Wolfenbüttel 

Wolfenbüttel: Restaurant mit emotionalem Appell – „Lasst uns nicht sterben“

Restaurants müssen aufgrund der Corona-Verordnung geschlossen bleiben. Lediglich der Außer-Haus-Verkauf ist möglich. Ein Restaurant aus Wolfenbüttel hat nun mit einem emotionalen Video auf die Lage aufmerksam gemacht. (Symbolbild)
Restaurants müssen aufgrund der Corona-Verordnung geschlossen bleiben. Lediglich der Außer-Haus-Verkauf ist möglich. Ein Restaurant aus Wolfenbüttel hat nun mit einem emotionalen Video auf die Lage aufmerksam gemacht. (Symbolbild)
Foto: imagO/Ralph Peters

Wolfenbüttel. Dieses Video eines Wolfenbütteler Restaurants geht gerade viral. Mehr als 170 Mal wurde es bereits geteilt.

Darin zu sehen: Gastwirt Thomas Binek – und sein Restaurant Herzog Heinrich's in Wolfenbüttel in Zeiten der Corona-Pandemie. Sein Video ist ein emotionaler Appell: „Lasst uns nicht sterben.“

Wolfenbüttel: Restaurant mit emotionalem Appell

Eigentlich war das Video nur eine fixe Idee. Ein Freund habe ihn angerufen und gesagt: „Wir müssen was machen“, erzählt Thomas Binek im Gespräch mit news38.de. Gesagt, getan. An einem Sonntag stand sein Freund dann mit entsprechendem Equipment bei ihm im Restaurant. Seine Idee: Ein Video! Der Gastwirt ließ sich darauf ein und eine halbe Stunde später war das Ding im Kasten.

„Das kam alles aus der Hüfte geschossen“, sagt der Gastwirt. „Aber das ist vielleicht besser als alles andere.“ Und er scheint damit einen Nerv getroffen zu haben. „Es ist der Hammer“, meint Thomas Binek. Dass das Video auf so große Resonanz stößt, ist für ihn „unbeschreiblich.“

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Dehoga: Gastgewerbe ist „wirtschaftlich am Ende“

Mit dem Clip will er auf die schwierige Situation der Gastronomie aufmerksam machen. Und damit ist der Wolfenbütteler Gastwirt nicht allein.

Auch der Dehoga-Landesverband ist höchst unzufrieden mit der Situation. „Das niedersächsische Gastgewerbe ist nach nahezu 25 Wochen Lockdown in 2020 und 2021 wirtschaftlich am Ende“, sagt Detlef Schröder, Präsident des Dehoga Niedersachsen.

Es habe zwar Unterstützung des Staates gegeben, doch die sei mittlerweile aufgebraucht. Es gehe um Existenzen und das wirtschaftliche Überleben vieler Mitarbeiter. Die Forderung: Eine Öffnung zu Ostern. „Die Branche hat in 2020 bewiesen, dass die entwickelten Hygienekonzepte wirken“, betont Schröder.

Gastwirt: „Handelt, lasst uns nicht sterben“

Das sieht auch Thomas Binek so. In seinem Video erklärt er, wie beispielsweise sein Restaurant mit den Hygienevorschriften umgeht: die Tische würden zwei Meter auseinanderstehen, Stühle 1,50 Meter, es gebe Raumteiler und einen großen Saal. „Wir können alle Szenarien darstellen“, sagt der Gastwirt. Auf die Vorgaben könne er entsprechend reagieren in seinem Restaurants. Sein Appell: „Handelt, lasst uns nicht sterben.“

Ein Betreiber eines Ferienparks aus Goslar und ein Gastwirt aus dem Kreis Lüchow-Dannebeerg waren sogar noch weiter gegangen und hatten Eilanträge gegen die Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen gestellt. Diese würden sich gegen das Beherbergungsverbot und die Schließung der Gastronomie richten.

Eine Sprecherin des niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts erklärte, dass diese Woche nicht mit einer Entscheidung zu rechnen sei. Die Betriebe hatten mit der Unterstützung des Dehoga geklagt.

Der Gastronomie fehle noch immer eine Öffnungsperspektive. Thomas Binek ist mittlerweile nicht mehr so optimistisch, was das Ostergeschäft betrifft: „Ich rechne mit dem frühsten Öffnungstermin im Juli.“ Den Einnahmeverlust könnte auch der Außer-Haus-Verkauf nicht kompensieren. Auch, wenn der Gastwirt zahlreiche Unterstützer in Wolfenbüttel habe, für die er sehr dankbar ist.

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Wolfenbütteler wünscht sich eine Perspektive

Von der Idee, die Außengastronomie unter bestimmten Voraussetzungen wie Inzidenzwerten zu öffnen, hält er nicht so viel. „Wie soll das gehen?“, fragt sich der Wolfenbütteler. Das sei schließlich stark wetterabhängig. Wer würde bei Regen und drei Grad draußen sitzen wollen?

Und noch eine andere Sorge beschäftigt ihn. „Das Personal wird abwandern“, sagt Binek. Die Branche sei aktuell ja nicht sicher. Er sieht mittlerweile rot. „Ein Vierteljahr noch, dann ist empty“, so der 60-Jährige mit Blick auf sein Restaurant. Was er sich wünschen würde? Eine Perspektive. „Man ist enttäuscht und wütend“, sagt der Gastwirt. „Die Perspektivlosigkeit ist das Schlimmste.“

Wie sich die Corona-Lage in Niedersachsen entwickelt, kannst du hier nachlesen >>>. (abr mit dpa)