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Harz: „Schlicht tödlich“! Experten-Worte werfen komplett neues Licht auf die Brocken-Katastrophe

Das ist der Harz

Das ist der Harz

Der verheerende Brand am Brocken im Harz ist eine große Naturkatastrophe – so bezeichnet es zumindest schon jetzt die Nationalparkverwaltung.

Das Problem im Harz: „Unser Ökosystem ist nicht darauf ausgerichtet, sich regelmäßig durch Feuer zu erneuern, wie dies etwa in einigen Teilen Australiens der Fall ist“, sagte der Nationalparkverwaltung-Sprecher Martin Baumgartner dem Evangelischen Pressedienst. Für die Tiere und Pflanzen sei das Feuer schlicht tödlich.

Brocken-Brand: Was bringen Schneisen?

Am Samstag war an einem schwer zugänglichen Berghang des Brocken ein Großfeuer ausgebrochen. Nach offiziellen Angaben brennt es dort inzwischen auf bis zu 150 Hektar Fläche. Das sind umgerechnet mehr als 200 Fußballfelder!

Vor allem abgestorbene Fichten gingen und gehen in Flammen auf. Dort dürfe der Mensch nicht eingreifen, weil umgestürzte Bäume und Totholz neuen Lebensraum und Unterschlupf für Tiere und Pflanzen böten. „Das ist ein wertvolles Ökosystem“, sagte Baumgartner.

Brand am Brocken
brocken harz brand Foto: picture alliance/dpa | Matthias Bein

Die Idee einiger Feuerwehrleute, breite Feuerschneisen in den geschützten Wald zu schlagen oder Totholz aus dem Wald zu holen, sei abwegig, betonte er. Zum einen wäre der Aufwand gigantisch, zum anderen würden die dafür notwendigen Maschinen mehr zerstören als Nutzen bringen. Außerdem gebe es bereits ein ausgedehntes Wegenetz, das von Mitarbeitenden des Nationalparks freigehalten werde. Zur Sicherheit sei zudem ein 500 Meter breiter Streifen zur Grenze an die Ortschaft Schierke von Totholz geräumt worden.

Brocken-Brand: Was entfachte das Feuer?

„Waldbrände werden in der Regel durch menschliches Handeln ausgelöst“, so Baumgartner. „Der Wald entzündet sich definitiv nie von allein.“ Oft seien es Unfälle oder Fahrlässigkeit, die zum Feuer führten. „Das kann ein abgestelltes Auto sein, dessen heißer Katalysator hohes trockenes Gras entzündet, defekte landwirtschaftliche Maschinen, eine weggeschnippte Zigarette oder ein von wenig intelligenten Menschen entfachtes Lagerfeuer“ – Letzteres haben übrigens einige junge Männer in der Nacht auf Samstag in Braunlage gemacht, wie die Polizei Goslar am Montag berichtete.

Waldbrände begännen immer erst am Boden im trockenen Gras, so Baumgartner. Sträucher und Bäume fingen erst später Feuer.

Brand am Brocken
Tobias Kascha (SPD, 2.v.l.), Oberbürgermeister von Wernigerode, und Sven Schulze (CDU, r), Sachsen-Anhalts Minister für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten, steht am Wurmberg in Niedersachsen und erkundigen sich über die aktuelle Lage am Brocken. Foto: picture alliance/dpa | Matthias Bein

Wenn das Feuer erlischt, werde die verbrannte Region sich selbst überlassen. „In der sogenannten naturdynamischen Zone – also der Kernzone des geschützten Nationalparks – ist jeder menschliche Eingriff streng untersagt“, unterstrich Baumgartner. Wie das Leben sich dort wieder zurückkämpft, könne für die Wissenschaft interessant sein. Wann dort wieder Bäume wachsen, bleibe abzuwarten.


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Auch das noch: Moorbrand am Brocken

Unterdessen brennt seit Sonntagabend aber auch ein Moorgebiet am Brocken. Deswegen habe sich habe sich am Montagmorgen ein spezialisiertes Waldbrandteam von einem Hubschrauber dorthin abgeseilt.

Der Moorbrand verunsichert die Feuerwehr und den Landkreis Harz, wie sie beide dem MDR in Sachsen-Anhalt sagten. Den: Moorbrände seien schwer zu löschen. Das beste Beispiel dafür war der Moorbrand auf einem Bundeswehr-Gelände bei Meppen vor vier Jahren. Hier hatte es fast einen ganzen Monat gedauert, bis das Feuer gelöscht war. (epd/ck)