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VW muss vor diesem Szenario Angst haben – „Zuerst geht das Licht in Wolfsburg aus“

Derzeit kocht die China-Frage wieder hoch. Auch bei VW dürfte man die Geschehnisse der letzten Tage und Wochen mindestens kritisch sehen.

© IMAGO / Silas Stein

VW und seine Töchter - das sind die Marken

Zum Volkswagen Konzern gehören viele weitere bekannte Automarken. Wir stellen die bekanntesten VW-Töchter vor.

VW und China – wie lange geht das gut?

Zu der weiterhin wabernden Kritik bezüglich der Menschenrechte im westchinesischen Xinjiang wird für VW vor allem in diesen Tagen ein weiteres heikles Thema laut: Das der Abhängigkeit.

Fakt ist: Zuletzt wurde mehr als jedes dritte Modell aus dem VW-Konzern in China ausgeliefert. 3,2 Millionen Konzern-Fahrzeuge waren es.

VW zu tief im China-Boot?

Aktuell schlägt der Moskau-Besuch von Chinas Alleinherrscher Xi Jinping bei Russen-Kriegstreiber Wladimir Putin hohe Wellen. Die fast brüderlichen Protz-Bilder aus dem Kreml dürften deutschen Konzernen wie VW nicht schmecken. Und auch Chinas Umgang mit anderen Ländern, die das Xi-Regime nicht mittragen, dürfte bei Politik und Unternehmen Sorgenfalten hinterlassen. Zuletzt hatte China Litauen hart wegen dessen Taiwan-Politik abgestraft.

Diese Gemengelage war am Dienstag (21. März) auch Thema im ZDF-Talk bei Markus Lanz. Er wollte wissen: „Wenn die Chinesen morgen sagen – und das geht ja manchmal ganz schnell – ‚Mit euch wollen wir nicht mehr, ihr seid raus, für uns als Handelspartner nicht mehr diskutabel.‘ Was würden wir denn dann machen?“

Darauf hatte die Journalistin Antje Höning („Rheinische Post“) eine konkrete Antwort: „Für die deutsche Wirtschaft wäre das eine Katastrophe. Zuerst geht das Licht in Wolfsburg aus. Kein Konzern hat sich so abhängig gemacht von China wie VW, die ja der Autobauer mit der höchsten China-Quote sind. Bei Daimler und BMW sieht es etwas besser aus“, sagte sie. Dabei sei sie die Letzte, die Protektionismus und Abschottung befürworte. Natürlich solle man mit China verhandeln und dahin exportieren.

Antje Höning
RP-Journalistin Antje Höning sieht im Falle des Falles vor allem für VW schwarz. (Archivbild) Foto: IMAGO / teutopress

„Aber, wo es dann aufhört, ist die kritische Infrastruktur. Die Chinesen an ein Terminal im Hamburger Hafen ranzulassen, war ein Fehler.“ Und es sei daher auch vollkommen richtig, dass die Bundesregierung jetzt gegen Huawei vorgeht. Zumal ja auch möglicherweise chinesische Teile verbaut wurden, die schlimmstenfalls wieder aus den Produkten raus müssten.

Aber das sei gut und richtig. „Das haben wir aus dem russischen Angriffskrieg und der Energie-Krise gelernt. Wir dürfen uns nie wieder in dieser Weise von einem autokratischen System abhängig machen.“ Dann hakt Markus Lanz nach: „Wie lange und wie oft diskutieren wir diese Themen schon und rennen immer blindlings in genau diese Situation herein?“

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Auch darauf hat die erfahrene RP-Journalistin eine klare Antwort: Leider gingen einige große Konzerne diesen Schluss noch nicht mit. Im Gegenteil: „Obwohl die Lage ist, wie sie ist, wird weiter expandiert“, sagt Höning. Zum Beispiel von BASF und Siemens. Und das allein sei schon ein Problem – „von Menschenrechts-Themen ganz abgesehen“. Dabei geht es um die in China unterdrückte muslimische Minderheit der Uiguren. Der Staatsapparat soll sie in Umerziehungslager stecken; bis hin zu „stillem Völkermord“ war in den westlichen Medien die Rede.


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Unternehmen wie Adidas oder H&M, die es in China gewagt hätten, Produkte ohne Zwangsarbeit herzustellen, seien von den chinesischen Kunden dafür abgestraft worden. „Dank der Kontrolle, der Medien und des dortigen Apparates, hat sich das dann gegen die Unternehmen gewendet. Die Chinesen haben weniger dieser Produkte gekauft.“

VW steckt in der Zwickmühle

Und genau in diesem Dilemma stecken auch Konzerne wie VW und Co. – vor allem Volkswagen muss sich regelmäßig gegen scharfe Kritik wehren, weil der Konzern in der Uiguren-Region Xinjiang ein Werk hat. Und trotz aller Aufforderungen daran festhält. Erst vor gut einem Monat hatte sich VW-China-Chef Ralf Brandstätter vor Ort in der Westprovinz ein Bild gemacht.

In der Provinz Xinjiang unterdrückt China die Volksgruppe der Uiguren. Ausgerechnet hier betreibt VW eine Fabrik. VWs China-Chef beteuert, vor Ort „keine Widersprüche festgestellt“ zu haben.
In der Provinz Xinjiang unterdrückt China die Volksgruppe der Uiguren. Ausgerechnet hier betreibt VW eine Fabrik. VWs China-Chef beteuert, vor Ort „keine Widersprüche festgestellt“ zu haben. (Archivbild) Foto: Volkswagen AG

Natürlich kenne VW die kritischen Berichte und nehme sie sehr ernst, sagte er. „Aber wir haben keine Hinweise auf Menschenrechtsverletzungen in diesem Werk – das hat sich nach meinem Besuch nicht geändert. Ich habe keine Widersprüche festgestellt und keinen Grund, an den Informationen und meinen Eindrücken zu zweifeln. Ungeachtet dessen schauen wir natürlich trotzdem weiter hin.“

Die ganze Markus Lanz-Folge vom Dienstag, 21. März 2023 kannst du hier in der ZDF-Mediathek ansehen.