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Braunschweig: Warnung vor Grundwasser-Belastung – DAS könnte für Babys lebensgefährlich sein

Das ist die Löwenstadt Braunschweig

In Deutschland herrscht Dürre. Die Pegel der Flüsse sinken, die Seen trocknen aus und die deutschen Wälder brennen. Kein Wunder, dass sich die Menschen auch Sorgen um ihr Trinkwasser machen. In Braunschweig kamen deshalb viele Bürger zusammen, um die Qualität ihres Brunnenwassers testen zu lassen. Im Notfall könnten sie dann darauf zurückgreifen.

Doch das Ergebnis der Testungen in Braunschweig verursacht nur weiter Sorgenfalten. Denn: Das Wasser vieler privater Brunnen eignet sich nicht oder nur unter bestimmten Umständen zum Trinken. Doch vor allem für Babys kann das Wasser lebensgefährlich werden.

Braunschweig: Hunderte Brunnen wurden getestet

„Gerade für Familien mit Säuglingen und Kleinkindern ist es wichtig, dass das Wasser keine höhere Nitratbelastung von 50 mg/l aufweist“, so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz.

Sie erklärt: „Wenn Babynahrung aus Wasser mit hohen Nitratkonzentrationen zubereitet wird, kann es bei Säuglingen zur Blausucht kommen. Dies ist eine Unterversorgung des Blutes mit Sauerstoff und kann für Kleinkinder lebensbedrohlich sein.“ Für die Menschen in Braunschweig wird genau das nun zum Problem.


Das ist die Stadt Braunschweig:

  • ältesten Funde im Braunschweiger Land („Schöninger Speere“) haben ein Alter von etwa 300.000 Jahren
  • rund 249.000 Einwohner und 19 Stadtbezirke (Stand: Dezember 2021)
  • ist die zweitgrößte Stadt in dem Bundesland nach Hannover
  • unter anderen wichtige Wahrzeichen: Braunschweiger Löwe als Wahrzeichen Heinrich des Löwen sowie die Türme der Andreaskirche
  • Oberbürgermeister ist Thorsten Kornblum (SPD)

Insgesamt wurde das Wasser von 147 privat benutzten Brunnen aus dem Großraum Braunschweig analysiert. Fast jeder vierte von ihnen überschritt den Nitratgrenzwert der Trinkwasserverordnung.

Braunschweig
Das Trinkwasser in einigen Braunschweiger Brunnen ist belastet. Und das könnte für Babys richtig gefährlich werden. (Symbolbild) Foto: IMAGO / Shotshop

Braunschweig: Ursache für hohe Nitratwerte liegt in der Landwirtschaft

Umweltschützer des Vereins für Gewässerschutz verglichen die Nitratwerte aus den Brunnen mit regionalen landwirtschaftlichen Daten. Bei ihrer Recherchearbeit fiel den Gewässer-Experten auf, dass gerade in den Kreisen, in denen viel Weizen angebaut wird, auch eine höhere Nitratbelastung vorliegt. In Braunschweig sind das 40 Prozent.

Der Weizen ist eine der wichtigsten Nahrungsnutzpflanzen der Welt. Durch eine
zusätzliche späte Düngung des Weizens wird ein besonders hoher Eiweißgehalt des
Getreides erreicht – heutzutage immer noch ein Qualitätsmerkmal für besonders gute
Backeigenschaften. Der Dünger wird häufig nicht mehr vollständig von den Pflanzen
aufgenommen und die überschüssigen Nitrate werden dann ins Grundwasser ausgewaschen.


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Der VSR-Gewässerschutz fordert, dass diese Nitratauswaschung von den Weizenfeldern
vermieden werden muss. Außerdem fordert er ein Umdenken des Handels: Die
Anforderungen an Backweizen müssen umfangreicher bewertet werden – ein hoher
Proteinwert ist nicht allein ausschlaggebend für die gute Backeigenschaft des Getreides. Es muss dringend verhindert werden, dass die Trinkwasservorräte durch den Weizenanbau
weiterhin mit Nitraten belastet werden.

Das dies gelingen kann, zeigt ein Vorzeigeprojekt aus Bayern. Hier verzichten bereits einige Landwirte auf die Spätdüngung des Weizens. Das Getreide weist dann zwar tatsächlich einen geringeren Eiweißgehalt auf, dennoch entsteht daraus ein hervorragendes Brot.

+++ Braunschweig: Kritik am Entlastungspaket! Laden-Betreiberin spricht Klartext +++

Der VSR-Gewässerschutz fordert auch andere Bundesländer und Regionen Deutschlands auf, sich diesem Modell anzuschließen und sich mit vergleichbaren Projekten am Schutz der Grundwasservorräte vor Belastungen aus der Landwirtschaft zu beteiligen. Dann könnten auch viel mehr Menschen in Braunschweig das Trinkwasser aus ihren Brunnen nutzen.