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VW: Späte Wiedergutmachung! Erst jetzt stellt sich Volkswagen seiner dunklen Vergangenheit

Mitarbeiter von Volkswagen do Brasil, einem Filialunternehmen von VW, fertigen das Modell Sedan (Käfer) in einer Fabrik in Sao Paulo (Brasilien) an. (undatierte Aufnahme)
Mitarbeiter von Volkswagen do Brasil, einem Filialunternehmen von VW, fertigen das Modell Sedan (Käfer) in einer Fabrik in Sao Paulo (Brasilien) an. (undatierte Aufnahme)
Foto: VW do Brasil/dpa

São Paulo/Wolfsburg. Es ist ein düsteres Kapitel in der Geschichte von VW: Der Autokonzern arbeitete während der Militärdiktatur in Brasilien mit dem dortigen Regime zusammen, verriet eigene VW-Mitarbeiter an den Staat.

Über 30 Jahre später wird VW jetzt Entschädigungen an die Opfer zahlen.

VW: Konzern arbeitete mit Militärdiktatur zusammen

Der Autohersteller hat mit verschiedenen Staatsanwaltschaften ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet.

Demnach erhalten ehemalige VW-Mitarbeiter, die während der Diktatur in Brasilien (1964 bis 1985) Menschenrechtsverletzungen erlitten haben, Schadensersatzleistungen durch den Konzern.

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Das ist VW:

  • Die Volkswagen AG wurde 1937 gegründet
  • Zum Konzern gehören auch die Marken Audi, Seat, Skoda, Bentley, Bugatti, Lamborghini und Porsche
  • 2018 fertigten die Wolfsburger rund 40 Modelle unter dem Namen Volkswagen
  • Im Jahr 2019 waren rund 22 Prozent aller Neuzulassungen Autos von VW

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Laut einer Studie des Historikers Christopher Kopper von der Universität Bielefeld hatte der VW-Werkschutz an den brasilianischen Standorten Oppositionsaktivitäten von Beschäftigten überwacht, dadurch die Verhaftung von mindestens sieben Mitarbeitern und die Misshandlung weiterer Angestellten erleichtert. Außerdem seien „schwarze Listen“ geführt worden.

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Der Autobauer hatte die historische Analyse selbst in Auftrag gegeben, um auf die Opfer zuzugehen. Diese hatten 2015 in Brasilien Anzeige gegen VW erstattet – eine Kommission sah damals klare Indizien für einen Zusammenarbeit mit dem Militärregime.

Auch Historiker Kopper befand: „Die Korrespondenz mit dem Vorstand in Wolfsburg zeigt bis 1979 eine uneingeschränkte Billigung der Militärregierung“ – damit hatte sich VW ein gutes Marktumfeld sichern wollen.

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DAS zahlt VW an die Opfer

„Wir bedauern die Verletzungen, die in der Vergangenheit passiert sind, aufrichtig“, so Hiltrud Werner, im VW-Vorstand zuständig für Integrität und Recht. „Für die Volkswagen AG ist es wichtig, verantwortungsvoll mit diesem dunklen Kapitel in der Geschichte Brasiliens umzugehen und die Transparenz zu fördern“.

Umgerechnet bekommt die Vereinigung ehemaliger VW-Mitarbeiter laut der Landesgesellschaft Volkswagen do Brasil 16,8 Millionen brasilianische Reais – das entspricht etwa 2,6 Millionen Euro. Insgesamt beinhaltet die Vereinbarung 36 Millionen Reais (rund 5,6 Millionen Euro).

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Mit dem Geld sollen auch Projekte zur Aufarbeitung der Vergangenheit und zur Erinnerung an die Menschenrechtsverletzungen gefördert werden. Die VW-Zentrale in Wolfsburg bestätigte die Einigung. (dpa, kv)