Wolfsburg 

Eklat von Wolfsburg: Beschuldigte Hetzer stellen sich der Polizei, das droht ihnen jetzt – Nationalspieler: „Video hat mich bewegt!“

Leroy Sané wurde von drei Männern beim Länderspiel in Wolfsburg rassistisch beleidigt. Der Journalist André Voigt hat von den Vorfällen in einem Video berichtet.
Leroy Sané wurde von drei Männern beim Länderspiel in Wolfsburg rassistisch beleidigt. Der Journalist André Voigt hat von den Vorfällen in einem Video berichtet.
Foto: dpa

Wolfsburg. Die drei Männer, die beim Länderspiel zwischen Deutschland und Serbien Leroy Sané und Ilkay Gündogan rassistisch beleidigt haben sollen, haben sich am Donnerstag der Polizei gestellt. Das teilte die Polizei Wolfsburg mit.

Die drei Männer zwischen 30 und 40 Jahren haben in einer ersten Vernehmung bei der Polizei sich zu dem Sachverhalt geäußert. Die Polizei ermittelt jetzt weiter wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Nächste Woche soll die Staatsanwaltschaft Braunschweig übernehmen.

Leroy Sané in Wolfsburg beschimpft: Rechte Parolen auf der Tribüne - das droht den Männern

Den drei Männern droht bei Volksverhetzung eine Freiheitsstrafe zwischen drei Monaten und bis zu fünf Jahren. In Paragraph 130 heißt es in Absatz 1 Nummer 1, wer „ in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung zum Hass aufstachelt."

Auch der Versuch ist strafbar.

Auch André Voigt soll vernommen werden

Am Freitag soll auch der Journalist und Basketball-Experte André Voigt bei der Polizei aussagen, berichtet die „Bild“. Voigts hatte die rassistischen Schmährufe gegen Leroy Sané und Nazi-Parolen aus dem Publikum in einem Video auf Facebook publik gemacht.

Voigt war mit seiner kleinen Tochter und der Familie vor Ort und musste erleben, wie widerlich sich drei Fans auf der Tribüne verhielten. „Immer wenn Leroy Sané am Ball war, war vom Neger die Rede oder vom Affenmenschen", klagt der Journalist an. „Und immer wieder Neger, Neger, Neger, Neger. Gündogan war der Türke.“

Voigt ist schockiert über „dieses totale Fallenlassen jeglicher Menschlichkeit“. In seinem Live-Video auf Facebook wird er emotional und bricht in Tränen aus.

Journalist: „Es ging mit Heil Hitler weiter“

Fassungslos macht ihn das Verhalten der anderen Fans auf der Tribüne. „Keiner hat irgendwas gesagt. Es ging mit Heil Hitler weiter.“ Eine Frau habe den drei jungen Männern sogar zugestimmt, dass momentan was falsch laufe in Deutschland.

Er selbst konfrontierte die drei Männer mit ihren Aussagen und wurde dafür nur beschimpft. „Es schockt mich, dass es solche Idioten gibt.“

Der Journalist und Basketball-Experte hat am Tag nach dem Länderspiel auf Facebook berichtet, dass ihm großer Hass in den sozialen Netzwerken entgegenschlägt. „Und jetzt kommt der Hass“, schrieb er und ergänzte, dass er die Nachrichten-Funktion in Facebook deaktiviert habe. „Nachdem mich die ersten Mails erreicht haben, die meine Tochter mit dem Begriff 'Vergewaltigung' in Verbindung gebracht haben.“

Goretzka entsetzt

„Das Video hat mich bewegt und ein Stück weit auch entsetzt. Man sollte entschieden dagegen vorgehen“, sagte Nationalspieler Leon Goretzka bei der DFB-Pressekonferenz am Freitag. „Ich bin ein Kind des Ruhrgebiets, wo man auf die Frage nach der Nationalität mit Schalke, BVB oder Bochum antwortet. Wir stehen für Vielfalt, Integration ist kein Thema, sondern eine Selbstverständlichkeit. Ich kann nur alle aufrufen, mit viel Mut dagegen vorzugehen und solche Leute in die Schranken zu weisen", so Goretzka über das Video des Journalisten André Voigt.

„Sowas geht absolut nicht. Wir stehen für Vielfalt, dagegen muss man vorgehen", ergänzte BVB-Star Marco Reus.

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Auch DFB ist Video bekannt

Auch beim Deutschen Fußball-Bund wurde das Video mit den Vorwürfen von André Voigt gesehen. Die beschriebenen Vorfälle seien vom DFB beim Ordnungsdienst und bei der Polizei gemeldet worden, teilte ein Sprecher auf Nachfrage unserer Redaktion mit.

„Es laufen Ermittlungen. Die Möglichkeiten, die wir als Verband haben, werden wir ausschöpfen", sagt Pressesprecher Jens Grittner am Freitag.

DFB nimmt Stellung und verurteilt den Vorteil

Der DFB hat sich auch in einer Mitteilung zum Vorfall geäußert. Darin heißt es: „Der DFB verurteilt den rassistischen Vorfall beim Länderspiel gegen Serbien am Mittwoch in Wolfsburg aufs Schärfste.“

Durch die Hilfe eines Fans habe der DFB die Kartenkäufer für die Plätze, auf denen die betreffenden Personen saßen, ausfindig machen. Die Polizei ermittelt nun gegen sie.

Zudem weist der Fußballbund darauf hin, dass in solchen Fällen sofort das Ordnungspersonal vor Ort kontaktiert werden solle. (mvg/jg/ms)