Wolfsburg 

VW-Vorstand spricht von „unwürdigen“ Zuständen in Deutschland und sieht in Corona-Krise „sogar was Gutes“

Der VW-Vorstandschef Andreas Renschler
Der VW-Vorstandschef Andreas Renschler
Foto: STPP/Imago

Wolfsburg. n einem Interview mit der „FAZ“ hat sich Vorstandschef Andreas Renschler, zuständig für Trucks und Nutzfahrzeuge bei VW, zu Wort gemeldet. Und er hat einen ganz eigenen Blick auf die Corona-Krise.

Renschler arbeitet selbst derzeit aus dem Homeoffice, plant aber bereits ungeduldig den Tag, an dem bei VW die Produktion wieder auf vollen Touren läuft. „Wir müssen uns heute schon auf die Zeit nach der Krise vorbereiten, wenn alles wieder hochfährt. Da sind ein kühler Kopf und gute Analyse wichtig“, so der Vorstandschef.

VW-Vorstände arbeiten aus dem Homeoffice

Und obwohl die Lage düster ist und derzeit so gut wie keine Fahrzeuge verkauft würden, lehnt Renschler Staatshilfe vorerst ab. Und auch kleineren Zulieferbetrieben sichert er Unterstützung zu, sollte der wirtschaftliche Druck durch die Krise zu groß werden.

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Zudem weiß der VW-Mann, wie wichtig seine Fahrzeuge sind - und weiter sein werden: „90 Prozent der Lebensmittel kommen per Lkw, von Pharmatransporten ganz zu schweigen. Dazu müssen die Fahrzeuge für Krankenhäuser, Feuerwehr, Polizei ständig einsatzbereit sein – alles kritische, zum Teil lebenswichtige Bereiche.“

Den Job der Autobauer hält er für sehr wichtig

Wenn sich die Lage etwas entspannt hat, kann sich Renschler ein Vorgehen wie in China vorstellen, wo VW ebenfalls Werke betreibt. „Wir als VW haben in China viel dazugelernt, dort arbeiten unsere Leute seit ein paar Wochen wieder. Wir messen dort bei jedem die Temperatur, bevor er die Fabrik betritt“, berichtet er

„Alle tragen Schutzkleidung, halten Abstand. So sorgen wir für größtmöglichen Schutz der Mitarbeiter. Sie können ohne Angst vor Ansteckung arbeiten.“

Kann VW von China lernen?

Für immer von zu Hause aus arbeiten - das kann Renschler sich nicht vorstellen. Das sei in vielen Branchen auch einfach nicht machbar. Dennoch hofft er, dass Deutschland aus der Krise etwas lernt: „Vielleicht hat Corona sogar was Gutes, wenn das Virus uns aufrüttelt, dass Deutschland nicht digitale Wüste bleiben kann“, sagt er der „FAZ“.

Der VW-Vorstandschef kritisiert: „Wenn man in Telefon- und Videokonferenzen mehrfach rausfällt, dann sind das, wie ich finde, unwürdige Zustände.“