VW 

VW-Dieselskandal: Ex-Audi-Chef vor Gericht – so unfassbar lang ist die Anklage

Rupert Stadler hat sich verändert: Die Haare sind länger geworden, das Gesicht ein bisschen weicher. Er trägt einen blauen Anzug und ein weißes Hemd, aber keine Krawatte.
Rupert Stadler hat sich verändert: Die Haare sind länger geworden, das Gesicht ein bisschen weicher. Er trägt einen blauen Anzug und ein weißes Hemd, aber keine Krawatte.
Foto: Peter Kneffel/dpa

Wolfsburg/München. Vor fünf Jahren ist bei VW die Bombe geplatzt. Seitdem muss der VW-Konzern den hausgemachten Dieselskandal ausbaden.

Zum ersten Mal verhandelt ein deutsches Strafgericht gegen mutmaßliche Täter – und fängt gleich mit einem Vorstandsvorsitzenden an.

VW-Skandal: Stadler-Prozess in München gestartet

Angeklagt ist der ehemalige Audi-Boss Rupert Stadler. Der einstige „Manager des Jahres“ sitzt seit Mittwochvormittag auf der Anklagebank des Landgerichts München. Die Staatsanwaltschaft hat ihn und drei frühere leitende Audi-Ingenieure wegen Betruges angeklagt.

Stadler kommt an – in einem Mercedes

Der Prozess findet wegen Corona unter erschwerten Bedingungen in einem großen Saal in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim statt. Stadler fuhr in einem grauen Mercedes vor und betrat das Gebäude zusammen mit seinen Anwälten.

Auch der ehemalige Porsche-Entwicklungsvorstand Wolfgang Hatz sowie die beiden weiteren Mitangeklagten sind erschienen. Hatz war bis 2009 Leiter der Motorenentwicklung bei Audi und dann bei VW. Der ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn wartet noch auf seinen Prozesstermin in Braunschweig.

Ex-Audi-Chef Stadler hat sich optisch verändert

Stadler betrat den Saal in blauem Anzug, weißem Hemd und braunen Schuhen – die Haare weit länger als einst während seiner Zeit als Audi-Vorstandschef. Er grüßte Hatz mit einem „Faust-Check“. Im Saal werden Mund-Nasen-Masken getragen.

Walter Lechner, der Anwalt des mitangeklagten Motorenentwicklers Giovanni P., sagte vor Betreten des Gebäudes über seinen Mandanten: „Er war nicht Entscheider und er war weisungsgebunden. Er hat Weisungen bekommen. Und Näheres sind dann viele, viele Details, da muss man abwarten.“

------------------

Noch mehr zum Thema VW:

------------------

Die Anwälte Stadlers wollten sich vor Betreten des Gebäudes nicht äußern. Giovanni P. ist laut Staatsanwaltschaft weitgehend geständig, während sein früherer Mitarbeiter Henning L., der vierte Angeklagte in dem Prozess, sogar uneingeschränkt geständig ist.

Die Ingenieure sollen über 400.000 Dieselmotoren ab 2008 so manipuliert haben, dass sie Abgastests bestehen, aber auf der Straße mehr Stickoxide ausstoßen. Zwei Ingenieure haben das schon zugegeben.

+++ VW-Tochter Audi: Diesel-Affäre weitet sich aus – Justiz macht Nägel mit Köpfen +++

Stadler soll zwar erst nach Aufdeckung des Skandals durch die US-Umweltbehörde im September 2015 von der Sache erfahren haben, so das Ergebnis der jahrelangen Ermittlungen. Trotzdem habe er die Produktion und den Verkauf manipulierter Autos in Europa erst später gestoppt. Stadler weist die Vorwürfe zurück.

München: Anklage-Verlesung dauert Stunden!

Gut 40.000 Seiten umfassen die Ermittlungsakten. Zum Auftakt wollen die Staatsanwälte die 90 Seiten lange Anklage verlesen – fünf bis sechs Stunden lang!

+++ „Beweisstücke Winterkorn“: Holt den Ex-VW-Chef die Audi-Vergangenheit ein? +++

Über zwei Jahre lang soll der Prozess im VW-Dieselskandal dauern. Man trifft sich immer dienstags und mittwochs, bis Dezember 2022.

Für die Angeklagten könnte es teuer werden

Den VW-Konzern hat der Dieselskandal mit insgesamt elf Millionen manipulierten Autos bisher 32 Milliarden Euro gekostet – für Schadenersatz, Nachrüstungen, Strafzahlungen. Auch für die Angeklagten könnte es noch sehr teuer werden, sollten sie schuldig gesprochen werden...

Laut Strafprozessordnung tragen sie dann die Kosten des Verfahrens – samt Gutachter – und Reisekosten etwa für Zeugen aus den USA. Audi dürfte Abfindungen zurückfordern und von den Vorständen Schadenersatz verlangen. (dpa/ck)