Wolfsburg 

Wachsende Städte: Baut Wolfsburg eine Straßenbahn?

In Niedersachsen haben bislang nur Braunschweig (unser Foto) und Hannover eine Straßenbahn. Nun prüft Wolfsburg ein ähnliches Verkehrssystem (Archivbild).
In Niedersachsen haben bislang nur Braunschweig (unser Foto) und Hannover eine Straßenbahn. Nun prüft Wolfsburg ein ähnliches Verkehrssystem (Archivbild).
Foto: Braunschweiger Verkehrs-GmbHJ
  • Stadt-Wachstum in Wolfsburg und Braunschweig bringt Probleme.
  • Wolfsburg vergleicht Straßenbahn mit Schnellbus-System.
  • Ostfalia-Professor sieht vertane Chancen in beiden Städten.

Braunschweig/Wolfsburg. Bekommt Wolfsburg eine Straßenbahn? Die Stadt schließt das nicht aus, wie Rathaus-Sprecher Ralf Schmidt gegenüber news38.de bestätigte: Man vergleiche derzeit die Wirtschaftlichkeit einer eigenen Stadtbahn mit der eines Schnellbus-Systems. Das Ergebnis stehe allerdings noch aus.

Hintergrund: Mit rund 6.000 neuen Wohnungen bis zum Jahr 2020 wächst die Stadt noch schneller als das benachbarte, aber doppelt so große Braunschweig. Dort entstehen im selben Zeitraum "nur" 5.000 zusätzliche Wohnungen.

ÖPNV? Grenzwertig!

Und der Nachholbedarf in Wolfsburg sei groß: "Alles, was dort an Neubaugebieten entsteht, basiert auf einem ÖPNV-System, das für eine Stadt dieser Größe grenzwertig ist."

Das freilich sagt nicht der Stadt-Sprecher, sondern Ostfalia-Professor Christoph J. Menzel. Der Verkehrsexperte lehrt in Salzgitter Personenverkehrsmanagement und Verkehrs-Ingenieurwesen - und hält den Stadt-Oberen von Wolfsburg vor, "sich bislang nicht ranzutrauen" an einen großen Wurf in Sachen Öffentlicher Personennahverkehr.

Studenten überlegen Verkehrslösung

So habe die Stadt ein studentisches Projekt zum Aufbau eines Schnellbus-Systems zwischen Königslutter und Wolfsburg zwar "ganz positiv gesehen". Aber nach der ersten Euphorie heiße es: "Still ruht der See."

Auch Überlegungen zum Aufbau eines Bus-Wasser-Shuttles zum VW-Werk oder Forderungen nach Reaktivierung der Bahnstrecke Wittingen - Brome - Oebisfelde seien im Sande verlaufen, bedauert Menzel.

5-Kilometer-Distanz

Aus Sicht der Stadt hingegen gibt es keine Versäumnisse: "Selbstverständlich" plane die Verwaltung "für jedes Baugebiet auch die Verkehrsanbindungen" einschließlich Radverkehr und ÖPNV, versichert Rathaus-Sprecher Schmidt.

Wobei es in der Hauptstadt des VW-Konzerns der Öffentliche Personennahverkehr offenbar schwer hat: "Die ÖPNV-Affinität ist in Wolfsburg geringer als anderswo", weiß Verkehrsexperte Menzel. Und weil das Stadtgebiet relativ flach ist, sei "Wolfsburg fahrradgeeignet". Innerhalb der typischen "fahrradaffinen Distanz von fünf Kilometern erreicht man in Wolfsburg unheimlich viel".

Furcht vor Verkehrsinfarkt

Das ist beim südöstlichen Nachbarn Braunschweig mit einer Nord-Süd-Ausdehnung von fast 20 Kilometern schon etwas anders. Da wächst mit dem Ringgleis zwar ein Freizeitpfad und Radweg rund um die Kernstadt. Aber in den Augen vieler Anlieger und Kommunalpolitik kann die Verkehrsinfrastruktur mit dem Wachstum der Stadt trotzdem nicht mithalten.

So haben die jeweiligen Bezirksräte bereits "Nein" gesagt zu aktuellen Plänen für Baugebiete in Querum und Stöckheim - die Angst vor dem Verkehrsinfarkt ist zu groß.

Volle Busse nach Lamme

Und für bereits wachsende Stadtteile wie Lamme oder Rautheim mit dem neuen Wohngebiet auf dem Areal der einstigen Heinrich-der-Löwe-Kaserne seien die Bus-Anbindungen "nur ein Notgroschen", findet Professor Menzel. Deshalb hält er auch den geplanten Stadtbahn-Ausbau in Braunschweig für "nicht so gelungen" - jedenfalls, was die Prioritäten angeht. Die Buslinie 411 zwischen der Innenstadt und Lamme "gehört zu den höchstbelasteten Linien" in Braunschweig - "in Richtung Stadtentwicklung wichtig" wäre deshalb aus seiner Sicht die rasche Anbindung ans Straßenbahnnetz.

Neue Buslinie in den Norden

Durch die geplante "Campus-Bahn" soll auch der neue Stadtteil "Caspariviertel" im Nördlichen Ringgebiet an die Gleise angeschlossen werden, kündigt Rathaus-Sprecher Adrian Foitzik an. Während dies aber noch Zukunftsmusik ist, sollen bereits "in Kürze" Busse ins Caspariviertel fahren. Verkehrsplaner Menzel indes sieht diesen Bereich durch seine Nähe zur Universität und zum Stadtzentrum aber auch als "besonders radaffin",

Im Süden Braunschweigs spiele hingegen die Straßenbahn eine größere Rolle. Besonders sieht er dies in Stöckheim: "Da sind vor Jahren die Haltestellen schon so angelegt worden, dass sie die künftigen Baugebiete erschließen."

So viele Pkw-Plätze sind vorgeschrieben

Trotzdem spielt das Auto nach Einschätzung der Stadtverwaltung in den Randgebieten weiterhin die größte Verkehrs-Rolle: In Eigenheimgebieten gelte dort die Vorgabe, pro Wohneinheit zwei Stellplätze zu schaffen. Im Nördlichen Ringgebiet hingegen werde diese Vorgabe aufgrund von Mobilitätskonzepten wie ÖPNV, Carsharing oder Lastenräder auf bis zu 0,6 reduziert.