Braunschweig 

Braunschweig: Dreiste Diebe brechen in Werkstatt ein – mit der Reaktion des Inhabers hat wohl niemand gerechnet

So entsteht ein Phantombild

So entsteht ein Phantombild

Ingo von Westphal ist Phantombildzeichner. Uns hat er erklärt, wie ein Phantombild entsteht.

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Braunschweig. Dreiste Diebe haben sich vor wenigen Wochen alle Mühe gegeben, in eine Autowerkstatt in Braunschweig einzubrechen.

Was sie nicht wussten: Ihre Tat wurde auf der Überwachungskamera mitgezeichnet – doch das Video bekam nicht nur die Polizei Braunschweig zu sehen.

Braunschweig: Diebe brechen in Werkstatt ein – dann passiert DAS

„Sind das die dümmsten Einbrecher Deutschlands?“ – diese Frage stellt sich nicht nur der Werkstatt-Inhaber Sascha Selzer, als er sich das Überwachungsvideo nach dem Einbruch auf seinem Gelände in der Gartenstadt in Braunschweig ansieht. Am 17. Juli haben sich drei junge Männer jede Mühe gegeben, in sein Bürogebäude einzubrechen.

Doch scheinbar hatten sie ganz schöne Probleme dabei – und genau das bringt Selzer auf eine geniale Idee: Er denkt sich „Spitznamen“ für die Täter aus, kommentiert die Szenen ganz trocken und lädt das fertige Video in seinen sozialen Medien hoch. „Ich habe das Video noch in der gleichen Nacht geschnitten und gegen 2 Uhr nachts hochgeladen“, erzählt Selzer im Gespräch mit News38. „Am Montagmorgen, gegen 7 Uhr, hatte ich auf TikTok schon über 2,5 Millionen Aufrufe!“

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Achtung, Betrugsmasche: Das musst du wissen!

  • Die echte Polizei fordert dich niemals auf, Geld zu überweisen oder abzuheben.
  • Sei misstrauisch. Gesundes Misstrauen ist keine Unhöflichkeit. Du hast immer Zeit für eine Rücksprache mit Angehörigen und Vertrauenspersonen!
  • Lassen dich nicht unter Druck setzen!
  • Gibt sich der Anrufer als Polizeibeamter aus und fragt nach deinen finanziellen Verhältnissen? Auflegen!
  • Lass bloß keine fremden Personen in deine Wohnung. Frage gegebenenfalls nach dem Ausweis. Halte im Zweifel telefonisch Rücksprache mit der entsendenden Behörde.
  • Polizisten in ziviler Kleidung weisen sich mit einem Dienstausweis aus und haben Verständnis dafür, dass man bei der Polizeizentrale nachfragt. Suche selber die Telefonnummer der Polizei heraus.
  • Die Polizei ruft niemals unter 110 an. Lege selbst auf und wähle für Nachfragen selbst die 110.

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Und es wurden von Tag zu Tag mehr. „Ich hab aber nicht gleich die ganzen Szenen ausgepackt, sondern in drei Videos geteilt. Bald soll auch ein viertes noch kommen, wo ich noch mehr auf die Tathintergründe eingehe“, sagt der Werkstatt-Besitzer.

Braunschweig: Aus „Scheiß-Schicksal“ wird TikTok-Erfolg

So abgeklärt wie Selzer auf dem Video wirkt, war er in echt aber gar nicht – ihm ist der Einbruch am Sonntagnachmittag gegen 16 Uhr aufgefallen. Sieben Stunden lang war er mit der Anzeigestellung bei der Polizei und der Tatortbesichtigung beschäftigt. Als er zu Hause war, guckte er sich die Überwachungsbilder an. „Es ist einfach meine Art, aus Scheiß-Schicksalsereignissen das Beste zu machen. Was anderes bringt ja nichts.“ Und das Beste für ihn war das Video – mittlerweile haben die verschiedenen Teile zusammen mehr als 80 Millionen Aufrufe.

Selzer erzählt News38, dass ihm in der Region insgesamt fünf Autowerkstätten gehören. Daher war es nicht der erste Einbruch, mit dem er sich beschäftigen musste – aber auf jeden Fall der Spektakulärste. Auch immer noch. Denn durch das Teilen des Überwachungsvideos ist Selzer tatsächlich den Tätern selbst auf die Spur gekommen. Danach wurde Selzer sogar von dem „Chef“, wie er ihn so liebevoll in seinen Clips getauft hat, höchstpersönlich angerufen und hatte eine Entschuldigung bekommen. Doch damit ist die Sache natürlich nicht erledigt.

Polizei Braunschweig kann wenig Lachen

Die Polizei ist an dem Fall noch dran, kann aber aus ermittlungstaktischen Gründen keinen aktuellen Stand nennen. „Generell führt die Polizei die Ermittlungen bei Straftaten und entscheidet selbstständig über öffentliche Fahndungen“, so Polizei-Sprecher Nico Dilling auf News38-Nachfrage. Deshalb scheinen die Beamten wenig begeistert darüber zu sein, dass Selzer die Sache in eigene Hände genommen hatte. „Die hier durch den Geschädigten getätigte ‚Fahndung‘ auf seine eigenen Kanälen in den sozialen Netzwerken wird durch die Polizei ausdrücklich nicht befürwortet“, erklärt Dilling weiter.

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Der Sprecher rät dazu, solche Beweismittel immer an die Beamten zu Übergeben. Außerdem sollten Internetvideos, auf denen eine Straftat gezeigt wird, auch gemeldet werden. Laut Polizei habe Selzers viraler Zeugenaufruf nicht geholfen, dass die Täter identifiziert wurden.

Das sieht der Werkstatt-Besitzer aber anders und bastelt weiter an dem vierten Teil seiner Video-Reihe. Denn er verspricht: „Das wird nochmal so richtig lustig – aber auch sehr interessant.“ (mbe)