Wolfsburg 

Wolfsburg: Porsche rast mit Tempo 124 durch die Stadt – jetzt spricht der Fahrer

Die Polizei Wolfsburg hatte den Fahrer am Samstagabend im Tunnel erwischt. (Symbolbild)
Die Polizei Wolfsburg hatte den Fahrer am Samstagabend im Tunnel erwischt. (Symbolbild)
Foto: dpa

Wolfsburg. Er ist mit 124 km/h durch Wolfsburg gefahren – und dabei von der Polizei erwischt worden. Ein Porsche-Fahrer war am Samstagabend auf der Heinrich-Nordhoff-Straße geblitzt worden.

Die Beamten aus Wolfsburg sprachen von einer „autobahnähnlichen“ Geschwindigkeit. Den Fahrer erwarten jetzt drei Monate Fahrverbot, zwei Punkte in Flensburg und 680 Euro Bußgeld.

Porsche-Fahrer aus Wolfsburg meldet sich

Im Nachhinein meldete sich der Fahrer bei news38.de, um seine Sicht der Dinge darzustellen. Er sei Oberarzt in einem Klinikum in der Region und habe am Samstagabend einen Anruf bekommen – es habe einen Notfall gegeben. Verdacht Herzinfarkt. Der Patient habe starke Schmerzen gehabt.

Verdacht Herzinfarkt - „Es zählte jede Minute“

„Da ich als Kardiologe arbeite und ich weiß, dass beim Herzen jede Minute zählt und der besagte Patient ohne Behandlung jede Minute einen Herzstillstand hätte bekommen könnte, musste ich etwas schneller fahren, um mich um den Patienten zu kümmern und ihn auch zu behandeln“, so das Argument des 40-Jährigen. Das habe er der Polizistin vor Ort auch so mitgeteilt.

Und weiter: „Mal ehrlich, wenn Sie an meiner Stelle wären, hätten Sie da anders gehandelt? Ich ich bin vor zehn Jahren Arzt geworden, um Patienten so weit es geht zu behandeln und vor dem Tod zu schützen.“ Er habe den betroffenen Patienten retten können – „wenn die Polizei da kein Verständnis hat, kann ich es nicht ändern.“

„Letztlich war es mir das wert“

Er selbst sei Familienvater. „Normalerweise rase ich nicht. In dem Augenblick war ich dumm und habe im Tunnel Gas gegeben, auch weil dort niemand sonst war.“

Er bereue diesen Moment sehr, habe aber so unter Spannung gestanden – leider bringe das sein Beruf so mit sich. „Aber letztlich war es mir das wert, denn nur so konnte ich das Leben eines Mannes, Familienvaters und Großvaters retten.“

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Ohne Führerschein könne er seinen Job so gut wie gar nicht mehr ausführen, allein wegen der etwa zehn Notfalldienste im Monat. Es sei schwer, spontan einen Fahrer zu organisieren.

Das sagt die Polizei Wolfsburg

Die Polizei Wolfsburg sieht das Ganze ganz anders, nämlich rational: „Fakt ist, er ist viel zu schnell gefahren“, sagte Sprecher Sven-Marco Claus auf Anfrage von news38.de. „Das stellt eine Verkehrsordnungswidrigkeit dar – der Fahrer hatte ja keine Sonderrechte.“

Jetzt liegt der Fall bei der Bußgeldstelle der Stadt Wolfsburg. Letztlich haben die Beamten dort das letzte Wort. (red)