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Braunschweig: Expertin mit klarer Meinung – darum gibt es in der Stadt so viele Teilnehmer bei Corona-Demos

Verschwörungstheorien - warum sie in Krisen so viele Menschen anziehen

5G-Netze, Bill Gates, ein Laborunfall in Wuhan: Um den Ursprung von Covid-19 ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien. Für Experten ist das keine Überraschung. In Krisen geben sie einigen Menschen demnach zumindest ein Gefühl von Kontrolle zurück.

Braunschweig. 

Jeden Montag aufs Neue gehen zahlreiche Menschen in ganz Deutschland für „Spaziergänge“ auf die Straße, um gegen die geltenden Corona-Maßnahmen zu demonstrieren. Auch in Braunschweig.

Auffallend: Die „Spaziergänge“ in Braunschweig ziehen meist mehr Menschen an als in anderen Städten Niedersachsens. Doch woran liegt das? Darüber haben sich jetzt Experten Gedanken gemacht.

Braunschweig: Radikalisierung bei Corona-Demos?

In einem Punkt sind sich viele Experten einig: Unter den „Spaziergängern“ befinden sich mittlerweile nicht mehr nur friedliche Demonstranten, sondern auch jene, die sich radikalisieren. Aus der Ecke der Corona-Leugner und Impf-Gegner würden die Aufrufe zu Gewalt gegen Politiker und radikale Theorien immer lauter. Auch in Braunschweig kam es zuletzt auch immer wieder zu Gewalt bei den Demos (mehr liest du hier).

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Das ist die Stadt Braunschweig:

  • liegt im Südosten von Niedersachsen
  • ist die zweitgrößte Stadt in dem Bundesland nach Hannover
  • hat 19 Stadtbezirke und 249.406 Einwohner (Stand: Dezember 2019)
  • Oberbürgermeister ist Thorsten Kornblum (SPD)

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Vor allem in Thüringen und Sachsen ziehen jeden Montag zahlreiche Demonstranten durch die Straßen. Aber auch in Braunschweig in Niedersachsen war die letzten Male einiges los. Doch wie kommt es, dass in der Löwenstadt so viele „Spaziergänger“ unterwegs sind im Vergleich zu anderen Städten im Bundesland?

Expertin mit klarer Meinung zu Braunschweiger Corona-Demos

Eine einzige Ursache gebe es dafür nicht, meint Katharina Trittel vom Göttinger Institut für Demokratieforschung. So mobilisiere etwa die Kleinstpartei Die Rechte immer wieder zu den Protesten, genau wie 2015/16 bei Bragida („Braunschweig gegen die Islamisierung des Abendlandes“), wo das Format der „Spaziergänge“ bereits erprobt worden sei.

Um einschlägig bekannte Akteure bildeten sich der Wissenschaftlerin zufolge in den vergangenen Jahren lose Zusammenschlüsse, die sich aus dem Kampfsport-, Kameradschafts- und Burschenschaftsmilieu speisen und Verbindungen zur Jungen Alternative und Identitären Bewegung pflegten.

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Expertin spricht von „etabliertem Netz“ in Braunschweig

Das sei ein Grund, weswegen Braunschweig im Vergleich mit anderen niedersächsischen Regionen als Schwerpunktregion gelte. „Es kann dort also auf ein etabliertes Netz zurückgegriffen werden, das bereits bei Bragida rasch mobilisieren und den Protest beeinflussen konnte“, erläutert Trittel. Sie betont, dass das natürlich nicht bedeute, dass alle heutigen Protestierenden rechtsradikal seien. Doch die Corona-Pandemie diene den organisierten Rechtsradikalen als Vehikel für ihren politischen Aktivismus. (dpa)

Ein Helmstedter Chefarzt hat sich jüngst bei einer Corona-Demo in Sachsen-Anhalt zum Thema Impfen geäußert. Das Helmstedter Klinikum zeigte sich wenig begeistert. Die ganze Geschichte liest du hier.

Du willst mehr zur aktuellen Corona-Lage in Niedersachsen erfahren? Dann hier entlang.