Wolfsburg 

Durch falschen Pass zum neuen Ich? Mann will Zöllner in Wolfsburg davon überzeugen

Bei der Kontrolle auf der Baustelle war den Beamten etwas seltsam vorgekommen. (Symbolbild)
Bei der Kontrolle auf der Baustelle war den Beamten etwas seltsam vorgekommen. (Symbolbild)
Foto: Hauptzollamt Braunschweig

Wolfsburg. Sechs Ausländer ohne Arbeitsgenehmigung hat der Zoll in Wolfsburg bei einem Bauprojekt angetroffen. Darunter ein Georgier, der unbedingt Bulgare sein wollte.

Laut einem Bericht der Beamten hatten acht Zöllner die Arbeiter am Dienstag auf einer Baustelle in Wolfsburg überprüft. Doch der Routineeinsatz der Finanzkontrolle Schwarzarbeit wurde zunehmend kompliziert, als sich der erste Arbeiter mit einem georgischen Pass auswies.

Wolfsburg: Zöllnerin hört genau hin

Ausländer aus nicht EU-Staaten müssen laut Zollangaben eine gesonderte Arbeitserlaubnis haben, um in Deutschland arbeiten zu dürfen. Diese besaß der Georgier jedoch nicht, genau so wenig wie zwei seiner Landsleute auf der Baustelle. Der vierte Georgier konnte zwar auch keine Arbeitserlaubnis vorweisen, behauptete aber, diese nicht zu brauchen, er sei schließlich als Bulgare EU-Bürger. Belegen wollte er dies mit einem bulgarischen Pass.

Überzeugen konnte er damit allerdings nicht, da eine russischsprachige Zöllnerin bemerkt hatte, dass der Mann mit seinen Kollegen nicht in Russisch als osteuropäischer lingua franca, sondern vermutlich in Georgisch gesprochen hatte. Nach intensiver Befragung gab er schließlich zu: "Ich habe den Ausweis für 200 Euro in Bulgarien gekauft. Wo weiß ich nicht mehr".

"Ich bin bulgarischer Staatsangehöriger"

Das änderte jedoch nichts an seiner Überzeugung: "Ich bin aber der Meinung, jetzt ein bulgarischer Staatsangehöriger zu sein". Dokumentenprüfer der Polizei in Wolfsburg bestätigten hingegen den nahe liegenden Verdacht: Der Ausweis war eine Fälschung.

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Interessant gestaltete sich auch die Kontrolle eines Serben, der im Blaumann auf der Baustelle unterwegs war. Er sei als Tourist in Deutschland und wolle sich mal anschauen, wie hier gebaut würde. Diese Auffassung vertrat er so renitent und lautstark, dass der Bauleiter ihn der Baustelle verweisen wollte - bevor die Schwarzarbeitskontrolle abgeschlossen war. Das halbe Dutzend komplettierte ein Aserbaidschaner ohne Arbeitserlaubnis.

Bis auf den vermeintlichen Touristen gaben die Arbeiter an, in Polen von einem Unbekannten angesprochen worden zu sein. Dieser habe ihnen die Adresse der Baustelle genannt und ihnen dort Arbeit in Aussicht gestellt.

Wer ist denn nun verantwortlich?

Wer tatsächlich für den Einsatz der Ausländer ohne Arbeitserlaubnis verantwortlich war, ist jetzt Gegenstand der Ermittlungen. "Jeder verweist auf seinen Subunternehmer und meint damit aus der Nummer raus zu sein", erklärt Einsatzleiter Jürgen Engler vom Hauptzollamt Braunschweig die Schwierigkeiten in dem vorliegenden Fall. Tatsächlich hatte der Auftraggeber des Bauvorhabens ein Bauunternehmen beauftragt, das ein weiteres Bauunternehmen als Subunternehmer engagierte, das wiederum ein Subunternehmen aus Polen mit der Ausführung der Arbeiten betraute.

Um diesen Subunternehmerketten nicht machtlos gegenüber zu stehen, hat der Gesetzgeber mit der Generalunternehmerhaftung im Baugewerbe ein Instrument geschaffen, wobei jeder Unternehmer auch für die Verfehlungen seines Subunternehmers in Haftung genommen wird. (mvg)