Niedersachsen 

Hannover: Altkanzler Schröder stiftet besonderes Fenster – jetzt fliegen die Fetzen

Gerhard Schröder stiftet der Marktkirche Hannover ein neues Kunstwerk. Das sorgt für Ärger. (Archivbild)
Gerhard Schröder stiftet der Marktkirche Hannover ein neues Kunstwerk. Das sorgt für Ärger. (Archivbild)
Foto: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

Hannover. Für Gerhard Schröder (SPD) hagelt es Kritik aus Hannover. Der ehemalige Bundeskanzler stiftet der Marktkirche in Hannover ein Reformationsfenster – ob es eingebaut werden darf, steht allerdings noch nicht fest.

Gegner des Kunstwerkes haben eine Petition gestartet und dem Kirchenvorstand hunderte Unterschriften vorgelegt. Die im 14. Jahrhundert errichtete Marktkirche ist die größte und älteste Kirche in Hannover und gilt als ein Wahrzeichen der Stadt.

Hannover: Gerhard Schröder stiftet teures Kunstwerk

Satte 150.000 Euro soll Hannovers Ehrenbürger Gerhard Schröder für das Kunstwerk ausgelegt haben. Anlass für das Geschenk war das 500. Reformationsjubiläum im Jahr 2017.

Das zwölf Meter hohe Buntglasfenster wurde von dem Künstler Markus Lüpertz entworfen und von der Glasmanufaktur Derix im hessischen Taunusstein bereits fertiggestellt. Darauf abgebildet ist eine große weiße Figur, die den Reformator Martin Luther (1483-1546) darstellen soll. Für kontroverse Diskussionen sorgen allerdings fünf große schwarze Fliegen, die für das Böse und die Vergänglichkeit stehen.

Der Architekten-Erbe Georg Bissen und die „Initiative für die Bewahrung und Gestaltung der Marktkirche“ wollen die Installation des Fensters verhindern, weil es auch ihrer Sicht nicht in die spätgotische Backsteinkirche passt. Unter dem Namen „Marktkirche bewahren“ haben sie eine Petition gestartet.

Hannover: Gegner wollen Einbau verhindern – „Keine Galerie oder irgendein Museum“

Die Gegner fordern zunächst ein Gesamtkonzept zur Gestaltung der Kirche, bevor es zu einer baulichen Veränderung kommen darf. Mit den über hundert Unterschriften könnten sie nun eine Gemeindeversammlung erzwingen, sagte Daniel Knesebeck von der Initiative gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Diese könne dann über das Konzept entscheiden.

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„Ich persönlich könnte mir sehr gut ein Gesamtkonzept mit zehn neuen Buntglasfenstern vorstellen“, sagte der Vereinssprecher. Diese müssten aber der spirituellen Erbauung dienen: „Die Marktkirche ist keine Galerie oder irgendein Museum, in dem man Künstler lustig und wild mit Provokationen experimentieren lässt.“

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Ob das Fenster letztendlich eingebaut werden darf, ist auch vor dem Oberlandesgericht Celle abhängig. Der Architekten-Erbe Bissen hat Beschwerde dagegen eingelegt. Sein Stiefvater Dieter Oesterlen hatte die im Krieg zerstörte Marktkirche in Hannover nach 1946 wiederaufgebaut und neugestaltet. (mkx)