Niedersachsen 

Hannover: Polizei geht gegen Autoposer vor – „Demut, Arroganz, Agression“

In Hannover ist die Polizei gegen Autoposer vorgegangen.
In Hannover ist die Polizei gegen Autoposer vorgegangen.
Foto: dpa

Hannover. In Hannover nimmt die Polizei verstärkt Autoposer ins Visier. Auch in Osnabrück und Braunschweig wird protzenden Fahrern in ihren hochmotorisierten Wagen der Kampf angesagt. Dabei geht es nicht nur um nervige Lärmbelästigung.

Sie wollen gesehen und gehört werden, zum Ärger von Anwohnern und der Polizei in Hannover: Sogenannte Autoposer mit ihren PS-starken und lärmenden Protzkarossen beschäftigen die Behörden in Niedersachsen zunehmend.

Polizei Hannover ist Autoposern auf den Fersen

Gas geben, Motoren aufheulen lassen, angeben - die Szene in Hannovers Innenstadt hat die Polizei diese Woche zwei Abende lang ins Visier genommen. „Meine Seitenscheibe ist immer unten. Wir horchen nach dem Lärm“, berichtet Einsatzleiter Lars R..

Der 26-Jährige kennt die Hotspots in der Stadt. Beliebt sind Tunnel, in denen das Motorengeräusch besonders zur Geltung kommt, als Rennwagengefühl. Ebenso wie Straßen mit vielen Bars und Cafés, die Publikum bieten. „Die Poser fahren teilweise im Minutentakt an den bekannten Plätzen vorbei.“ Der Polizist schraubt selbst gerne an Autos und kann einschätzen, welchen Klang ein bestimmtes Modell hervorbringt und wo wahrscheinlich illegal nachgeholfen wurde.

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„Demut, Arroganz, Aggression, so sehen die Reaktionen aus“, sagt der Leiter des Einsatz- und Streifendienstes des Kommissariats Hannover-Mitte, Dirk Hallmann. Der typische Poser, so die Erfahrung der Polizei, ist zwischen 18 und 30 Jahren alt und männlich. Viele der Autos sind geleast oder nur kurz geliehen für den großen Auftritt. Manchmal führe das Imponiergehabe sogar zu riskanten Autorennen, sagt Hallmann. „Bei uns hier gab es bisher Gott sei Dank noch keine Toten.“

Die meisten Verstöße dürften sich nach Einschätzung des niedersächsischen Innenministeriums auf die baulichen Veränderungen an der Karosserie, der Lichtanlage und dem Motor beziehen. Die Veränderungen können zum Erlöschen der Betriebserlaubnis führen. Das Posing sowie illegale Kraftfahrzeugrennen gehen meistens einher mit Nötigungen und Lärmbelästigungen.

Unterschied zwischen Tunern und Posern ist enorm wichtig

Zu unterscheiden sei zwischen dem Phänomen des Posers und auf der anderen Seite den Tunern. „Die Autotuner gehen einem Hobby nach, basteln und schrauben meistens im Rahmen der legalen Möglichkeiten an ihren Autos herum. Es geht ihnen nicht um Öffentlichkeit oder Provokationen.“

Poser legten es hingegen häufig darauf an, aufzufallen - auch durch rasante Fahrweise. Seit 2018 gibt es in der Inspektion die Kontrollgruppe „Autotuning/Autoposer“.

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Eine Statistik zum Phänomen Poser gibt es in Niedersachsen bisher nicht. Erhebungsmöglichkeiten zu verbotenen Kraftfahrzeugrennen - seit 2017 ein Straftatbestand, der Haft zwischen zwei und zehn Jahren bedeuten kann - sind laut Innenministerium in Vorbereitung und sollen in diesem Jahr umgesetzt werden.

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Unfallstatistik in Niedersachsen im Jahr 2020

  • durch Corona hat es deutlich weniger Unfälle gegeben
  • 184.844 Unfälle insgesamt auf den Straßen von Niedersachsen (-15,2 Prozent zum Vorjahr)
  • 370 Menschen sind ums Leben gekommen (2019 waren es noch 432)
  • 35.005 Menschen wurden verletzt - davon 5260 schwer
  • Unfallursachen sind vor allem überhöhte Geschwindigkeit, Vorfahrtsmissachtung, Alkohol am Steuer und Fehler beim Abbiegen oder Überholen

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Braunschweig bietet Tuningfortbildungen für Polizisten an

In Braunschweig finden regelmäßig Tuningfortbildungen für die Beamten und entsprechende Kontrollen statt. Im Stadtgebiet kooperieren Polizei und Ordnungsbehörden dabei, dass beim Verdacht des Erlöschens der Betriebserlaubnis das Fahrzeug zur Untersuchung von der Polizei sichergestellt oder beschlagnahmt wird, erläutert Sprecher Thorsten Ehlers.

„Diese Verfahrensweise ist in der Vergangenheit bereits über 50 Mal praktiziert worden und führt dazu, dass der Verursacher nicht nur ein erhöhtes Bußgeld, sondern gegebenenfalls auch die Kosten für das Abschleppen, die Untersuchung durch den Sachverständigen und die Wiederinbetriebnahme des Pkw trägt.“

Bußgelder lassen Polizisten nur müde lächeln

Beim Gedanken an die Bußgelder müssen die Polizisten in Hannover beinahe schmunzeln. Für unnötigen Lärm werden 10 Euro, für unnützes Hin- und Herfahren 20 Euro fällig. „Das schreckt niemanden ab“, sagt Lars R..

Er versucht bei jeder Kontrolle daher, für die Gefahren zu sensibilisieren: „Überlegen Sie mal, wie schnell diese kleine Ordnungswidrigkeit zu einem Strafverfahren werden kann, eventuell mit dem Vorwurf Totschlag. Nur bei einer Unachtsamkeit, weil man den Jungs zeigen wollte, wie cool die Karre ist.“ (fb/dpa)