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VW Abhöraffäre: Mutmaßlicher Spitzel bei Brand im Kreis Helmstedt gestorben? Bericht über Abschiedsbrief

An dieser Stelle endete ein Menschenleben auf dramatischste Art und Weise.
An dieser Stelle endete ein Menschenleben auf dramatischste Art und Weise.
Foto: news38.de

Kreis Helmstedt. Es scheint das tragische Ende einer Geschichte zu sein, die nicht nur VW, sondern auch eine kleine Gemeinde im Landkreis Helmstedt erschüttert hat! Ein ehemaliger VW-Manager soll den Konzern ausspioniert und wichtige Konferenzen mitgeschnitten haben. Und das mehr als ein Jahr lang.

Jetzt soll der mutmaßliche Verdächtige der VW-Abhöraffäre nach Informationen von News38 tot sein. Eine Bestätigung seitens der Staatsanwaltschaft gibt es dazu allerdings noch nicht. Nur so viel: Die Staatsanwaltschaft prüft einen Zusammenhang zwischen dem Todesfall, dem Brand eines Hauses in Grasleben und der Abhöraffäre.

VW-Abhöraffäre spitzt sich dramatisch zu

Es ist erst wenige Wochen her, da platzte die Bombe: Zwei Jahre lang soll ein VW-Mitarbeiter hochvertrauliche Gespräche mitgeschnitten haben. Es ist die Rede von „der größten Abhör-Affäre der deutschen Wirtschaftsgeschichte“, hieß es seinerzeit im „Business Insider“. Rund 50 Stunden Material seien mitgeschnitten worden.

Auf den Tapes zu hören: Gespräche interner und hochrangiger Strategie-Runden von VW aus den Jahren 2017 und 2018. Und die sollen zeigen, dass Volkswagen sich mehrfach am Rande der Legalität bewegt habe. Besonders brisant: Bei den Gesprächen soll es vor allem um das Streitthema Prevent gegangen sein.

VW und Prevent: Die Geschichte eines Streits

VW und Zulieferer Prevent haben sich schon vor Längerem verkracht. Vor gut drei Jahren eskalierte der Streit dann. Zwei Prevent-Töchter ordneten Lieferstopp an. Beim Golf und Passat gab es dadurch Kurzarbeit. Es ging ums Geld.

Bei den Gesprächen soll es nach Informationen des „Business Insiders“ darum gegangen sein, sich nach 40 Jahren Zusammenarbeit mit Prevent von eben jenem Zulieferer zu trennen. Dazu soll sich VW mit BMW und Daimler abgestimmt haben. Gemeinsam hätten sie sich beim Zulieferer Grammer einkaufen wollen – um eine Übernahme durch Prevent zu verhindern.

VW dementiert das. Nur so viel: „Es wurde offen über alle möglichen Lösungsansätze diskutiert“, sagt ein Sprecher. Es sei darum gegangen, einen weiteren Schaden abzuwenden.

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VW-Tapes – eine Chronologie:

  • 2017 und 2018: Ein VW-Mitarbeiter schneidet heimlich brisante Gespräche mit
  • 26. Juli 2020: Die Abhör-Affäre kommt ans Licht
  • 27. Juli 2020: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig schaltet sich ein
  • 29. Juli 2020: VW stellt Strafanzeige
  • 31. Juli 2020: VW enttarnt den mutmaßlichen Maulwurf und wirft ihn raus
  • 05. August 2020: Weitere brisante Schreiben tauchen auf
  • 07. August 2020: Razzia! Die Ermittler stellen vermeintliches Beweismaterial sicher
  • 10. August 2020: Die Ermittler prüfen einen Zusammenhang mit einem Brand Ende Mai
  • 10. August 2020: Der mutmaßliche Spion wird tot in einem ausgebrannten Auto gefunden

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+++VW-Tapes: Volkswagen enttarnt offenbar den Maulwurf – und schmeißt ihn raus+++

VW-Tapes bringen Lawine ins Rollen

Fakt ist: Die Nachricht um die Tapes hat eine Lawine ins Rollen gebracht. VW hatte nach Bekanntwerden der Affäre Strafanzeige erstattet und eine interne Untersuchung eingeleitet. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt. Im Rahmen dieser Ermittlungen hat es erst vor wenigen Tagen eine Razzia gegeben.

Doch damit nicht genug. Anfang der Woche kam raus, dass das Haus des mutmaßlichen VW-Spitzels wohl Ende Mai abgebrannt ist. Das Brisante: Schon kurz nach dem Brand hätten Ermittler Spuren entdeckt, die auf Brandstiftung hindeuteten. Der Verdacht bestehe noch immer, habe sich sogar verhärtet. Das Feuer hatte seinerzeit die Gemeinde im Landkreis Helmstedt erschüttert. Eine Nachbarin schilderte damals gegenüber news38: „Man steht da und ist wie versteinert, es ist unbegreiflich für mich."

Das Feuer war ausgebrochen, als die Eigentümer nicht zuhause waren. Der Schaden liegt bei mindestens 600.000 Euro. Die Staatsanwaltschaft bestätigte auf Nachfrage von news38, dass sie einen möglichen Zusammenhang zwischen der Abhöraffäre und dem verheerenden Brand prüfen will.

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Alles zu den VW-Tapes:

VW ausspioniert: Haus des mutmaßlichen Spions abgebrannt!

VW-Tapes: Razzia! Ermittler wollen Klarheit schaffen

VW jahrelang ausspioniert – jetzt tauchen plötzlich richtig brisante Schreiben auf

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Das tragische Ende der VW-Abhör-Affäre: Mutmaßlicher Spitzel tot

Doch jetzt scheint es so, als hätte der Skandal seinen traurigen Höhepunkt gefunden. Montagabend ging der Alarm bei den Feuerwehren der Gemeinde Grasleben ein.

Zunächst hieß es: Flächenbrand bei Rottorf am Klei. Doch vor Ort bot sich den Einsatzkräften ein ganz anderes Bild. Ein Auto auf einem Feldweg brannte. Die Einsatzkräfte hätten die Rauchwolke schon auf Anfahrt gesehen.

Das Tragische: In dem Auto saß noch eine Person. Sie verstarb. Auf Nachfrage von news38.de erklärte die Staatsanwaltschaft Braunschweig am Mittwochnachmittag, dass die Obduktionsergebnisse zu der gefundenen Leiche inzwischen teilweise vorliegen. Es konnten „keine Hinweise auf eine Fremdeinwirkung festgestellt werden“, betont die Staatsanwaltschaft.

+++VW: Internes Schreiben aufgetaucht – Mitarbeiter sollen...+++

Noch sei die Leiche nicht sicher identifiziert. Auch die Ermittlungen zur Todesursache dauerten noch an. Dennoch erklärte Julia Meyer, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Braunschweig, gegenüber dem „NDR“ in der Sendung „Hallo Niedersachsen“: „Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass es möglicherweise Verflechtungen zwischen dem Brand eines Hauses Ende Mai, dem VW-Abhörverfahren und nun dem Verstorbenen in dem brennenden PKW gibt“.

Zum plötzlichen Tod des mutmaßlichen VW-Whistleblowers sagte ein Konzernsprecher gegenüber dem „Business Insider“ indes: „Volkswagen liegen dazu keine bestätigten Informationen vor. Zum Verfahren gegen den freigestellten Mitarbeiter äußern wir uns wie bislang nicht, sondern verweisen auf die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig.“

NDR berichtet über Abschiedsbrief

Der NDR berichtete am Donnerstagabend, dass es einen Abschiedsbrief geben soll. Demnach sei dem mutmaßlichen Maulwurf der Druck zu groß geworden. Das wollte Staatsanwältin Julia Meyer gegenüber news38.de aber nicht kommentieren.

Sollte es sich A bei dem Toten wirklich um den Verdächtigen handeln und sollte sich der Verdacht erhärten, könne es kein Verfahren geben. Eine Nachbarin glaubt nicht an seine Schuld: „Er hat erst vor einem Jahr geheiratet, seine Frau ist schwanger, ich kann mir nicht vorstellen, dass er in kriminelle Geschäfte verwickelt ist“, sagte sie der „Bild“.

Anmerkung der Redaktion

Normalerweise berichten wir nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit.

Wer unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leidet oder jemanden kennt, der daran leidet, kann sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen.

Sie ist erreichbar unter der Telefonnummer 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.