Niedersachsen 

Hannover: Arzt will impfen – als er das Impfzentrum kontaktiert, versteht er die Welt nicht mehr: „Bürokratieversagen“

Ein Arzt aus der Region Hannover bietet sich als Impfarzt an.Was er dann erlebt, verarbeitet er in einem Thread bei Twitter... (Symbolbild)
Ein Arzt aus der Region Hannover bietet sich als Impfarzt an.Was er dann erlebt, verarbeitet er in einem Thread bei Twitter... (Symbolbild)
Foto: IMAGO / Action Pictures

Hannover. Ein Arzt hat sich bei der Region Hannover als Impfarzt gemeldet.

Kinderpsychologe Oliver Dierssen aus Gehrden bei Hannover wollte in der Corona-Pandemie aktiv mithelfen – aber offenbar blieb ihm das bislang verwehrt.

Impfarzt in Hannover – Mission impossible?

Bei Twitter schreibt er seine Geschichte auf – sein „Thread über Bürokratieversagen“ geht viral, es gibt inzwischen Tausende Reaktionen auf seine Impf- beziehungsweise Nicht-Impf-Tweets.

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Er habe herausfinden wollen, warum in der Region so wenig geimpft werde. Zu wenig Corona-Impfstoff? „Nein, der lagert laut Medienberichten massig in den Kühlschränken.“ Also doch Ärztemangel? „Das check' ich für euch“, habe er sich gedacht, so Dierssen. Und sich dann freiwillig als Impfarzt gemeldet.

Um in Hannover als Impfarzt zu arbeiten, müsse man sich bei der Kassenärztlichen Vereinigung melden. Die übermittle die Daten an das Impfzentrum. Dort gebe es eine Warteliste. Und dort stehe auch er jetzt drauf, so der Kinderpsychologe.

Impfzentrum Hannover: Lange Warteliste für Impfärzte

Vom Impfzentrum habe er gehört, dass aber noch über Tausend andere freiwillige Helfer auf dieser Liste stehen. Die wolle man alle gern berücksichtigen. „Auf dieser Liste endet für viele motivierte Ärzte, die gern impfen möchten, ihre Karriere als Impfärzte“, twittert Dierssen.

Unter anderen stehe auch ein befreundeter Arzt schon seit Monaten als freiwilliger Impfarzt für die Region Hannover bereit. Bisher habe sich aber niemand bei ihm gemeldet.

Impfzentrum Hannover mit „Ladenöffnungszeiten“

Was Dierssen auch kritisiert sind die Öffnungszeiten des Impfzentrums. Das seien quasi Ladenöffnungszeiten. Sonntags impfe dort niemand, nachts schon gar nicht.

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„Warum das Impfzentrum nicht auch sonntags aufmacht oder nachts, wollte ich wissen. 'Wir sind Ärzte', sagte ich. 'Wir arbeiten nachts auch.' 'Das wissen wir', sagte der Impfzentrumsmann, abgeordnet von einem städtischen Schwimmbad.“

Inzwischen wisse er, “dass es leichter und wahrscheinlicher ist, einfach über die Priorisierung an einen eigenen Impftermin zu kommen und die Bürokratie mahlen zu lassen, als selbst als Impfarzt tätig zu werden und den lagernden Stoff wegzuimpfen.“

Region Hannover widerspricht

Die Region Hannover widerspricht einigen Behauptungen: „Im gemeinsamen Impfzentrum von Stadt und Region Hannover wird an sieben Tagen die Woche geimpft“, teilte die Region Hannover auf news38.de-Anfrage mit. Im Schnitt würden hier derzeit rund 2.500 Impfungen verabreicht.

Das Impfzentrum arbeite derzeit täglich in der Regel von 8 bis 18 Uhr. Und das habe auch seinen Grund: „Aktuell ist noch nicht so viel Impfstoff vorhanden, als das rund um die Uhr geimpft werden könnte. Mit mehr Impfstoff werden auch die Kapazitäten im Impfzentrum ausgebaut.“

Dass sich seit Dezember gut 1.000 Ärzte als Impfärzte angeboten hätten, stimme. „Das sind deutlich mehr als benötigt werden. Die Darstellung, es gebe zu wenig medizinisches Personal, um den vorhandenen Impfstoff zu verimpfen, ist falsch.“ (ck)