Wolfsburg 

Apotheke in Wolfsburg: Rassismus-Vorwürfe! Apothekerin leidet: „Hetzjagd“

Eine Apotheke in der Braunschweiger Weststadt hat unliebsamen "Besuch" bekommen (Symbolbild).
Eine Apotheke in der Braunschweiger Weststadt hat unliebsamen "Besuch" bekommen (Symbolbild).
Foto: dpa

Wolfsburg. Eine Apotheke in Wolfsburg bekommt derzeit die volle Breitseite ab.

Der Apotheke aus Wolfsburg wird Rassismus vorgeworfen – die Apothekerin distanziert sich allerdings davon.

Wolfsburg: Rassismus-Vorwürfe gegen „Mohren-Apotheke“

Es geht um die „Mohren-Apotheke“ in der Rothenfelder Straße. Von der Flüchtlingshilfe Wolfsburg hieß es, der Name sei rassistisch und in der heutigen Zeit nicht mehr zumutbar, wie die „Wolfsburger Allgemeine Zeitung“ (WAZ) berichtet.

Struktureller Rassismus müsse aus der Alltagssprache verbannt werden. Viele Menschen könnten sich durch den Namen „Mohren-Apotheke“ gekränkt oder verletzt fühlen, argumentiert die Flüchtlingshilfe Wolfsburg.

Apothekerin: „Anschuldigungen sind unberechtigt“

Die Apothekerin sieht das ganz anders. Sie spricht von einer „Hetzjagd“ und würde den Namen gern beibehalten: Er sei nicht rassistisch, sagte sie der „WAZ“. Der Name „Mohren-Apotheke“ würdige die Pharmazie vielmehr.

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Er gehe auf die Mauren zurück – und die hätten im Mittelalter die Pharmazie nach Europa gebracht. Es gehe also um Wertschätzung. „Wir leiden sehr unter diesen schwerwiegenden Anschuldigungen, denn sie sind unberechtigt“, so die Apothekerin aus Wolfsburg.

Sie sei aber durchaus bereit, darüber zu diskutieren, warum der Name aus ihrer Sicht nicht geändert werden soll, sagte sie den „Wolfsburger Nachrichten“. „Wir können doch nicht jedes Wort einfach negativ belegen und im konkreten Fall meiner Mohren-Apotheke den positiven Bezug negieren oder ignorieren.“

Historiker: „Man sollte in einen Dialog treten“

Übrigens gibt es in Kassel aktuell eine ganz ähnliche Debatte. Auch hier geht's um eine „Mohren Apotheke“.

Ein Historiker der dortigen Universität kennt die Einwände und versteht beide Seiten. „In der Hochzeit des Rassismus waren die Wörter so stark belastet, dass sie bis heute abwertend sind. Letztlich ist alles, was Menschen auf ihre Hautfarbe reduziert, rassistisch.“

Daher plädiere er für Aufklärungsarbeit: „Man sollte in einen Dialog treten“, sagte er der „HNA“.

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Die Rassismus-Debatte rund um Begriffe wie „Mohrenköpfe“ oder „Mohrenstraße“ flammt immer mal wieder auf. Zuletzt hatten die Berliner Verkehrsbetriebe entschieden, den U-Bahnhof „Mohrenstraße“ umzubenennen.

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Berliner Aktivisten fordern außerdem, dass auch die „Mohrenstraße“ umgetauft wird. Ihr Vorschlag: Anton Wilhelm Amo soll neuer Namensgeber werden.

Der Ghanaer war im 18. Jahrhundert als Kind nach Braunschweig und Wolfenbüttel verschleppt worden – und wurde der erste Akademiker Preußens afrikanischer Herkunft. (ck)