Salzgitter 

Salzgitter: Studentin erhebt schwere Vorwürfe – „Man fühlt sich allein gelassen“

Salzgitter: Studentin Lydia steht kurz vor ihren Prüfungen. Doch im Lockdown sind Hochschule und Bibliothek zu. (Symbolbild)
Salzgitter: Studentin Lydia steht kurz vor ihren Prüfungen. Doch im Lockdown sind Hochschule und Bibliothek zu. (Symbolbild)
Foto: imago images / photothek; imago images / Olaf Döring (Montage: News38)

Salzgitter. Deutliche Worte einer Studentin aus Salzgitter!

Lydia (23) befindet sich im fünften Semester ihres Bachelor-Studiums an einer Hochschule in Salzgitter. Die Prüfungsphase steht kurz bevor – doch auch die Unis sind im Corona-Lockdown zu. Und während die Regierung über Schulen und Kitas diskutiert, bekommt Lydia das Gefühl, dass sie und die anderen Studierenden in der Debatte gar nicht vorkommen.

Salzgitter: Prüfungen im Lockdown? Studentin übt deutliche Kritik

Ständig muss sich die Hochschule an die neuen Beschlüsse der Regierung anpassen. Mit dem verlängerten harten Lockdown ändern sich kurzfristig auch Lydias Prüfungstermine. Rund eine Woche vor ihrer ersten Klausur wurde sie von ihrer Hochschule über die neuen Daten informiert: Mündliche Prüfungen sollen online ab Anfang Februar stattfinden, Klausuren ab Mitte Februar.

Doch die zusätzliche Vorbereitungszeit macht die Lernbedingungen für Lydia und ihre Kommilitonen keineswegs einfacher. Denn auch während der nächsten Wochen ist das Land ja weiterhin im Lockdown.

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Das heißt: Lerngruppen können sich nur noch virtuell austauschen – und auch das konzentrierte Lernen in der ruhigen Bibliothek ist nicht mehr möglich. Ein Online-Bestell-Service für Sachliteratur aus der Bücherei funktioniere zwar laut Lydia, aber „zuhause ist man dann beim Lernen so schnell abgelenkt, das passiert einem an der Uni nicht.“

Lydia fordert einheitliche Regeln für Unis und Hochschulen

Die kurzfristigen Terminänderungen oder Absagen erschweren die Sache zusätzlich. „Es ist schwer sich zu motivieren, wenn man nicht weiß, was explizit Sache ist“, erklärt die 23-Jährige. „Diese Ungewissheit ist total nervig.“

Das Kultusministerium Niedersachsen sieht die kurzfristige Handlungsfähigkeit der Hochschulen eher als Vorteil. „Anders als Schulen und Kitas haben Niedersachsens Hochschulen dank der Hochschulautonomie einen großen Spielraum und eine große Flexibilität wenn es darum geht, für ihre Studierenden die jeweils bestmöglichen Entscheidungen zu treffen“, teilte Sprecherin Heinke Traeger auf Anfrage von News38 mit.

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Doch Lydia wünscht sich endlich eine einheitliche und klare Ansage der Bundesregierung für alle Hochschulen und Universitäten in Deutschland. „Wir Studierende wurden beim ersten Lockdown im März erwähnt, seitdem nicht mehr“, kritisiert die 23-Jährige – stattdessen blicke man mittlerweile nur noch auf Schulen und Kitas. „Man fühlt sich einfach alleine gelassen“

Präsenzprüfungen ab Februar verantwortbar?

Ob die Klausuren ab Mitte Februar tatsächlich als Präsenzveranstaltungen möglich sein werden, ist noch unklar – aktuell plane man aber damit, wie eine Sprecherin von Lydias Hochschule auf Anfrage von News38 mitteilte. „Selbstverständlich werden Klausuren unter den strengen Regeln des Hygienekonzepts (Abstand, Maskenpflicht) durchgeführt. Dafür werden bei Bedarf größere Räumlichkeiten angemietet“.

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„Naja, ob das so verantwortlich ist, so viele in einem Raum zusammenzusetzen?“, fragt sich Lydia. Sie weiß, wovon sie spricht: Kurz vor Weihnachten bekam sie selbst die Diagnose Corona. Über ihren Opa und ihre Mutter hatte schließlich auch sie sich mit dem Virus angesteckt. „Ich hatte nichts gemerkt, keine Symptome“, erinnert sie sich.

Dennoch will sie nicht zwingend eine große Gruppe Studierender der Infektionsgefahr aussetzen. „Ich finde es unfair, wenn eine Hochschule sich dem Risiko Präsenzprüfung aussetzt, und die anderen dürfen als Prüfung eine Arbeitsaufgabe zuhause am Laptop bearbeiten“, kritisiert die 23-Jährige. Gleichzeitig betont sie im Gespräch mit News38, dass sie die schwierige Situation der Bildungseinrichtungen durchaus anerkennt und auch sieht, wieviel Mühe sich ihre eigene Hochschule gibt.

Praxissemester steht an

Und wenn die Prüfungsphase mal überstanden ist, wartet schon die nächste Herausforderung auf Lydia: Das Praxissemester. Das ist verpflichtend für ihren Bachelorabschluss. „Aber im Moment gibt es viele Absagen“, erklärt die 23-Jährige. Die meisten Unternehmen sind im Home Office, haben keine Aufträge, die Mitarbeiter sind in Kurzarbeit – „Das macht es für uns schwierig.“ (at)