verstehen, dass das „schockierende“ Video nicht vor Veröffentlichung gestoppt worden sei. „Dieses Thema wird sicher auch noch ein Nachspiel in den Gremien haben“, sagte der SPD-Politiker, der als Vertreter des Landes Niedersachsen im VW-Aufsichtsrat sitzt.

In der Vergangenheit hat sich der Konzern immer wieder gegen Rassismus positioniert, engagierte sich unter anderem als Unternehmenspartner der „Stiftung für die internationalen Wochen gegen Rassismus". (abr/mit dpa)