Wolfsburg 

Ausstellung 1938Projekt: 365 Tage jüdische Geschichte

Klaus Mohrs (SPD), William H. Weitzer vom Leo Baeck Institut, Jörg Munzel vom Israel Jacobson Netzwerk, Alexander von Kienling von der Universität Braunschweig und Dennis Weilmann, Stadtdezernent, sind bei der Eröffnung der Ausstellung dabei.
Klaus Mohrs (SPD), William H. Weitzer vom Leo Baeck Institut, Jörg Munzel vom Israel Jacobson Netzwerk, Alexander von Kienling von der Universität Braunschweig und Dennis Weilmann, Stadtdezernent, sind bei der Eröffnung der Ausstellung dabei.
Foto: Lara Hann

Wolfsburg. 1938 werden die Leistungen jüdischer Ärzte nicht mehr von den Krankenkassen übernommen, sie müssen ihren Namen in einen "typisch jüdischen" ändern, ihnen wird verboten, Einzelhandel zu treiben - außerdem wird der Grundstein für die Stadt Wolfsburg gelegt. Genau hier findet nun eine Ausstellung statt, die das Leben deutschsprachiger Juden zu der Zeit zeigt.

Die Ausstellung soll sich nicht nur auf die Vergangenheit beziehen, sondern vor allem auch helfen, die Zukunft zu beeinflussen. "Wir wollen zeigen, wie Minderheiten eine Gesellschaft positiv beeinflussen können, wenn demokratische Freiheit herrscht", erklärt William H. Weitzer, Direktor des Leo Baeck Instituts.

1938Projekt: Posts from the Past

Die Ausstellung basiert auf der Aktion "1938Projekt: Posts from the Past", das Tag für Tag die Erfahrungen deutschsprachiger Juden aus dem Jahre 1938 zeigen. Auf der Webseite des Projektes bei Instagram, Twitter und Facebook, wird jeden Tag ein Schriftstück, das genau an dem Tag vor 80 Jahren entstanden ist, gezeigt. So bekommt der Leser bis zum Ende des Jahres Einblick in 365 persönliche Geschichten.

Für die Ausstellung im Alvar-Aalto-Kulturhaus, die am heutigen Montag in Wolfsburg eröffnet hat, wurden zwölf dieser Geschichten ausgewählt - für jeden Monat eine. "Wir haben versucht, ein möglichst breites Spektrum an Geschichten auszusuchen", so Weitzer.

Wolfsburg zeigt Courage

"Wolfsburg zeigt hier wirklich Courage", findet Jörg Munzel vom Israel Jacobson Netzwerk mit Blick auf die Tatsache, dass die Stadt in diesem Jahr ihren 80sten Geburtstag feiert. Wolfsburg war damals als nationalsozialistische Musterstadt geplant worden - die deutsche Wirtschaft sollte hier, mit dem Volkswagen Werk, angekurbelt werden.

Wolfsburg gegen Ausgrenzung

Klaus Mohrs (SPD), Oberbürgermeister der Stadt, sieht die Entscheidung nicht als besonders couragiert an: "Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit, dass die Ausstellung hier stattfindet". Wolfsburg habe eine Geschichte aus der ein Auftrag entstehe und auch immer versucht, diesen umzusetzen: "Wir sind eine weltoffene Stadt mit Bürgern aus über 140 Nationen".

Beim Thema Ausgrenzung, das leider in den letzten Jahren wieder stark gewachsen sei, würde Emotionalität meistens nicht helfen. "Diese Ausstellung lieferte gute Argumente gegen Ausgrenzung", findet der Bürgermeister. Daher sei ein Besuch sehr empfehlenswert.

Wanderausstellung in der Region unterwegs

Noch bis zum 26. April ist die Ausstellung in Wolfsburg zu sehen. Danach kommt sie vom 3. Mai bis 2. Juni nach Braunschweig in die Stadtbibliothek und vom 7. Juni bis 8. Juli nach Salzgitter ins Schloss Salder.