Braunschweig 

Braunschweiger Wissenschaftler am Corona-Pranger – klare Kante aus der Löwenstadt: „Nicht hinnehmbare Hetze“

Ein Braunschweiger Wissenschaftler steht in einer Berichterstattung derzeit am Corona-Pranger. Politik und Wissenschaft springen ihm zur Seite. (Symbolbild)
Ein Braunschweiger Wissenschaftler steht in einer Berichterstattung derzeit am Corona-Pranger. Politik und Wissenschaft springen ihm zur Seite. (Symbolbild)
Foto: IMAGO / photothek

Braunschweig/Berlin. Drei Wissenschaftler stehen in einem Bericht der „Bild“ am Corona-Pranger. Das sorgt derzeit für hohe Wellen. Das Boulevardblatt hatte drei Wissenschaftler an den Corona-Pranger gestellt – darunter auch den Braunschweiger Epidemiologen Michael Meyer-Hermann.

Neben dem Braunschweiger bekommen in dem „Bild“-Artikel auch die Göttinger Physikerin Viola Priesemann und ihr Berliner Kollege Dirk Brockmann ihr Fett weg. Unter anderen SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach und Virologe Christian Drosten kritisieren den Bericht aufs Schärfste.

Jetzt haben sich auch die Technische Universität Braunschweig und das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung zu Wort gemeldet.

„Bild“ basht Braunschweiger Wissenschaftler

Die „Bild“ gibt den Wissenschaftlern die Verantwortung für die Corona-Lockdowns beziehungsweise für die strengen Corona-Maßnahmen. „Experten-Trio schenkt uns Frust zum Fest“, titelt das Blatt. Darunter steht unter anderem „Familienfest nach Corona-Regeln“ und „Kino-Verbot für Ungeimpfte“. In dem Artikel schreibt die „Bild“ mit Blick auf die mancherorts verschärften Corona-Maßnahmen zum Beispiel, dass die Experten „die Knallhart-Maßnahmen ausgetüftelt“ hätten.

Lauterbach verteidigt Forscher – und prangert „Bild“ an

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach will das alles so nicht stehenlassen. Bei Twitter schreibt er: „Alle Entscheidungen zum Beispiel gegen Ungeimpfte wurden AUSSCHLIESSLICH von der Politik getroffen. Es genügt, dass wir 24/7 mit Personenschutz unterwegs sind. Die WissenschaftlerInnen dürfen nicht den gewaltbereiten Querdenkern als Zielscheiben angeboten werden.“

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Auch die Politökonomin und Transformationsforscherin Maja Goepel verurteilt den Artikel aufs Schärfste: „Das ist nicht nur gelogen, sondern Verleumdung & eine Gefahr für die Freiheit von Wissenschaftlerinnen, nach bestem Wissen zu beraten“, twittert sie.

Das wiederum kommentierte auch Virologe Christian Drosten: „Ich halte es ebenfalls für geboten, dass die Politik sich zu dieser Darstellung richtigstellend positioniert, um die betroffenen Wissenschaftler zu schützen“, schreibt er.

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Der Braunschweiger Wissenschaftler Michael Meyer-Hermann und seine Kollegen bekommen auch im Netz viel Unterstützung. Viele Nutzer schreiben, dass Politiker und Wissenschaftler schon jetzt von radikalen Impfgegnern und Rechtsextremen bedroht würden – und Artikel wie der in der „Bild“ das Ganze noch befeuerten.

TU Braunschweig und Helmholtz-Zentrum fassungslos

Auch die Technische Universität Braunschweig und das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung verurteilen den Artikel als „nicht hinnehmbare Hetze“. Die Berichterstattung sei diffamierend und inhaltlich falsch, heißt es in einer Stellungnahme. Ein solcher Artikel würde ein „Klima von Einschüchterung und Angst“ schüren und zur „Radikalisierung von Impfgegnern“ beitragen.

„Wir stehen voll und ganz hinter den Forschungsarbeiten unseres Mitglieds Michael Meyer-Hermann und seiner Kolleg*innen“, so die Präsidentin der TU Braunschweig, Professorin Angela Ittel. Die Physiker*innen hatten die Entwicklung der vierten Welle der Corona-Pandemie modelliert und frühzeitig mögliche Gegenmaßnahmen aufgezeigt. Die Berichterstattung der Bildzeitung sei populistische Meinungsbildung und somit Wasser auf die Mühlen der Impfgegner und Verschwörungsgläubigen, so die Präsidentin der TU Braunschweig, Professorin Angela Ittel. (ck)