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VW stoppt Fabrik-Pläne in der Türkei – sieht so Erdoğans Rache-Plan aus?

VW drohen nach der Absage für ein geplantes Türkei-Werk Konsequenzen. Steckt Recep Tayyip Erdoğan dahinter?
VW drohen nach der Absage für ein geplantes Türkei-Werk Konsequenzen. Steckt Recep Tayyip Erdoğan dahinter?
Foto: imago images / Xinhua

Wolfsburg. VW hat alle Pläne für den Bau eines Werks in der Türkei gestoppt. Das teilte der Automobilkonzern am Mittwoch in Wolfsburg mit. Damit sorgte der Konzern für heftige Reaktionen.

Denn in der Türkei ist diese Nachricht wenig überraschend alles andere als gut angekommen. Schließlich standen die Pläne für den Bau einer VW-Fabrik in Manisa bei Izmir eigentlich kurz vor dem Abschluss (hier mehr zu den Hintergründen der VW-Entscheidung >>>). Rund 4.000 Arbeitsplätze sollten hier entstehen. Die Entwicklung hat jetzt sogar die türkischen Ermittlungsbehörden auf den Plan gerufen. Und nicht nur VW ist dabei im Visier der Ermittler.

VW erteilt Türkei Absage – jetzt wird gegen das Unternehmen ermittelt

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu haben die türkischen Wettbewerbsbehörden nicht nur VW, sondern auch die anderen großen Automobilhersteller Audi, Mercedes, BMW und Porsche ins Visier genommen.

Das Ermittlungsverfahren solle prüfen, ob die Unternehmen gegen das Wettbewerbsgesetz verstoßen haben könnten. Man prüfe den möglichen Austausch sensibler Informationen. Dabei gehe es auch um angebliche Mängel in der Zusammenarbeit bei Sicherheit und Umwelt. Unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet der „Focus“, dass es offenbar auch um Abschalteinrichtungen für Partikelfilter ginge.

Sind die Ermittlungen ein Racheakt des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan?

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Der Zeitpunkt legt zumindest den Verdacht nahe, dass die Ermittlungen im Zusammenhang mit der VW-Absage am Mittwoch stehen könnten. Wie der „Focus“ berichtet, habe Erdoğan außerdem in der Vergangenheit häufiger ausländischen Konzernen gedroht, zuletzt beispielsweise dem US-Konzern Twitter.

Das sagt VW zu den Ermittlungen

Unterdessen gab VW auf Anfrage des „Focus“ ein Statement zu den Ermittlungen ab: „Volkswagen ist von türkischen Behörden darüber informiert worden, dass ein Verfahren gegen die Konzernmarken VW, Audi und Porsche eröffnet wurde. Das Verfahren in der Türkei befindet sich noch in einem sehr frühen Stadium und steht im Zusammenhang mit dem bekannten, wettbewerbsrechtlichen Kommissionsverfahren, das gegenwärtig auf europäischer Ebene läuft.“

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Darum hat VW die Pläne in der Türkei gestoppt

  • Offiziell: Einbruch der Automobil-Nachfrage durch die Corona-Krise
  • Inoffiziell: Bedenken wegen Kritik an Türkei-Politik in Nordsyrien
  • Inoffiziell: Weitere Zurückhaltung wegen Menschenrechtslage in der Türkei

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Das europäische Verfahren habe die Kooperation der deutschen Autobauer hinsichtlich technischer Fragen bei den sogenannten 5er-Kreisen unter die Lupe genommen. Dabei sei im vergangenen Jahr bereits kommuniziert worden, dass keine „ausreichenden Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass diese Gespräche (…) als wettbewerbswidriges Verhalten einzustufen wären, das einer weiteren Prüfung bedürfte“, heißt es weiter in dem VW-Statement.

Ob Erdoğan hinter den Ermittlungen stecken könnte, dazu habe das Wolfsburger Unternehmen keinen Kommentar abgegeben. (ak)