Niedersachsen 

Hildesheim: Mann hatte Anschlag geplant – vor Gericht gibt er das Unschuldslamm

Ein 22-Jähriger sitz in Hildesheim vor Gericht: Er soll einen Terroranschlag vorbereitet haben. (Archivbild)
Ein 22-Jähriger sitz in Hildesheim vor Gericht: Er soll einen Terroranschlag vorbereitet haben. (Archivbild)
Foto: Ole Spata/dpa

Hildesheim. Er soll geplant haben, mindestens 20 Menschen bei einem rechtsterroristischen Anschlag zu töten. Sein Vorbild: Der rechtsterroristische Anschlag im neuseeländischen Christchurch gegen Muslime, bei dem mehr um 50 Menschen ums Leben kamen.

Doch vor dem Gericht in Hildesheim gibt der heute 22-Jährige das Unschuldslamm. „Ich hatte nie den Plan, jemanden zu töten. Ich bin nicht böse“, sagte er im Prozess. Die Ermittler sind zumindest von der Radikalisierung des jungen Mannes überzeugt.

Hildesheim: Ermittler erkennen Radikalisierung des Tatverdächtigen

Sie stufen den Angeklagten als rechtsextrem ein. Es gebe Hinweise auf die Radikalisierung des jungen Mannes, sagte leitende Ermittler am Mittwoch am Landgericht Hildesheim.

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Bei der Durchsuchung seiner Wohnung seien nicht nur Waffen, sondern auch Datenträger mit rechtsextremem Propagandamaterial, Screenshots von rassistischen Chats, rund 1800 Videodateien, über 100.000 Bilder und handschriftliche Notizen mit Hasskommentaren gefunden worden. Teils seien die Inhalte „skurril“, es gehe um Verschwörungstheorien.

Zudem habe er sich zunehmend „abgeschottet“, so der leitende Ermittler. Ein typisches Verhaltensmuster bei fortschreitender Radikalisierung, sagte der Polizeihauptkommissar.

„Übers Internet sagt man manchmal Dinge, die man sonst nicht sagt.“

Der junge Mann stritt die Chats vor Gericht nicht ab, wohl aber, dass er einen Anschlag geplant habe. Er habe nie beabsichtigt, jemanden zu töten. Er habe lediglich im Internet geprahlt, so eine Verteidigung: „Übers Internet sagt man manchmal Dinge, die man sonst nicht sagt.“ Mit der Anschlagsdrohung habe er seinen Chatpartner „verarschen“ wollen.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Mann vorgeworfen, konkrete Anschlagsziele zu verfolgen. Mindestens 20 Menschen sollten dabei sterben. Es ist nicht der einzige Anklagepunkt: Dem jungen Mann werden auch Androhung von Straftaten, Volksverhetzung, Beleidigung und Bedrohung vorgeworfen.

Christchurch-Attentat offenbar als Vorbild

Im Internet kündigte er die Anschläge in Chats an, orientierte sich offenbar am rechtsextremen Anschlag in Christchurch in Neuseeland. Wie weit seine Pläne fortgeschritten waren, ist unklar. Zwischen Juli 2019 und Mai 2020 soll er sich unter anderem zwei Armbrüste und mehrere Messer für seine Tat beschafft haben.

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Die Kammer hob am Montag den Haftbefehl gegen den Angeklagten dennoch auf, er sitzt damit nicht länger in Untersuchungshaft. Bei der Festnahme im Juni 2020 gingen die Beamten zunächst davon aus, dass der Hintergrund der Drohungen der psychische Zustand des Mannes war. Er wurde zunächst in einem Krankenhaus geschlossen untergebracht, später kam er in Untersuchungshaft. (dav/dpa)