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VW: Bernd Osterloh sagt Adieu – „Ein anderer Gang wird für mich viel schwerer“

Osterloh blickt wehmütig auf seine Vergangenheit bei VW zurück. (Symbolbild)
Osterloh blickt wehmütig auf seine Vergangenheit bei VW zurück. (Symbolbild)
Foto: IMAGO / Susanne Hübner

Wolfsburg. Für einen der mächtigsten Arbeitsnehmervertreter Deutschlands geht eine Ära zu Ende: Bernd Osterloh war jahrelang an der Spitze des VW-Betriebsrates.

Doch jetzt tritt er zurück – aber nicht, ohne sich emotional vom VW-Team zu verabschieden.

Osterloh verabschiedet sich von VW

Sein Abgang kam durchaus überraschend, da es zuvor geheißen hatte, Osterloh wolle bei den Betriebsratswahlen im kommenden Jahr noch einmal antreten.

Jetzt der Abgang! „Ich habe in den vergangenen Wochen intensiv nachgedacht, denn nach all den Jahren fällt mir dieser endgültige Schritt natürlich nicht leicht“, erklärte Osterloh in einem emotionalen Brief gegenüber der Belegschaft.

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Weiter schreibt Osterloh: „Ein anderer Gang wird für mich viel schwerer: Ich verlasse heute mein Büro an der Südstraße im Werk Wolfsburg an meinem letzten Tag als Vorsitzender der Arbeitnehmervertretung. Es sind 44 Jahre und elf Tage. Und natürlich werde ich einen Kloß im Hals haben.“

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Das ist Bernd Osterloh:

  • geboren am 12. September 1956 in Braunschweig
  • machte 1973 seinen Abschluss zum Industriekaufmann
  • startete 1977 bei Volkswagen Wolfsburg
  • war seit 2005 Betriebsrats-Boss von VW

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Trotz und wegen der Streitigkeiten mit Konzernchef Herbert Diess betont Osterloh: „Der Einsatz für unser Unternehmen und für Eure Interessen als beste Belegschaft der Welt ist ein zentraler Inhalt meines Lebens und bleibt als solcher immer ein Teil von mir. Meine Bilanz ist rundum positiv.

Ja, er habe viel geopfert. „Aber nein, ich habe nie gezweifelt, dass es das immer wert war.“

VW: Generationenwechsel im Betriebsrat

Osterloh will nach eigener Aussage einen Generationenwechsel einleiten – und ein Jahr vor der nächsten Betriebsratswahl den Weg für seine Nachfolgerin und bisherige Stellvertreterin Daniela Cavallo freimachen.

Er lobt seine Nachfolgerin in höchsten Tönen: „Sie ist führungsstark, empathisch und so strategisch, dass sich viele noch wundern werden“. Für VW und den einflussreichen Betriebsrat bedeutet der Wechsel an der Spitze einen echten Fortschritt: Denn bisher steht an keinem anderen Autokonzern eine Frau an der Spitze der Arbeitnehmer.

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Die 46-Jährige soll außerdem Osterlohs Platz im VW-Aufsichtsrat einnehmen. „Nötige Schritte für ihre Bestellung über das Registergericht sind bereits eingeleitet“, teilte VW mit. Das Kontrollgremium wird dann von dem früheren VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch geführt, Stellvertreter ist Jörg Hofmann, Chef der IG-Metall.

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Doch in den Ruhestand will der 64-Jährige noch lange nicht gehen. Die VW-Tochtergesellschaft Traton hat Osterloh nämlich ein verlockendes Angebot gemacht: Er soll bei dem Lkw-Unternehmen Personalvorstand werden. Den Posten tritt er am 1. Mai an. (mbe)