Wolfsburg 

Wolfsburg gräbt sich aus – und rätselt über Gruben

Die Grabungsleiterin beschreibt einen archäologischen Befund auf einem Datenblatt
Die Grabungsleiterin beschreibt einen archäologischen Befund auf einem Datenblatt
Foto: Stadt Wolfsburg
  • Hinweis auf vorgeschichtliche Siedlung.
  • Vielzahl von Befunden im Hochuferbereich der Aller.

Wolfsburg entdeckt sich neu. Bei den Ausgrabungen im Gewerbegebiet Warmenau Ost kam bisher Erstaunliches ans Licht. Insgesamt haben die Archäologen bisher rund 350 Befunde entdeckt und untersucht, schreibt die Stadt am Donnerstag.

Hinweise auf Gebäude

Demnach deuten sie auf eine ausgedehnte vorgeschichtliche Siedlung hin. Sie liegt im Hochuferbereich der Aller. Das Untersuchungsareal deutet aus Expertensicht darauf hin, das die Siedlung mindestens 20.000 Quadratmeter umfasste.Pfostengruben, die sich zu Reihen und Rechtecken zusammenfassen lassen, geben Hinweise auf die Gebäude der ehemaligen Siedlung in Warmenau Ost.

Das Fundmaterial zeigt den Alltag der Bewohner. Mehrere Bruchstücke von Web-Gewichten und Spinnwirtel sind Spuren von textilen Arbeiten wie Weben und Garnherstellung. Bruchstücke von Tongefäßen gehörten einst zum Koch-, Ess- und Trinkgeschirr sowie zu Vorratsgefäßen. Auffällig war weiterhin ein steinerner Stößel zum Zerkleinern.

22 Rätsel offen

Das größte Rätsel geben bisher 22 Gruben auf, die offenbar absichtlich mit Steinen verfüllt wurden. Hierbei handelt es sich um faust- bis fußballgroße Steine, welche keinerlei offensichtliche Gebrauchsspuren aufweisen, wie sie zum Beispiel bei Hitzeeinwirkung entstehen würden. Ob es sich um Überreste von handwerklicher Produktion oder bestimmter Nahrungsmittelherstellung handelt, können nur weitere naturwissenschaftliche Untersuchungen klären.

Die zeitliche Einordnung des keramischen Materials deutet darauf hin, dass die Siedlung zwischen dem Ende der Bronzezeit und dem Anfang der römischen Kaiserzeit – also etwa von 700 vor Christus bis Christus Geburt - bewohnt war – ob dauerhaft oder nicht, können die Forscher noch nicht sagen.

Die Funde werden nach Abschluss der Geländearbeiten Mitte Juni gewaschen, beschriftet und magaziniert. Ein wissenschaftlicher Grabungsbericht wird erstellt. Anschließend werden die Grabungsergebnisse an die Untere Denkmalschutzbehörde zur weiteren Auswertung übergeben.