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VW: Winterkorn als „Bandenchef" im Dieselskandal? Anwälte zerlegen Anklage

In rund vier Monaten wird es ernst für Martin Winterkorn. Der frühere VW-Konzernlenker muss sich ab dem 25. Februar einem öffentlichen Gerichtsverfahren zu seiner Rolle in der Abgasaffäre stellen. (Archivbild)
In rund vier Monaten wird es ernst für Martin Winterkorn. Der frühere VW-Konzernlenker muss sich ab dem 25. Februar einem öffentlichen Gerichtsverfahren zu seiner Rolle in der Abgasaffäre stellen. (Archivbild)

Wolfsburg/Braunschweig. Ende Februar startet der mit Spannung erwartete Prozess gegen Ex-VW-Chef Martin Winterkorn.

Die Anklage in Braunschweig wirft dem 73-Jährigen vor, früh vom massiven Abgasbetrug bei VW gewusst zu haben – dennoch soll er nichts dagegen unternommen haben. Im Gegenteil.

VW: Prozess gegen Winterkorn und vier weitere Ex-Manager

Winterkorn und vier weiteren ehemaligen VW-Managern wird außerdem gewerbs- und bandenmäßiger Betrug vorgeworfen – damit geht das Landgericht Braunschweig sogar weiter als die Staatsanwaltschaft.

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Winterkorns Anwälte weisen alle Anschuldigungen zurück, berichtet der „Business Insider“. Demnach fehlen ihnen in der Anklage Beweise. Zum Beispiel werde nicht aufgeführt, inwiefern sich die mutmaßlichen Bandenmitglieder abgesprochen hätten, um kriminell zu handeln.

So argumentieren die Winterkorn-Anwälte

Der Ex-VW-Chef könne juristisch kein „Bandenmitglied“ sein; er sei weder in die Organisation verwickelt gewesen noch habe er die Regeln der „Bande“ akzeptiert. Überhaupt: „Bande“ sei falsch, so die Winterkorn-Anwälte.

VW-Chef Martin Winterkorn entschuldigt sich für den Diesel-Skandal
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Die Verbindung zwischen den damaligen VW-Managern sei ihr Arbeitgeber gewesen – und das Entwickeln von Dieselmotoren. Mehr nicht. Es habe keine geplanten Treffen gegeben, alles sei zufällig passiert. Daher könne von „Bandenbetrug“ keine Rede sein.

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Dass der frühere VW-Konzernlenker geschwiegen habe, nachdem er vom millionenfachen Abgasbetrug erfahren haben soll, sei nicht billigend zu werten. Insofern fehle die aktive Kommunikation. Die Absprache mit den „Bandenmitgliedern“.

Auch von gewerbsmäßigen Betrug will die Verteidigung dem „Business Insider“ zufolge nichts wissen. Aus ihrer Sicht habe Winterkorn damals wegen des Betrugs nichts hinzuverdient. Es sei beim festen Vertrag sowie den flexiblen Bonuszahlungen geblieben.

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Causa Winterkorn: Mammutprozess in der Stadthalle Braunschweig

Ob das Landgericht Braunschweig diesen Argumenten folgen wird, ist mehr als fraglich. Zuvor hatten die Winterkorn-Anwälte mit dessen offenbar schlechten Gesundheitszustand argumentiert. Insofern ist noch fraglich, ob der Prozess gegen den einst so mächtigen VW-Boss pünktlich losgeht.

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Die VW-Chefs (1948 - 2018):

  • Herbert Diess (seit 2018)
  • Matthias Müller (2015 - 2018)
  • Martin Winterkorn (2007 - 2015)
  • Bernd Pischetsrieder (2002 - 2006)
  • Ferdinand Piëch (1993 - 2002)
  • Carl Hahn (1982 - 1992)
  • Toni Schmücker (1975 - 1981)
  • Rudolf Leiding (1971 - 1975)
  • Kurt Lotz (168 - 1971)
  • Heinrich Nordhoff (1948 - 1968)

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Klar ist: Es wird ein Mammutprozess, der in der Stadthalle Braunschweig über die Bühne gehen soll. Er dürfte sich bis mindestens ins Frühjahr 2023 hinziehen, 133 Verhandlungstermine sind geplant.

Darüber hinaus muss sich Winterkorn zusätzlich auf ein Gerichtsverfahren wegen mutmaßlicher Marktmanipulation einstellen. Termine für diesen zweiten Prozess in Braunschweig sind noch nicht bekannt.

+++ Winterkorn-Bonus: Zahlte VW mehr als bislang bekannt? +++

Hierbei geht es um den Vorwurf, Anleger und den Finanzmarkt nach dem Bekanntwerden der Diesel-Manipulationen zu lange im Unklaren gelassen zu haben. (ck)