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VW: Zwangsarbeit in China-Werk? Volkswagen kämpft um seinen Ruf

Die Volkswagen Group China meldet in der Corona-Krise deutliche Zeichen für eine Erholung des Geschäfts.
Die Volkswagen Group China meldet in der Corona-Krise deutliche Zeichen für eine Erholung des Geschäfts.
Foto: Volkswagen AG

Wolfsburg/Peking. VW hat in China mehr als 30 Werke – das VW-Werk in der Provinz Xinjiang ist besonders umstritten. Und bleibt es wohl auch.

Denn in dieser westchinesischen Region – rund ums VW-Werk – soll die chinesische Regierung die Minderheit der muslimischen Uiguren aufs Schärfste verfolgen. Darüber gibt es Medienberichte zuhauf. Auch Regierungen werfen China diese Verbrechen vor.

VW: Diess stolpert über China-Frage

Menschenrechtsverstöße, Umerziehungslager und Zwangsarbeit – dass es all das rund ums umstrittene VW-Werk in China geben soll, davon wollte VW-Chef Herbert Diess im vergangenen Jahr nichts gewusst haben. „Darüber ist mir nichts bekannt, sorry“, sagte Diess in einem BBC-Interview.

Dafür kassierte er mächtig Kritik. China-Experten und Menschenrechtsorganisationen reagierten fassungslos, auch im Konzern runzelten wohl einige Führungskräfte die Stirn. Erst nach dem Shitstorm ruderte der VW-Konzern etwas zurück. >> Alles dazu liest du HIER!

VW bestreitet Zwangsarbeit in Zulieferkette

VW beschäftigt rund 600 Mitarbeiter im Werk Urumtschi, der Hauptstadt der Provinz Xinjiang. Laut Volkswagen gehört jeder Zehnte davon zu den Uiguren. Im Frühling hatte das „Australian Strategic Policy Institute“ in einer großen Studie behauptet, VW setze in seiner Wertschöpfungskette uigurische Zwangsarbeiter ein.

Danach wiederum startete VW eine Untersuchung – das Ergebnis: Die Vorwürfe seien falsch. Die in dem Bericht genannten Zulieferer seien keine „direkten Zulieferer“ von VW, teilte der Konzern dem „Handelsblatt“ mit. In der VW-Kette habe man „keine weiteren Beweise“ für Zwangsarbeit gefunden.

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Das sagte auch VW-China-Chef Stephan Wöllenstein der ARD. Diese Vorwürfe hätten sich nicht erhärtet. Inwiefern seine Mitarbeiter inhaftiert waren oder zur Fabrikarbeit gezwungen wurden, wisse er nicht.

„Wir beschäftigen die Leute direkt. Sie bewerben sich. Es kommt zum klassischen Bewerbungsgespräch, nachdem die Unterlagen geprüft worden sind. Alles was davor passiert ist, ist für uns extrem schwer nachzuvollziehen“, sagte Wöllenstein der ARD.

VW defends Chinese car plant despite international concern over Uighur detentions
BBC News

Viele Experten sehen das VW-Werk in Xinjiang sehr kritisch; unter anderem China- und Menschenrechtsexpertin Katja Drinhausen. „Für Volkswagen und andere Unternehmen in der Region gibt es keine Möglichkeit, zuverlässig auszuschließen, dass Mitarbeiter unter Zwang in dem Unternehmen oder Sub-Unternehmen arbeiten“, sagte sie dem „Handelsblatt“.

So oder so: Mit dem Werk in Xinjiang unterstütze VW die Propaganda der chinesischen Regierung, wonach in der Region alles in Ordnung sei. Volkswagen will aber wohl weiter an dem Werk festhalten. Beobachter glauben, dass der Konzern Angst vor staatlichen Repressionen hat. Immerhin ist VW extrem vom China-Markt abhängig... (ck)