Wolfsburg 

VW: Trauer um Piëch – doch es gibt auch kritische Töne über den Ex-Volkswagen-Boss

Ferdinand Piëch ist tot. „Er war skrupellos“, sagen die Kritiker.
Ferdinand Piëch ist tot. „Er war skrupellos“, sagen die Kritiker.
Foto: dpa

Wolfsburg. Berühmt oder berüchtigt? Genial oder skrupellos? Eines ist sicher: Um VW dorthin zu bringen, wo sich der Weltkonzern nun befindet, ist der ehemalige Vorstandschef Ferdinand Piëch nicht immer die sanfte Tour gefahren. Wenn das überhaupt geht.

Mit dem Tod Ferdinand Piëchs geht für den Autobauer aus Wolfsburg und die deutsche Automobilindustrie nun eine Ära zu Ende. Piëch, von 1993 bis 2002 Vorstandschef von VW, führte den Konzern an die Spitze der Autoindustrie. Am Sonntag starb er im Alter von 82 Jahren.

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VW: Ferdinand Piëch eckte auch an

Piëch galt als genialer Techniker, Visionär, VW-Legende. Der Mann, der den Konzern einst aus der Krise holte. Doch durch den von Piëch eingeführten Managementstil konnte nach Ansicht von Kritikern über viele Jahre ein System der Angst entstehen. Der erfahrene Wirtschaftsjournalist Gabor Steingart nennt ihn in seinem Podcast „Steingarts Morning Briefing“ den „Absolutist unter Deutschlands Firmenchefs“: „Er war skrupellos.“

In einer Pressekonferenz aus dem Jahr 1993, die in Steingarts Podcast noch mal aufgegriffen wird, sagte Piëch: „Immer wenn es um Krieg geht, sind am Ende weniger vorhanden und es gibt immer Gewinner und Verlierer. Und ich habe die Absicht, mit unseren Partnern, die VW in der ganzen Welt hat, der Sieger zu sein.“ Der damalige Vorstandschef musste sich damals wegen Industriespionage verantworten.

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Machtkampf bei VW: Piëch verliert – und tritt zurück

Und schließlich endete Piëchs „Herrschaft“ bei Volkswagen genauso, wie sie begann: mit einem Paukenschlag. Nach dem verlorenen Machtkampf gegen den damaligen Vorstandschef Martin Winterkorn trat Piëch im April 2015 von allen Mandaten bei VW zurück.

Was blieb? Ein halbes Jahr später flog die Diesel-Affäre auf und der Konzern steckte in einer seiner größten Krisen, die es bisher gegeben hatte. Damit stand auch die von Piech über Jahrzehnte geprägte Unternehmenskultur in der Kritik.

Ferdinand Piëch

  • geboren am 17. April 1937 in Wien
  • begann seine Karriere 1963 bei Porsche, wurde 1971 technischer Geschäftsführer
  • wurde 1972 Hauptabteilungsleiter bei Audi
  • entwickelte den ersten Pkw mit Fünfzylinder-Ottomotor
  • übernahm am 1. Januar 1988 den Posten des Vorstandsvorsitzenden bei Audi
  • von 1993 bis 2002 Vorstandsvorsitzender bei Volkswagen
  • unter Piëch übernimmt VW unter anderem: Rolls-Royce Motor Cars, Bugatti, Lamborghini
  • am 25. April 2015 tritt Piëch von allen Ämtern zurück
  • er stirbt am 25. August 2019 in Rosenheim
  • Piëch hinterlässt 13 Kinder aus verschiedenen Beziehungen (fno/dpa)