Wolfsburg 

Flüchtling meistert seinen Weg: Rami aus Syrien ist jetzt Krankenpfleger in Wolfsburg

Von links: Rhami Zain Rahabi, Iwona Lubanska mit Lara auf dem Arm und B'dour Zaidani.
Von links: Rhami Zain Rahabi, Iwona Lubanska mit Lara auf dem Arm und B'dour Zaidani.
Foto: Agentur für Arbeit

Wolfsburg. Die kleine Lara ist mittlerweile fast ein Jahr alt. Sie krabbelt vergnügt auf dem Boden, vor allem eine Packung Zupftaschentücher hat es ihr angetan. Ihr Name bedeutet im arabischen Mondlicht und so wie der Mond strahlt, strahlen auch die stolzen Eltern während sie Lara beobachten.

Flucht aus Syrien - Krankenhaus in Idlib zerbombt

Die Eltern, das sind der 34-jährige Rami und die 30-jährige B'dour, die im November 2015 gemeinsam aus Idlib im Norden Syriens flohen. Der gelernte Krankenpfleger, der berufsbegleitend zusätzlich noch Krankenpflege in seiner Heimat studierte, hatte gerade seine Schicht begonnen, als das Klinikum von Bomben getroffen wurde.

Seine Arbeitsstätte war zerstört, ebenso wurde der Druck immer stärker zur Armee gehen zu müssen. Es blieb dem jungen Paar letztlich nur noch die Flucht aus Idlib.

Rami: Helfer aus Mörse sind jetzt Freunde

"Wir hatten keine Wahl. Wir mussten fliehen", erinnert sich Rami. Über die Türkei und die Westbalkanroute flüchteten sie bis nach Deutschland. Letztlich ging es nach Wolfsburg, wo die beiden ein halbes Jahr lang in der Sporthalle in Mörse und dann acht Monate in der Aufnahmeeinrichtung in Detmerode wohnten.

"Wir waren froh und dankbar, in Sicherheit zu sein. Es waren die ehrenamtlichen Helfer in Mörse, die uns, wo es nur ging, unterstützten und heute zu guten Freunden geworden sind.“

Rami erzählt es in fast perfektem Deutsch, er überlegt manchmal kurz und verbessert sich selbst bei jedem noch so kleinen Fehler.

Jobcenter Wolfsburg: Das sind totale Perfektionisten

Iwona Lubanska, Mitarbeiterin der Anerkennungsberatung im Jobcenter Wolfsburg, muss lächeln: "So kenne ich Rami und seine Frau. Sie sind beide totale Perfektionisten, was die deutsche Sprache betrifft. Sie wollen immer noch mehr erreichen und besser werden."

Neben Integrationskursen hätten die beiden zahlreiche online Kurse absolviert, Apps zum Üben genutzt und an weiteren fachspezifischen Kursen teilgenommen. "Die beiden sind hochmotiviert, extrem ehrgeizig und herzensgut.“

Erfahrungen im Praktikum gesammelt

Für Rami war es selbstverständlich, dass er nach dem Erwerb ausreichender Deutschkenntnisse in seinem erlernten Beruf arbeiten wollte. Seine Frau B'dour ist Agrar-Ingenieurin, beide haben gemeinsam in der ersten Zeit nach ihrer Ankunft ein zweimonatiges Praktikum in der Altenpflege absolviert, um berufliche Erfahrungen in Deutschland zu sammeln.

Dass er bleiben und hier arbeiten darf, war lange nicht klar. Es dauerte mehrere Monate und kostete viel Arbeit, bis die nötigen Berufs-Nachweise aus Syrien in Deutschland ankamen. Hilfe bekam er von der Anerkennungsberatung und der Arbeitsvermittlung im Jobcenter Wolfsburg.

Alle Unterlagen zu besorgen war unmöglich: Das Krankenhaus, in dem Rami gearbeitet hatte, wurde zerbombt, ebenso wie das Schularchiv. In dieser Wartezeit hat er intensiv die Sprache gelernt und sich ehrenamtlich in einem Altenheim engagiert.

Prüfung an der VHS Braunschweig

Danach absolvierte er einen Vorbereitungskurs für die Prüfung an der Volkshochschule. Gleichzeitig nahm er eine Stelle als Helfer in der Altenpflege in Wolfsburg an.

"Mittlerweile war auch unsere Tochter Lara geboren. Gleichzeitig habe ich versucht, so schnell wie möglich, die deutschen Fachbegriffe zu erlernen, die ich für meinen Beruf brauche. Das war eine anstrengende, aber aufregende Zeit“, sagt der Syrer.

Mehrere Monate hat Rami also parallel gearbeitet, den VHS-Kurs in Braunschweig besucht, für seine Prüfungen gebüffelt und sich als frischgebackener Familienvater seinen neuen Aufgaben gestellt.

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Im vergangenen Oktober war es dann so weit, Rami bestand die theoretischen und praktischen Prüfungen in der Pflegeschule Braunschweig: "Als mir die Prüferin am Ende sagte, dass ich bestanden habe, kamen mir die Tränen. Ich war so glücklich, dass sich unsere Mühen gelohnt haben!"

Auch im Jobcenter ist man heilfroh, zumal Krankenpfleger ja dringend gebraucht würden.

"Rami kann mit seinem frisch erworbenen Zertifikat jetzt als Fachkraft in Deutschland durchstarten. Es freut mich so sehr, dass er ans Ziel gekommen ist. Die drei sind eine wunderbare Familie, die es wirklich mehr als verdient haben, jetzt in Wolfsburg voll und ganz angekommen zu sein", so Iwona Lubanska.

B'dour will auch durchstarten

B'dour ergänzt: "Sobald wir für Lara einen Kindergartenplatz gefunden haben, werde ich einen beruflichen Weg für mich finden. Frau Lubanska hat mir schon zugesagt, mich dabei zu unterstützen. Darauf freue ich mich.“