Wolfsburg 

Dieselkrise: Osterloh lässt Dampf ab

VW-Betriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh ist sauer auf die Politik. (Archivbild)
VW-Betriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh ist sauer auf die Politik. (Archivbild)
Foto: Peter Steffen/dpa

Wolfsburg/Berlin. Vor der Entscheidung der Bundesregierung über Maßnahmen der Autoindustrie gegen Fahrverbote für ältere Dieselautos hat VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh die Politik vor unrealistischen Vorgaben gewarnt. "Manchmal wünsche ich mir schon, dass die Politik versucht, sich ernsthaft mit den Fakten vertraut zu machen, bevor sie Entscheidungen trifft", sagte Osterloh der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

"Mit Halbwissen diskutieren"

"Ich bin zu diesem Thema noch nie von so vielen Menschen umgeben gewesen, die mit Halbwissen darüber diskutieren, was technisch geht und was nicht geht", sagte Osterloh und fügte hinzu: "Was mich wirklich aufregt ist, dass in Berlin viele Politiker nicht mehr wissen, was außerhalb der Hauptstadt los ist."

Millionen Besitzern von Diesel-Fahrzeugen drohen in mehreren deutschen Städten wegen zu hoher Stickoxid-Emissionen Fahrverbote. Beim Versuch, diese zu vermeiden, ringen Bundesregierung und Autohersteller um eine Lösung. Im Gespräch sind ein Rückkaufprogramm schmutziger, alter Diesel durch die Hersteller sowie die Möglichkeit, ein altes gegen ein neues, weniger umweltschädliches Auto eintauschen zu können.

Politik soll fair bleiben

Diskutiert werden auch Hardware-Nachrüstungen. Die Autokonzerne lehnen solche Umbauten direkt am Motor dem Vernehmen nach weiter ab, weil sie technisch aufwendig und teuer sind. Auch zum geplanten Rückkaufprogramm gibt es Skepsis. An diesem Freitag ist ein Spitzentreffen der Regierung im Kanzleramt geplant.

Osterloh sagte: "Ich bin auch für saubere Luft, aber die Menschen wollen und brauchen den Individualverkehr. Und die Lösungen müssen für die Kunden bezahlbar sein." Der VW-Betriebsratschef sagte, er erwarte "Fairness der Politik uns gegenüber". Schließlich gehe es auch um Arbeitsplätze. "Mich wundert dabei, dass sogar der eine oder andere Sozialdemokrat zu meinen scheint, es sei ja nicht so schlimm, wenn 100.000 oder 200.000 Menschen ihren Arbeitsplatz in der Automobilindustrie verlieren", sagte Osterloh.