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VW-Abhöraffäre: Manager tot im Auto gefunden – Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen abgeschlossen

Dieser Fall um den toten VW-Manager hat die ganze Region erschüttert.
Dieser Fall um den toten VW-Manager hat die ganze Region erschüttert.
Foto: news38

Es ist das tragische Ende eines Falls, der die ganze Region erschüttert hat: Ein 37-Jähriger Manager von VW wurde im August vergangenen Jahres tot in seinem brennenden Auto bei Rennau gefunden. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelte zur Todesursache. Nun steht es fest.

Jetzt ist das Todesermittlungsverfahren abgeschlossen. Alles deutet laut Staatsanwaltschaft auf Suizid hin.

VW: Das steckt hinter der Abhör-Affäre

Im Sommer vergangenen Jahres platzte die Bombe: Zwei Jahre lang soll ein VW-Mitarbeiter hochvertrauliche Gespräche mitgeschnitten haben. Es ist die Rede von „der größten Abhör-Affäre der deutschen Wirtschaftsgeschichte“, hieß es seinerzeit im „Business Insider“. Rund 50 Stunden Material seien mitgeschnitten worden.

Auf den Tapes zu hören: Gespräche interner und hochrangiger Strategie-Runden von VW aus den Jahren 2017 und 2018. Und die sollen zeigen, dass Volkswagen sich mehrfach am Rande der Legalität bewegt habe. Besonders brisant: Bei den Gesprächen soll es vor allem um das Streitthema Prevent gegangen sein.

VW und Prevent: Die Geschichte eines Streits

VW und Zulieferer Prevent haben sich schon vor Längerem verkracht. Vor gut vier Jahren eskalierte der Streit dann. Zwei Prevent-Töchter ordneten Lieferstopp an. Beim Golf und Passat gab es dadurch Kurzarbeit. Es ging ums Geld.

Bei den Gesprächen soll es nach Informationen des „Business Insiders“ darum gegangen sein, sich nach 40 Jahren Zusammenarbeit mit Prevent von eben jenem Zulieferer zu trennen. Dazu soll sich VW mit BMW und Daimler abgestimmt haben. Gemeinsam hätten sie sich beim Zulieferer Grammer einkaufen wollen – um eine Übernahme durch Prevent zu verhindern.

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VW dementiert das. Nur so viel: „Es wurde offen über alle möglichen Lösungsansätze diskutiert“, sagt ein Sprecher. Es sei darum gegangen, einen weiteren Schaden abzuwenden.

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VW-Tapes – eine Chronologie:

  • 2017 und 2018: Ein VW-Mitarbeiter schneidet heimlich brisante Gespräche mit
  • 26. Juli 2020: Die Abhör-Affäre kommt ans Licht
  • 27. Juli 2020: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig schaltet sich ein
  • 29. Juli 2020: VW stellt Strafanzeige
  • 31. Juli 2020: VW enttarnt den mutmaßlichen Maulwurf und wirft ihn raus
  • 05. August 2020: Weitere brisante Schreiben tauchen auf
  • 07. August 2020: Razzia! Die Ermittler stellen vermeintliches Beweismaterial sicher
  • 10. August 2020: Die Ermittler prüfen einen Zusammenhang mit einem Brand Ende Mai
  • 10. August 2020: Der mutmaßliche Spion wird tot in einem ausgebrannten Auto gefunden

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Fakt ist: Die Nachricht um die Tapes hatte seinerzeit eine Lawine ins Rollen gebracht. VW hatte nach Bekanntwerden der Affäre Strafanzeige erstattet und eine interne Untersuchung eingeleitet. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig nahm die Ermittlungen auf – Razzien inklusive.

Haus des VW-Managers abgebrannt – war es Brandstiftung?

Doch damit nicht genug. Kurz danach kam heraus, dass das Haus des mutmaßlichen VW-Spitzels wohl Ende Mai 2020 abgebrannt ist. Das Feuer hatte seinerzeit die Gemeinde im Landkreis Helmstedt erschüttert. Eine Nachbarin schilderte damals gegenüber news38: „Man steht da und ist wie versteinert, es ist unbegreiflich für mich."

Das Feuer war ausgebrochen, als die Eigentümer nicht zuhause waren. Der Schaden liegt bei mindestens 600.000 Euro. Die Staatsanwaltschaft bestätigte auf Nachfrage von news38, dass sie einen möglichen Zusammenhang zwischen der Abhöraffäre und dem verheerenden Brand prüfen will. Mehr als ein Jahr später kann die Staatsanwaltschaft bestätigen, dass es sich bei dem Feuer „zweifelsfrei“ um vorsätzliche Brandstiftung gehandelt hat. Die Hintergründe der Brandstiftung ließen sich jedoch nicht aufklären, es gebe auch keine Belege dafür, dass die Brandlegung im Zusammenhang mit der „Prevent-Affäre“ stehe.

Die Verantwortlichen konnten außerdem nicht ermittelt werden. Ein Tatverdacht gegen zwei 33- und beziehungsweise 61-jährige Männer, die wegen Diebstahls vorbestraft waren, erhärtete sich laut Staatsanwaltschaft nicht.

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Traurige Gewissheit: VW-Manager starb durch Suizid

Wenige Tage, nachdem die Spitzel-Affäre öffentlich wurde, nahm das Drama dann seinen Lauf. Die Feuerwehr fand den VW-Manager tot in seinem brennenden Auto. Abgestellt auf einem Feldweg bei Rennau. Schnell stand der Verdacht des Suizids im Raum. Jetzt ist er laut Staatsanwaltschaft traurige Gewissheit. Es würden „keine Anhaltspunkte für ein strafrechtlich relevantes Verhalten Dritter“ vorliegen. An dem Auto habe es keinerlei Spuren gegeben, die auf eine Manipulation hätten hindeuten können.

Spuren würden darauf hindeuten, dass der 37-Jährige versucht habe, mit seinem Auto auf eine Böschung aufzufahren, um sich das Leben zu nehmen. Bei diesem Manöver habe sich mutmaßlich das trockene Gras der Böschung entzündet. Von der auf dem Boden aufliegenden Auspuffanlage sei das Feuer dann über den Unterboden des Fahrzeugs auf das ganze Auto übergegangen. Die rechtsmedizinische Untersuchung habe ergeben, dass der 37-Jährige durch die Einwirkung von Rauchgasen gestorben sei.

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Außerdem haben die Beamten nach eigenen Angaben mehrere Abschiedsbriefe des Verstorbenen gefunden. Diese wiederum ließen darauf schließen, dass er sich „aufgrund privater Probleme“ das Leben genommen habe. Auch die Abhör-Affäre habe dabei eine Rolle gespielt. „Der Manager sah sich insoweit offenbar als der mutmaßliche 'Maulwurf' derart bedrängt, dass er sich für keinen anderen Ausweg als die Selbsttötung sah“, schreibt die Staatsanwaltschaft. (red)

Anmerkung der Redaktion

Normalerweise berichten wir nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit.

Wer unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leidet oder jemanden kennt, der daran leidet, kann sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen.

Sie ist erreichbar unter der Telefonnummer 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.