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VW zieht nach Rassismus-Spot doch nicht die Reißleine – aber gibt gravierende Fehler zu

Clemens Maria Schuster
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Wolfsburg. Nach dem rassistischen Werbeclip von VW gibt der Volkswagen Konzern viele Fehler zu. Personelle Konsequenzen hat der Skandal in Wolfsburg aber vorerst nicht. Damit steht fest, dass sowohl CMO Jochen Sengpiehl als auch VW-Marketing- und Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann weiter im Amt bleiben dürfen.

„Wir haben fehlende Sensibilität und prozessuale Fehler festgestellt“, sagte Rechtsvorständin Hiltrud Werner am Donnerstag. Einige Kollegen seien auch nach dem ersten warnenden Hinweis aus der Social-Media-Community nicht aufmerksam und reaktiv genug gewesen.

VW-Rechtsvorständin: Zunächst keine personellen Konsequenzen

Ob es möglicherweise zu geforderten Entlassungen kommen werde, sei noch nicht entschieden – sie habe großes Vertrauen in die entsprechende Arbeit der Disziplinar- und Personalausschüsse. „Personelle Konsequenzen würden wir allerdings nur dann ziehen, wenn vorsätzlich und wissentlich gegen unseren Code of Conduct und unsere Werte verstoßen wurde“, betonte Werner.

Dafür müsse klar nachweisbar sein, dass nicht nur ein Fehler, sondern grobe Fahrlässigkeit oder gar Vorsatz im Spiel waren. Bisheriger Stand sei, dass bei der Abnahme des Videos „keinerlei rassistische Intentionen eine Rolle gespielt haben“. Die Wirkung des Clips sei jedoch problematisch gewesen.

„Zu Integrität gehört auch, dass wir uns als Führungskräfte und als Unternehmen auch dann vor unsere Mitarbeiter stellen, wenn Fehler passiert sind. Ein Bauernopfer wird es daher nicht geben.“ Zuvor war immer wieder der Name des Jochen Sengpiehl gefallen. Einem Bericht zufolge sollte der CMO durch Porsche-Chef Oliver Blume abgelöst werden.

Auch CMO Jochen Sengpiehl darf bleiben

Sengpiehl selbst zeigte sich am Donnerstag entsetzt. „Zunächst einmal: Ich war genauso schockiert wie alle anderen, als ich das Video ohne den Gesamtkontext sah. Auch ich habe gedacht: So viele Zufälle kann’s doch gar nicht geben“, wird er von VW zitiert.

Die Antwort auf die Frage sei: „Wir haben Fehler gemacht. Wir haben die rassistischen Elemente dieses Videos nicht erkannt.“ Für diesen Fehler bitte er im Namen des Teams um Entschuldigung, so Sengpiehl.

Auch er schließe einen rassistischen Hintergrund bei der Produktion aus.Wir können nach den umfassenden Untersuchungen der Konzernrevision sagen, dass keine rassistischen Intentionen auf unserer Seite oder bei unserer Agentur gefunden wurden.“ Das mache das Ergebnis aber auch nicht viel besser, so der CMO.

Vertriebsvorstand Stackmann: „Leitplanken, die wir uns setzen müssen“

Genau wie er darf wohl auch Marketing- und Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann im Amt bleiben. „Ganz offensichtlich gab es neben Fehlern in der Prozesskette auch Versäumnisse bei der Sensibilisierung der Mitarbeiter*innen: Trotz diverser, vielfältiger und internationaler Teams ist ein rassistisches Video entstanden“, zitiert VW Stackmann.

„Wir haben erkannt, dass wir noch viel sensibler hinterfragen müssen, ob Inhalte potenziell diskriminierend, verletzend oder verstörend auf Menschen wirken können. Das sind die Leitplanken, die wir uns setzen müssen.“

Diese Konsequenzen hat sich VW jetzt auf die Fahne geschrieben:

  1. Prozessverbesserung durch Etablierung eines festen Freigabe-Checkpoints bei uns und auf Agenturseite. Dafür wird ein unabhängiges Board mit Diversity-Expert*innen geschaffen, die nichts mit dem Kreativprozess zu tun haben, sondern kreative Inhalte nur auf potenziell verletzende, diskriminierende und anderweitig kritische Elemente checken und filtern.
  2. Deutliche Stärkung der Schulungen im eigenen Team und auf Agenturseite zum Thema Ethik und Kultur.
  3. Sicherstellung von Heterogenität und mehr Diversität bei der Teamzusammensetzung.
  4. Schaffung einer übergreifenden Social Media Organisation zur besseren Reaktion und Steuerung.

Die VW-Stimmen zum Skandal:

Rassismus bei VW – Wirbel um neuen Golf-Spot

Der kurze Clip zeigt unter anderem einen schwarzen Mann, der von einer riesigen weißen Hand durchs Bild geschoben und anschließend in den Eingang eines Hauses geschnippt wird.

+++ Nach Rassismus-Skandal um VW-Werbevideo kommt jetzt das heraus – „Neue, besorgniserregende Facette“ +++

Für einen Moment ist gegen Ende des Werbefilms für den neuen Golf 8 auch eine Buchstabenfolge zu sehen, deren Einblendung das Wort „Neger“ nahelegt.

Zuletzt war herausgekommen, dass der Geschmacklos-Spot zuvor auf dem Twitter-Account von VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann veröffentlich wurde, inklusive Kommentar „Wenn das nicht Magie ist, was dann?“

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Kurz danach verschwand er dann wieder und Stackmann entschuldigte sich. Elf Tage später erschien der Clip dann wiederum bei Instagram. Der VW-Betriebsrat betonte, wie sehr man sich für den Spot schäme und forderte daraufhin eine schnelle Antwort des Konzerns auf den Werbespot. (ck)