Braunschweig 

Braunschweig will eigenen Weg aus Dauer-Lockdown – erste Stadt aus der Region „würde diesen Weg mitgehen“

Braunschweig will einen eigenen Weg aus dem Dauer-Lockdown gehen. Die erste Stadt in der Region hat nun ihre Beteiligung angeboten. (Symbolbild)
Braunschweig will einen eigenen Weg aus dem Dauer-Lockdown gehen. Die erste Stadt in der Region hat nun ihre Beteiligung angeboten. (Symbolbild)
Foto: news38

Braunschweig. Der Braunschweiger Weg“ soll die Löwenstadt aus dem Dauer-Lockdown führen. Die Stadt Braunschweig und der Arbeitgeberverband Region Braunschweig haben ein gemeinsames Konzept erarbeitet, und das hat es durchaus in sich.

Einen Tag später hat die erste Stadt aus der Region angekündigt, den Weg mitzugehen.

Braunschweig will raus aus dem Pauschal-Lockdown

Der Plan in Braunschweig: Mit Schnelltests und digitaler Kontaktnachverfolgung soll es möglichst schnell rausgehen aus dem Pauschal-Lockdown! Am Dienstag wurde das relativ kurzfristig gebaute Konzept vorgestellt.

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Gleichzeitig wurde die Idee nach Hannover geschickt – damit Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sie sich mal durchlesen und womöglich beim Corona-Gipfel am Mittwoch mit einfließen lassen kann.

Der Landesregierung soll ein Anstoß gegeben werden – Braunschweig legt als eine der ersten deutschen Städte ein konkretes Konzept vor. Der Appell ans Land Niedersachsen lautet: „Gebt uns die Gelegenheit, solche Konzepte auch durchzusetzen“.

„Braunschweiger Weg“ als Öffnungsstrategie

Kurzum, der „Braunschweiger Weg“ soll den unterschiedlichsten Betrieben - auch der Kultur - ermöglichen, wieder zu öffnen. Dabei geht es aber nicht darum, was sie anbieten oder verkaufen, sondern allein um den Infektionsschutz. Es geht also nicht um Haare oder Blumen, sondern um Sicherheit.

Das Konzept soll ein Mittelweg sein zwischen einer Öffnung in den Regelbetrieb mit den bekannten Schutzauflagen und einem weiteren Pauschal-Lockdown.

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Letzterer schade inzwischen mehr als er nutze, sagt Florian Bernschneider, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbandes Region Braunschweig. „Dennoch wollen wir natürlich auf die Experten hören. Eine dritte Welle ist für uns das schlechteste Szenario.“

Auch Sozialdezernentin Christine Arbogast glaubt, dass ein Dauer-Lockdown nicht mehr lange gut funktionieren kann. Die Stimmung habe sich verändert – „wir machen Politik zwar nicht nach Stimmungslage, aber sie spielt eine Rolle“, sagt die Leiterin des Braunschweiger Corona-Krisenstabes.

Gleichzeitig betont Arbogast, dass man nichts riskieren wolle. „Die angestrebten Öffnungsmöglichkeiten stehen natürlich immer unter dem Vorbehalt, dass das Pandemie-Geschehen es zulässt. Die Gefährdungslage wird fortlaufend überprüft und neu bewertet.“

„Braunschweiger Weg“ – das sind die Eckpunkte

Konkret soll der „Braunschweiger Weg“ Betrieben und Einrichtungen, die sich zu besonders hohen Schutzstandards verpflichten, eine frühere Öffnung ermöglichen. Neben den bereits bekannten Schutzmaßnahmen, die Betriebe vor dem November-Lockdown einhalten mussten, verpflichten sich jene Betriebe - kurzgefasst - zu folgenden Maßnahmen:

  • Sie müssen dem Gesundheitsamt ein fachärztlich bestätigtes Infektionsschutz- und Hygienekonzept vorlegen.
  • Sämtliche Besucherdaten sollen nicht mehr auf einem Zettel, sondern digital erfasst werden. Anonym und sicher. Womöglich kommt hier die „Luca“-App ins Spiel. Das Gesundheitsamt soll im Falle einer aufgetretenen Infektion Zugriff auf die Daten haben.
  • Jeder Besucher muss einen anerkannten negativen Schnelltest (Paul-Ehrlich-Institut) vorlegen, der nicht älter als zwölf Stunden ist. Aktuell bieten Ärzte und Apotheken so etwas an.

Anders als sonst, kommt die Initiative jetzt von den Betrieben – und nicht von den Politikern „da oben“. Allein deswegen glauben die Verantwortlichen, dass ihre Öffnungsstrategie aufgehen kann, zumal jetzt auch die IHK mit im Boot sitzt.

Und: Niemand soll von vornherein ausgeschlossen werden, weil er nicht genug Geld für einen Schnelltest hat! Es soll einen Fonds geben, damit sich auch Menschen mit niedrigen Einkommen einen Schnelltest leisten können. Denn günstig sind die Tests nicht gerade.

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„Die Kulturbranche und weitere Wirtschaftszweige warten seit Monaten auf eine Perspektive. Das hier vorgeschlagene Konzept zeigt einen Weg aus dieser für viele längst existenzbedrohenden Situation auf“, so Braunschweigs Kulturdezernentin Anja Hesse.

Gerold Leppa, Geschäftsführer der Braunschweig Stadtmarketing GmbH und Wirtschaftsdezernent der Stadt Braunschweig, betont, dass der Braunschweiger Weg nur ein Zwischenschritt darstellen soll – „das soll nicht der Zustand bis zum Jahresende sein“.

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Wolfenbüttel würde sich anschließen

Unterstützung bekommt die Stadt Braunschweig für ihren Plan nun aus der Lessingstadt. Wolfenbüttels Bürgermeister Thomas Pink sagt klar: „Wolfenbüttel würde diesen Weg mitgehen“. Das sei nur „konsequent und richtig“, betont Pink. Denn so könnte auch ein „Einkaufstourismus“ vermieden werden.

Pink ist der Auffassung, dass sich das Konzept in vielen Punkten auf die Stadt Wolfenbüttel übertragen lassen würde. Auch dort hätten Handel, Dienstleister und Institutionen tragfähige Hygienekonzepte entwickelt, Möglichkeiten zur Kontaktverfolgung gebe es auch. Die Stadt Wolfenbüttel musst außerdem, ebenso wie Braunschweig, den Schnelltests eine große Bedeutung bei.