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VW-Mitarbeiter bekommen mehr Geld und Freizeit – Osterloh: „Das ist ein starker Abschluss“

Auch VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh ist mit dem neuen Tarifvertrag bei Volkswagen zufrieden.
Auch VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh ist mit dem neuen Tarifvertrag bei Volkswagen zufrieden.
Foto: picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte

Wolfsburg/Hannover. Deal fix! Jetzt wissen die VW-Beschäftigten, auf wie viel mehr Geld und freie Tage sie sich freuen können.

Nach 13 Stunden Verhandlungsmarathon haben sich VW und die IG Metall in ihrer fünften Sitzung auf einen neuen VW-Haustarifvertrag geeinigt.

VW-Mitarbeiter bekommen mehr Geld und Freizeit

Am Dienstagvormittag nannte die Gewerkschaft dann auch konkrete Zahlen:

  • Entgelt-Erhöhung um 2,3 Prozent ab 1. Januar 2022
  • 1.000 Euro Corona-Prämie im Juni / Auszubildende erhalten 600 Euro
  • Leistungsorientierte Vergütung wird mit 150 Euro auf Höchstniveau zum festen Bestandteil des Entgelts
  • Tarifliche Zusatzvergütung: 3 Tage Wahlfreiheit für alle Beschäftigten
  • Ausbildungsgarantie von 1.400 Plätzen bis 2025 fortgeschrieben

Der neue VW-Haustarifvertrag sieht also eine spürbare Gehaltserhöhung für die Beschäftigten vor. Im Juni 2021 erhalten die Beschäftigten eine Corona-Prämie in Höhe von 1.000 Euro, Azubis bekommen 600 Euro. Ab dem 1. Januar 2022 gibt es dann 2,3 Prozent mehr Gehalt.

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Die Zusage Volkswagens, jedes Jahr 1.400 jungen Menschen den Berufseinstieg (Ausbildung und Duales Studium) zu ermöglichen, hat Bestand und wird bis Ende 2025 fortgeschrieben.

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Außerdem dürfen alle Beschäftigten einen Teil der Zusatzvergütung in drei freie Tage wandeln. Die tarifliche Zusatzvergütung hatte bisher nur eine Wahloption für besonders belastete Beschäftigtengruppen: Wer kleine Kinder hat, Angehörige pflegt oder regelmäßig Schicht arbeitet, konnte die 27,5 Prozent Extrazahlung, die jeden September fließen, in sechs zusätzliche freie Tage wandeln. Beschäftigte, die nicht in die drei Kategorien fielen, bekamen jedoch nur das Geld.

Jetzt ist erstmals eine generelle Öffnung gelungen: Alle VW-Beschäftigten, die wollen, können auf die Hälfte ihrer Zusatzvergütung verzichten und das Geld stattdessen in drei freie Tage eintauschen. Die besonders belasteten Gruppen (Eltern, Pflege, Schicht) behalten die Möglichkeit, wie bisher die vollen sechs Tage für sich in Anspruch zu nehmen.

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Die bisherige „Leistungsorientierte Vergütung“ (LOV), die bei den Tarifbeschäftigten pro Monat je nach Zielerreichung und Bewertung durch die Führungskraft zwischen 100 und 150 Euro schwankte, wird auf Höchstniveau fester Teil des Entgelts. Hierzu wird einheitlich der Betrag von 150 Euro brutto festgelegt, der als neue tarifliche Zulage fester, tarifdynamischer Bestandteil auf der Gehaltsabrechnung wird.

IG Metall mit VW-Ergebnis zufrieden

Die IG Metall zeigt sich zufrieden: „Trotz Krise steht der VW-Konzern gut da. Die Belegschaft hat ihren fairen Anteil am Erfolg des Unternehmens verdient, denn schließlich ist sie es, die dafür Sorge getragen hat, dass Volkswagen widrigen Pandemiebedingungen zum Trotz mit positiven Ergebnissen durch die Krise navigiert ist und die Herausforderungen der Transformation entschlossen anpackt.“, erklärte Thorsten Gröger, Verhandlungsführer und Bezirksleiter der IG Metall.

Gröger erläutert: „Das Ergebnis, das wir heute Nacht ausgehandelt haben, führt dazu, dass die VW-Belegschaft ein spürbares Plus im Portemonnaie vorfinden wird. Sie sind es, die trotz der Corona-Pandemie und unter widrigen Arbeitsbedingungen – ob mit Maske, auf Abstand, in Kurzarbeit oder im Spagat zwischen Homeoffice und Homeschooling – dafür Sorge getragen haben, dass der Autobauer trotz Krise positive Resultate eingefahren hat. Die Kolleginnen und Kollegen verdienen es, am guten Ergebnis beteiligt zu werden!“

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Seinen ausdrücklichen Dank richtet Gröger an die Beschäftigten, die durch Warnstreiks und Protestaktionen, den Druck auf die Arbeitgeberseite in der Tarifrunde deutlich erhöht und die Verhandlungsposition der IG Metall untermauert haben. „Mehr als 140.000 Warnstreikende an den verschiedenen Volkswagen-Standorten sowie bei den VW-Töchtern haben eindrucksvoll gezeigt, dass wir auch unter Pandemiebedingungen – mit Maske und Abstand – voll handlungsfähig sind. Ohne dieses Engagement wäre dieser Abschluss nicht zustande gekommen!“

VW-Betriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh betont: „Das ist ein starker Abschluss, den sich unsere Belegschaft gerade auch in Corona-Zeiten verdient hat. Es gibt spürbar mehr Geld, was nach rund drei Jahren Wartezeit eindeutig anstand. Die Wahloption auf mehr freie Tage für alle Beschäftigten ist ein echter Durchbruch. Das wollen wir in den kommenden Jahren fortsetzen. Denn mehr individuelle Flexibilität bei der Wahl zwischen Geld oder Freizeit ist ein großer Wunsch in der Belegschaft. Unsere bis 2025 fortgeschriebene Garantie für die Ausbildung setzt das richtige Zeichen: Unser Nachwuchs hat Zukunft bei VW.“

Das sagt VW zum Tarifabschluss

„Wir haben einen Tarifabschluss mit Augenmaß und Vernunft erzielt, der dem besonders herausfordernden Umfeld seit dem Beginn der Pandemie gerecht wird“, sagte VW-Verhandlungsführer Arne Meiswinkel.

Der Haustarifvertrag hat eine Laufzeit bis zum 30.11.2022. Er gilt für die VW-Werke in Wolfsburg, Braunschweig, Hannover, Salzgitter, Emden und Kassel sowie für die Financial Services AG, Volkswagen Immobilien GmbH, Volkswagen Vertriebsbetreuungsgesellschaft mbH. Außerdem sieht die Gewerkschaft das Ergebnis auch als Referenz für die Tarifrunden bei weiteren Tochtergesellschaften, wie Sitech, Volkswagen Group Services, Autostadt, Wolfsburg AG und AutoVision, zu übertragen.

Druck auf VW war groß

Der Druck, einen Abschluss zu erreichen, war zuletzt gewachsen, nachdem es für die Metall- und Elektroindustrie im VW-Stammland Niedersachsen am Freitag bereits eine Tarifeinigung gegeben hatte. Sowohl in der Fläche als auch an mehreren VW-Standorten hatte es während der Tarifverhandlungen Warnstreiks gegeben. (ck)