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VW: Zukunft in Wolfsburg ungewiss – Betriebsrat fordert mehr Projekte für unausgelastetes Stammwerk

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VW will seine Mitarbeiter am Donnerstag über den Stand der Dinge informieren. Die „Belegschaftsinformation“ wurde im Vorfeld mit Spannung erwartet... (Archivbild) Foto: picture alliance/dpa/dpa/Pool | Swen Pförtner

Wolfsburg. 

Bei VW in Wolfsburg herrscht besonders am Donnerstag eine spürbare Spannung und Erwartungshaltung.

Denn am Donnerstag wollen Betriebsrat, Management und Kontrolleure den VW-Beschäftigten sagen, wie es um den Konzern und besonders um das Stammwerk in Wolfsburg steht – und wie Volkswagen mit Produktionsausfällen und steigendem Kostendruck umgehen will.

Inhaltlich dürfte es demnach um die derzeitige Unterauslastung des Hauptwerks, der größten Autofabrik der Welt, und um die zeitliche Staffelung möglicher weiterer Modelle gehen. Der mächtige Betriebsrat fordert für Wolfsburg mindestens ein zusätzliches Elektroprojekt, das vor dem wohl 2026 startenden „Trinity“ kommt.

Corona: VW muss umplanen – aber es bleibt spannend

Ein zuerst als große Betriebsversammlung angelegtes Treffen wird am Donnerstag (9.30 Uhr) wegen der wieder angespannteren Corona-Lage jetzt als kleinere „Belegschaftsinformation“ organisiert. Angespannt ist die Situation aber auch in anderer Hinsicht: Der Streit zwischen VW-Boss Herbert Diess und mehreren Aufsichtsräten – jüngst wieder aufgeflammt – verschärft sich offenbar noch einmal neu…

Neue Berichte über Zwist bei VW

Kurz vor der Informationsveranstaltung machten am Mittwoch neue Spekulationen die Runde, wonach der Manager mit dem Betriebsrat und mit dem Land Niedersachsen aneinandergeraten sein soll. Dass der Vorstandsvorsitzende womöglich in Ungnade gefallen sei, wollte in Konzernkreisen niemand offen sagen. Aber die Stimmung, so hieß es bei mehreren Personen im Umfeld der Kontrolleure, sei denkbar schlecht.

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Nach „Handelsblatt“-Infos sollen führende Köpfe bei einer Besprechung in der vergangenen Woche Diess sogar ihr Misstrauen ausgesprochen haben. Vorbereitet sei inzwischen außerdem, den Vermittlungsausschuss im Aufsichtsrat mit der Vorstandsbesetzung zu befassen. Dass solche Verfahrensschritte förmlich schon eingeleitet worden seien, dementierte eine Quelle. Unabhängig davon sei man jedoch zunehmend irritiert vom Verhalten des Konzernchefs.

Der Haussegen bei Volkswagen hängt bereits seit einigen Wochen erneut schief. Vor allem Betriebsräte bemängeln den Kommunikationsstil von Diess und fühlen sich laufend provoziert. Unterstützer des Managers halten dagegen Weckrufe zur Kostensituation für durchaus angebracht. >> Konflikt spitzt sich zu – Chefstuhl von Diess wackelt!

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Die Belegschaftsvertretung erwartet am Donnerstag auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und IG-Metall-Chef Jörg Hofmann, die beide im Aufsichtsratspräsidium sitzen.

Diess wollte zunächst einen Termin mit Investoren in den USA wahrnehmen, nach heftiger Kritik von Betriebsratschefin Daniela Cavallo hat er aber sein Erscheinen angekündigt.

2021 könnte so wenig produziert werden wie seit Ende der 1950er Jahre nicht mehr

Der US-Rivale Tesla steht kurz vor dem Start seiner neuen „Gigafactory“ bei Berlin. Zugleich bremsen die Chipkrise und teils der schwierige Bezug von Rohstoffen die Produktion absehbar aus. Zehntausende VW-Beschäftigte müssen seit Monaten immer wieder in Kurzarbeit. 2021 könnte in Wolfsburg so wenig produziert werden wie Ende der 1950er Jahre.

Herbert Diess verlangt schon länger eine höhere Rentabilität und Produktivität. Ende 2020 wurden mit dem Betriebsrat auch weitere Schritte zu Fixkostensenkung und Personalabbau innerhalb bestehender Programme besprochen.

Daniela Cavallo hatte sich vor allem daran gestört, dass angeblich ohne Einbindung der Mitarbeitervertretung bereits Sparkalkulationen im Top-Management zirkulierten. Das Verhältnis zwischen ihr und Diess gilt seither ebenfalls als angespannt.

Quartalszahlen fallen durchwachsen aus

Die Zahlen zum dritten Quartal fielen durchwachsen aus. Der Umsatz ging um 4 Prozent auf 56,9 Milliarden Euro zurück, das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern um 12 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Die Zwischenbilanz zeigte, wie akut besonders die Lieferschwierigkeiten bei Chips aktuell sind. Die Marken VW Pkw, Seat und Skoda aus der Gruppe „Volumen“ fuhren alle operative Verluste ein, die Kernsparte VW verzeichnete ein Minus von 184 Millionen Euro.

„Die Ergebnisse zeigen einmal mehr, dass wir die Verbesserung der Produktivität im Volumenbereich jetzt konsequent vorantreiben müssen“, meinte Diess. Bis 2030 will er das Stammwerk Wolfsburg fitmachen für den Wettbewerb mit Tesla, diese Herausforderung werde groß. „Sicherlich brauchen wir dazu einen Abbau von Stellen.“ (dpa/ck/fb)