Wolfsburg 

VW und Winterkorn: Keine Verjährung für den Ex-Boss

Der einstige VW-Chef Martin Winterkorn ist so angezählt wie bisher noch nie (Archivbild).
Der einstige VW-Chef Martin Winterkorn ist so angezählt wie bisher noch nie (Archivbild).
Foto: Jochen Lübke/dpa
  • Bis Mai 2019 könnte VW Ansprüche an den Ex-Chef stellen.
  • Althusmann: Volkswagen prüft Forderungen gegen Winterkorn.
  • Verfahren in den USA und Braunschweig.

Wolfsburg/Braunschweig. Der frühere VW-Konzernchef Martin Winterkorn will im Fall möglicher Schadenersatz-Ansprüche gegen ihn ein weiteres Jahr lang keine Verjährung geltend machen. Nach dpa-Informationen verlängerte er unlängst den sogenannten Verjährungsverzicht bis Ende Mai 2019.

Nach Angaben des niedersächsischen Wirtschaftsministers Bernd Althusmann, der auch im Volkswagen-Aufsichtsrat sitzt, sind eventuelle Schadenersatz-Ansprüche im Abgasskandal ein laufendes Anliegen des Kontrollgremiums. Sie würden nicht an der Verjährung scheitern, betonte der CDU-Politiker.

Haftbefehl in den USA

Zuvor war bekanntgeworden, dass die US-Justiz Winterkorn wegen Betrugs in der Abgasaffäre zur Rechenschaft ziehen will, in den USA gibt es bereits einen Haftbefehl gegen ihn. Außerdem werfen ihm die Ankläger dort Verschwörung zum Verstoß gegen Umweltgesetze und zur Täuschung der Behörden vor. Der "Focus" hatte kürzlich berichtet, Winterkorn habe Volkswagen schriftlich versichert, er werde im Fall von Regressforderungen auf Verjährung verzichten.

Nicht nur in den USA wird gegen Winterkorn ermittelt. Bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig laufen gegen ihn wie auch gegen den neuen VW-Konzernchef Herbert Diess und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch Untersuchungen wegen möglicher Marktmanipulation, gegen Winterkorn zusätzlich wegen Betrugs.

Es geht um mehr als 100 Millionen

Volkswagen teilte mit: "Der Aufsichtsrat prüft fortlaufend, ob Schadensersatz-Ansprüche gegen ehemalige oder amtierende Vorstandsmitglieder gesichert und gerichtlich geltend gemacht werden." In dieser Frage orientiere man sich "einzig und allein" am Unternehmenswohl.

Schlimmstenfalls droht Winterkorn der Verlust seines gesamten Vermögens. In seiner Zeit als Konzernchef soll er mehr als 100 Millionen Euro von VW bekommen haben; hinzu kommen rund 30 Millionen Euro an Pensionsansprüchen.